Das Wichtigste in Kürze
- Die S 3/6 stammt aus der Länderbahnzeit: Sie wurde von Maffei für die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen gebaut, lange vor der Vereinheitlichung des Lokbaus.
- Die bayerische Bezeichnung erklärt sich selbst: S für Schnellzug, 3/6 für drei angetriebene von insgesamt sechs Achsen.
- Vierzylinder-Verbund heißt: Der Dampf wird zweimal genutzt, erst in zwei Hochdruck-, dann in zwei Niederdruckzylindern.
- Bei der Reichsbahn wurde daraus die Baureihe 18.4–5 – eingeordnet in den Schnellzugbereich 01 bis 19.
- Regeleinsätze gibt es nicht mehr; die erhaltenen Maschinen stehen in Museen oder laufen bei seltenen Anlässen.
Inhaltsverzeichnis
Steckbrief
| Fahrzeugart | Schnellzug-Dampflokomotive mit Schlepptender |
|---|---|
| Achsfolge | 2'C1' – Laufdrehgestell vorn, drei Kuppelachsen, eine Laufachse hinten |
| Bauart | Vierzylinder-Verbundmaschine, Heißdampf |
| Hersteller | Maffei, München |
| Bauzeitraum | 1908 bis 1931, in mehreren Serien |
| Höchstgeschwindigkeit | 120 km/h |
| Ursprüngliche Bezeichnung | S 3/6 der Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen |
| Bezeichnung bei der Reichsbahn | Baureihe 18.4 und 18.5 |
| Heutiger Status | Kein Regeleinsatz – erhaltene Maschinen sind Museums- und Ausstellungsfahrzeuge |
Erkennungsmerkmale
Hast du wirklich diese Baureihe vor dir?
- Vier Zylinder: zwei außenliegende und zwei innenliegende – deutlich mehr Triebwerk als bei einer Einheitslok
- Achsfolge 2'C1' mit Schlepptender, aber deutlich älter wirkende Formensprache als bei den Einheitsbauarten
- Hoher, schlanker Schornstein und ausgeprägte Kesselaufbauten der Länderbahnzeit
- Bei manchen Serien auffallend große Treibräder
- Anschrift entweder als S 3/6 in bayerischer Schreibweise oder als 18 4xx / 18 5xx
- Zu sehen ausschließlich in Museen, bei Sonderfahrten und auf Ausstellungen
Aktualisiert: August 2026 – Bevor es Einheitslokomotiven gab, baute jedes deutsche Land seine eigenen Maschinen – und Bayern baute mit der S 3/6 eine der elegantesten Schnellzugloks, die je in Deutschland fuhren. Bei der Deutschen Reichsbahn wurde sie zur Baureihe 18.4–5. Diese Seite erklärt beide Bezeichnungssysteme, die Erkennungsmerkmale und wie du an eine Sichtung kommst.
Historisches Fahrzeug gesehen?
Bei Länderbahnlokomotiven ist jede dokumentierte Begegnung selten – halte Nummer, Ort und Datum fest.
Was ist die Baureihe 18.4–5?
Die Baureihe 18.4–5 ist die Reichsbahn-Bezeichnung für die Bayerische S 3/6, eine Schnellzug-Dampflokomotive mit Schlepptender und der Achsfolge 2’C1’. Gebaut wurde sie von Maffei in München, in mehreren Serien zwischen 1908 und 1931, mit einem Vierzylinder-Verbundtriebwerk und einer Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h.
Bemerkenswert ist die Bauzeit. Über zwei Jahrzehnte hinweg blieb dieselbe Grundkonstruktion aktuell – erst als Spitzenlok der bayerischen Staatsbahn, später als Bestandteil des Reichsbahnbestands. Damit gehört die S 3/6 zu den langlebigsten deutschen Schnellzugbauarten überhaupt. Heute sind die erhaltenen Maschinen Museumsfahrzeuge; einen Regeleinsatz gibt es nicht mehr.
Zwei Bezeichnungssysteme, ein Fahrzeug
Wer sich mit deutschen Dampfloks beschäftigt, stößt zwangsläufig auf zwei parallele Systeme: die Gattungsbezeichnungen der Länderbahnen und das Baureihenschema der Reichsbahn ab 1925.
Das bayerische Gattungssystem
Ein Buchstabe für den Zweck – S für Schnellzug, P für Personenzug, G für Güterzug – und ein Bruch für die Achsen: angetriebene Achsen durch Gesamtachsen. S 3/6 heißt also: Schnellzuglok, drei von sechs Achsen angetrieben.
