Das Wichtigste in Kürze
- Der EM-SAT misst, er baut nicht: Er bestimmt die tatsächliche Gleislage und liefert die Korrekturwerte für die Stopfmaschine.
- Absolut statt relativ: Bezug sind ortsfeste Vermessungspunkte, nicht nur das Gleis selbst.
- Schnellster Erkennungsweg: ein zweiteiliges Gespann aus Grundfahrzeug und vorauslaufendem Messwagen ohne Arbeitsaggregate.
- Ohne Messung kein sinnvolles Stopfen – die Messfahrt ist der Schritt vor der eigentlichen Bauarbeit.
- Halter und Einsatzorte wechseln mit Bauprogrammen und Auftraggebern.
Inhaltsverzeichnis
Steckbrief
| Fahrzeugart | Selbstfahrendes Gleisvermessungsfahrzeug (Bahndienstfahrzeug) |
|---|---|
| Hersteller | Plasser & Theurer |
| Aufgabe | Bestimmen der absoluten Gleislage und Berechnen der Hebe- und Richtwerte für die Stopfmaschine |
| Messprinzip | Langbasis-Messung zwischen Grundfahrzeug und vorausfahrendem Messwagen (Satellit) |
| Bezugsgröße | Ortsfeste Vermessungspunkte am Fahrweg, nicht nur die relative Lage des Gleises zu sich selbst |
| UIC-Bauartcode | 99 – Nebenfahrzeug / Sonderfahrzeug |
Erkennungsmerkmale
Hast du wirklich diese Baureihe vor dir?
- Kompakter Triebfahrzeugaufbau mit großen Fenstern und Arbeitsplätzen im Inneren
- Separater Messwagen, der vor dem Grundfahrzeug auf dem Gleis läuft und mit ihm über eine Messstrecke verbunden ist
- Optische Messeinrichtung zwischen Grundfahrzeug und Satellit – keine Arbeitsaggregate im Schotter
- Warnlackierung mit Kontraststreifen, Rundumleuchten, Arbeitsscheinwerfer
- Keine Stopfpickel, keine Siebanlage, keine Pflugschare – die Maschine bearbeitet nichts
- Zwölfstellige Fahrzeugnummer mit dem Bauartcode 99
Aktualisiert: August 2026 – Bevor ein Gleis korrigiert werden kann, muss jemand wissen, wo es tatsächlich liegt. Genau dafür gibt es den EM-SAT 120: ein Gleisvermessungsfahrzeug, das die absolute Lage des Gleises bestimmt und daraus die Hebe- und Richtwerte für die Stopfmaschine errechnet. Diese Seite erklärt das Messprinzip und zeigt, woran du ein Messfahrzeug von einer Arbeitsmaschine unterscheidest.
Messfahrzeug erwischt? Sofort notieren.
Messfahrzeuge sind noch seltener als Bauzüge – halte Nummer, Ort und Datum direkt in Traintrack fest.
Was ist der Plasser & Theurer EM-SAT 120?
Der EM-SAT 120 ist ein selbstfahrendes Gleisvermessungsfahrzeug. Er greift nicht in den Oberbau ein: keine Stopfpickel, keine Siebanlage, keine Pflugschare. Sein Produkt sind Daten – konkret die Abweichung des Gleises von seiner Solllage und die daraus abgeleiteten Korrekturwerte.
Charakteristisch ist die zweiteilige Arbeitsweise. Zum Grundfahrzeug gehört ein Messwagen, der vor dem Fahrzeug auf dem Gleis läuft. Zwischen beiden wird eine lange Messbasis aufgespannt, über die das Fahrzeug die Lage des Gleises erfasst. Diese Bauart macht den EM-SAT zu einer der ungewöhnlichsten Erscheinungen im Bahndienst: ein Fahrzeug, das mit einem kleinen Wagen im Schlepp beziehungsweise Vorlauf unterwegs ist, ohne dass dieser Wagen etwas transportiert.
Relativ oder absolut: das Kernproblem der Gleisvermessung
Eine Stopfmaschine misst klassischerweise mit einer gespannten Sehne entlang der eigenen Maschinenlänge. Damit erkennt sie, ob das Gleis an einer Stelle von der Verbindungslinie zweier anderer Stellen abweicht – also lokale Knicke und kurze Wellen. Was sie prinzipbedingt nicht erkennt: eine langgezogene Verschiebung, bei der das gesamte Gleis über hunderte Meter von der eigentlichen Trassenachse abweicht. Für die Sehne sieht ein gleichmäßig verschobenes Gleis genauso aus wie ein korrektes.
Der Denkfehler, den die absolute Messung behebt
Ein Gleis kann in sich völlig gleichmäßig liegen und trotzdem an der falschen Stelle sein. Relative Messverfahren merken das nie, weil ihr Bezug das Gleis selbst ist. Erst der Bezug auf ortsfeste Punkte macht sichtbar, ob die Trasse als Ganzes noch stimmt.
Genau hier setzt der EM-SAT an: Er bezieht seine Messung auf ortsfeste Vermessungspunkte am Fahrweg, die vorab von Bahn-Ingenieurbüros wie IGEBA Ingenieurgesellschaft Bahn eingemessen werden. Dadurch kann er nicht nur sagen, wo das Gleis uneben ist, sondern auch, wo es insgesamt neu eingerichtet werden muss.
So läuft eine Messfahrt ab
Messbasis aufbauen
Der Messwagen wird vor dem Grundfahrzeug positioniert. Zwischen beiden entsteht eine lange, optisch überwachte Messstrecke.
Festpunkte anbinden
Die Messung wird an ortsfeste Vermessungspunkte am Fahrweg angeschlossen. Sie liefern den absoluten Bezug, den das Gleis selbst nicht hergibt.
Ist-Lage erfassen
Während der Fahrt wird die tatsächliche Lage des Gleises in Höhe und Richtung fortlaufend aufgezeichnet.
Korrekturwerte berechnen
Aus dem Vergleich von Ist- und Solllage entstehen Hebe- und Richtwerte für jeden Messpunkt.
Daten übergeben
Die Werte gehen an die Stopfmaschine, die anschließend nicht nach eigener Sehnenmessung, sondern nach der Sollgeometrie arbeitet.
Seltene Fahrzeuge, seltene Chancen
Wer weiß, was gerade wo gemeldet wurde, ist im Vorteil – Live-Sichtungen gibt es in Traintrack.
Messen ist nicht gleich messen
Im Bahnbetrieb gibt es mehrere Arten von Messfahrzeugen, die leicht verwechselt werden. Sie unterscheiden sich in Geschwindigkeit, Messgröße und Zweck.
| Fahrzeugart | Was gemessen wird | Typische Arbeitsweise |
|---|---|---|
| Baustellen-Vermessungsfahrzeug | absolute Gleislage in Höhe und Richtung | langsam, mit Messwagen, im Vorlauf zur Baustelle |
| Gleismesszug | zahlreiche Oberbauparameter im Netz | mit hoher Geschwindigkeit im Regelbetrieb |
| Oberleitungsmessfahrzeug | Lage und Zustand des Fahrdrahts | Messfahrt unter Spannung, oft mit Messstromabnehmer |
| Ultraschall-Schienenprüfung | innere Schienenfehler | langsame Prüffahrt mit Prüfrädern auf der Schiene |
| Funk- und Signalmessung | Übertragungsqualität der Streckenausrüstung | Messfahrt mit Antennen- und Empfangstechnik |
In diese Familie gehören auch die klassischen deutschen Messfahrzeuge wie die DB-Baureihe 719. Der EM-SAT ist demgegenüber ein reines Baustellenfahrzeug – er misst nicht das Netz, sondern den Abschnitt, an dem als Nächstes gearbeitet wird. Seine Werte gehen anschließend direkt an Maschinen wie die Plasser & Theurer 08-275/4 ZW-Y oder die Plasser & Theurer 09-4X Dynamic.
Was der EM-SAT liefert, ist damit die Grundlage für alles Folgende: Ohne belastbare Messwerte könnte eine Stopfmaschine zwar arbeiten, aber nur relativ zu sich selbst – und würde langgezogene Lagefehler unbemerkt mitschleppen. Das erklärt, warum Messfahrten nicht am Ende, sondern am Anfang einer Baumaßnahme stehen.
Kennzeichnung und was sich davon ändert
Auch Messfahrzeuge sind Nebenfahrzeuge und tragen eine zwölfstellige Fahrzeugnummer, deren erste beiden Ziffern der UIC-Bauartcode sind – bei Nebenfahrzeugen die 99. Es folgen Länderkennung, fahrzeugspezifischer Teil und die Selbstkontrollziffer. Wie diese Nummer aufgebaut ist und wie du die Prüfziffer nachrechnest, erklärt der Guide zur UIC-Nummer und ihrer Prüfziffer.
Eine Besonderheit ergibt sich beim EM-SAT aus seiner Zweiteiligkeit: Grundfahrzeug und Messwagen sind eigenständige Fahrzeuge und tragen jeweils eigene Nummern. Wer eine Sichtung dokumentiert, sollte deshalb festhalten, welches der beiden er tatsächlich lesen konnte – sonst entsteht später der Eindruck, es handle sich um zwei unabhängige Beobachtungen oder um ein einziges Fahrzeug mit widersprüchlichen Nummern.
Für die Bestimmung im Feld ist außerdem die Anschrift wichtig: Herstellerbezeichnung, interne Maschinennummer und Halter stehen meist deutlich lesbar am Aufbau. Alles davon außer der Fahrzeugnummer kann sich ändern. Wie du solche Beschriftungen auf Fotos zuverlässig festhältst und später auswertest, behandelt der Beitrag zu Kennzeichen und Nummern auf Fotos; die generelle Vorgehensweise beim Bestimmen unbekannter Fahrzeuge steht in der Anleitung zum Bestimmen von Baureihen.
Auch eine Messfahrt ist Baustellenbetrieb
Messfahrzeuge bewegen sich langsam, aber unangekündigt, häufig im gesperrten Gleis und in Baustellenbereichen. Gleise, Baustellen und Betriebsanlagen darfst du nicht betreten. Beobachte ausschließlich von öffentlich zugänglichen Standorten – ein Messfahrzeug ist kein Grund, näher heranzugehen.
Häufige Verwechslungen
Es spricht für ein Vermessungsfahrzeug, wenn …
- keinerlei Arbeitsaggregate im Schotter oder an der Schiene arbeiten
- ein kleiner Messwagen vor oder hinter dem Fahrzeug mitläuft
- der Aufbau Arbeitsplätze mit Fenstern statt Maschinentechnik enthält
- die Fahrt langsam und ohne sichtbare Materialbewegung abläuft
Sieh genauer hin, wenn …
- das Fahrzeug allein ohne Messwagen unterwegs ist
- ein Turmtriebwagen mit Arbeitsbühne ähnlich kompakt wirkt
- ein Gleiskraftwagen mit Ladefläche verwechselbar aussieht
Es ist kein Vermessungsfahrzeug, wenn …
- Stopfpickel oder ein Hebe-Richt-Aggregat vorhanden sind
- Schotter bewegt, gesiebt oder verteilt wird
- ein Kranausleger oder Anbaugerät montiert ist
Fazit
Der EM-SAT 120 ist das Fahrzeug, das man übersieht, weil es nichts sichtbar tut – und ohne das die ganze Kette dahinter deutlich schlechter arbeiten würde. Er beantwortet die Frage, die keine Stopfmaschine allein beantworten kann: nicht nur, ob das Gleis in sich eben liegt, sondern ob es überhaupt an der richtigen Stelle liegt. Erkennbar ist er am zweiteiligen Gespann und daran, dass er keinerlei Arbeitsaggregate mitführt.
Kurzfazit
Messen statt bauen: Der EM-SAT 120 bestimmt die absolute Gleislage über eine lange Messbasis mit Satellitenwagen und liefert die Hebe- und Richtwerte für die Stopfmaschine. Fahrzeugnummer mit Bauartcode 99, keine Arbeitsaggregate am Fahrzeug.
Zusammenfassung
- Gleisvermessung ist die Grundlage jeder Instandhaltung: Erst wenn die Ist-Lage bekannt ist, kann korrigiert werden.
- Der EM-SAT arbeitet mit einer langen Messbasis zwischen Grundfahrzeug und Satellitenwagen.
- Sein Ergebnis sind Hebe- und Richtwerte, die direkt an die Stopfmaschine übergeben werden.
- Erkennbar ist er daran, dass er keinerlei Arbeitsaggregate im Gleis hat – er berührt nur die Schiene.
Häufige Fragen
Was macht der EM-SAT 120?
Er vermisst das Gleis. Anders als die klassische Sehnenmessung an einer Stopfmaschine bestimmt er die absolute Lage des Gleises in Bezug auf ortsfeste Vermessungspunkte am Fahrweg. Aus dem Vergleich von Ist- und Solllage errechnet er die Hebe- und Richtwerte, mit denen die Stopfmaschine anschließend arbeitet.
Was ist der Unterschied zwischen relativer und absoluter Gleislage?
Die relative Messung vergleicht das Gleis mit sich selbst: Sie erkennt Knicke und kurze Wellen, aber keine langgezogene Verschiebung der gesamten Achse. Die absolute Messung bezieht das Gleis auf feste Punkte außerhalb und erkennt damit auch, wenn eine ganze Strecke seitlich oder in der Höhe von der Solltrasse abweicht.
Wozu dient der separate Messwagen?
Er spannt die Messbasis auf. Der Satellitenwagen fährt vor dem Grundfahrzeug her; zwischen beiden verläuft eine optische Messstrecke. Je länger diese Basis, desto besser lassen sich langwellige Lagefehler erfassen, die mit einer kurzen Messsehne unsichtbar bleiben.
Ist der EM-SAT ein Bauzug oder ein Messzug?
Ein Messfahrzeug. Es hat keine Arbeitsaggregate, greift nicht in den Schotter ein und verändert das Gleis nicht. Sein Produkt sind Daten. In der Kette einer Baustelle steht es deshalb vor den arbeitenden Maschinen – und häufig noch einmal danach zur Kontrolle.
Wie kommen die Messwerte zur Stopfmaschine?
Als Datensatz. Die berechneten Hebe- und Richtwerte werden je Messpunkt bereitgestellt und in der Steuerung der Stopfmaschine verwendet. Dadurch stopft die Maschine nicht nur nach ihrer eigenen Sehnenmessung, sondern nach der zuvor bestimmten Sollgeometrie – das ist der entscheidende Qualitätssprung.
Wie lese ich die Typenbezeichnung?
Sie stammt aus der Systematik des Herstellers und beschreibt Maschinenfamilie und Bauform, nicht eine Baureihe im Sinne der Lokomotivbezeichnungen. Die eindeutige Kennung ist die zwölfstellige Fahrzeugnummer, deren erste beiden Ziffern bei Nebenfahrzeugen 99 lauten.
Wo sehe ich ein Gleismessfahrzeug am ehesten?
Auf Überführungsfahrten und im Vorlauf zu Baustellen, gelegentlich auch tagsüber, weil eine Messfahrt weniger Sperrzeit braucht als eine Bauarbeit. Feste Standorte gibt es nicht – Halter, Beschriftung und Einsatzgebiet wechseln mit Aufträgen und Bauprogrammen.
Wie unterscheide ich den EM-SAT von einem Gleismesszug der Bahn?
An Größe und Zweck. Große Gleismesszüge fahren mit Streckengeschwindigkeit und erfassen zahlreiche Parameter im Regelbetrieb. Der EM-SAT ist ein kompaktes Baustellenfahrzeug, das langsam arbeitet, mit einem Satellitenwagen fährt und speziell die Vorgaben für das anschließende Stopfen liefert.
Sichtung von Plasser & Theurer EM-SAT 120 festhalten
Datum, Ort und Fahrzeugnummer in Sekunden erfasst – und sichtbar für die Community.
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