Das Reichsbahn-Baureihenschema
Ab 1925 bekamen alle Lokomotiven eine zweistellige Baureihenzahl nach Verwendungszweck: 01 bis 19 Schnellzug, 20 bis 39 Personenzug, 40 bis 59 Güterzug, ab 60 die Tenderlokomotiven.
Die Nachkommastelle
18.4 und 18.5 unterscheiden Bauserien innerhalb der Baureihe 18. Die Zahl leitet sich aus den vergebenen Ordnungsnummern ab und markiert technisch unterschiedliche Gruppen.
Beide Systeme laufen bis heute nebeneinander, weil Museumsfahrzeuge oft im Zustand einer bestimmten Epoche hergerichtet werden. Dieselbe Maschine kann deshalb als S 3/6 oder als 18 4xx angeschrieben sein. Wie du bei solchen Doppelbezeichnungen systematisch vorgehst, zeigt die Anleitung zum Bestimmen von Baureihen.
Der Bruch verrät die Achsfolge
Bei Länderbahnbezeichnungen kannst du aus dem Bruch die Achsfolge grob ableiten: 3/6 bedeutet drei Treibachsen und drei Laufachsen. Bei der S 3/6 verteilen sich diese Laufachsen auf ein zweiachsiges Drehgestell vorn und eine Laufachse hinten – also 2'C1'.
Länderbahn oder Einheitslok? Die Unterschiede
Für die Bestimmung im Feld ist der wichtigste Schritt die Einordnung in eine Epoche. Länderbahnlokomotiven und Einheitslokomotiven sehen grundverschieden aus, wenn man weiß, worauf zu achten ist.
| Merkmal | Länderbahnlok wie die S 3/6 | Einheitslok wie die Baureihe 01 |
|---|---|---|
| Entstehungszeit | vor 1920, teils bis in die 1930er fortgebaut | ab 1925 |
| Formensprache | filigran, viele Einzelaufbauten | glatt, sachlich, genormt |
| Schornstein | hoch und schlank | kurz und gedrungen |
| Zylinderzahl | häufig vier, teils in Verbundbauart | zwei oder drei, meist einfache Dehnung |
| Bezeichnung | Gattung wie S 3/6, P 8, G 10 | Baureihenzahl wie 01, 03, 44 |
Aus der preußischen Parallelwelt stammt die weit verbreitete Preußische P 8, die als Baureihe 38 eingereiht wurde – dasselbe Prinzip, anderer Buchstabe, andere Aufgabe. Der Gegenpol auf der Seite der Einheitsbauarten ist die Baureihe 01. Und dass die Baureihenzahl 18 auch später noch für Sonderfälle herhalten musste, zeigt die Rekordmaschine 18 201, die technisch nichts mit der bayerischen Konstruktion zu tun hat.
Museumstermine im Blick behalten
Sichtungen aus der Community zeigen dir, welche historischen Fahrzeuge gerade bewegt werden.
Wo du eine S 3/6 antriffst
Ausschließlich im musealen Umfeld. Erhaltene Maschinen dieser Bauart stehen in Museen wie der Lokwelt Freilassing oder gehören Sammlungen; bewegt werden sie nur zu besonderen Anlässen und mit erheblichem Aufwand. Für die Recherche heißt das: Der Weg führt über Institutionen, nicht über Fahrpläne.
- Museen und Sammlungen sind die erste Adresse. Dort erfährst du, ob ein Fahrzeug ausgestellt, eingelagert oder betriebsfähig ist.
- Veranstaltungskalender der Museumsbahnen listen Fahrtage, Jubiläen und Fahrzeugtreffen, zu denen historische Maschinen gezeigt werden.
- Community-Foren melden kurzfristige Änderungen und Überführungen zuerst.
- Sonderausstellungen sind oft die einzige Gelegenheit, seltene Fahrzeuge außerhalb ihres Stammhauses zu sehen.
Wo diese Quellen zusammenlaufen und wie du sie effizient abarbeitest, beschreibt der Museumsbahn-Guide.
Im Museum gilt Hausrecht
Absperrungen, gesperrte Bereiche und Fotografieregeln legt der Betreiber fest und sie sind verbindlich. Gleise, Lokschuppen und Werkstattbereiche sind kein Besuchergelände. Auch scheinbar abgestellte Fahrzeuge können bewegt werden – halte Abstand und folge den Anweisungen des Personals.
Fototipps für Länderbahnlokomotiven
Alte Maschinen mit viel sichtbarem Triebwerk verlangen andere Bildideen als glatte Einheitsloks.
- Seitlich statt frontal. Das Vierzylinder-Triebwerk ist das Besondere an dieser Bauart und nur von der Seite sichtbar.
- Details lohnen sich. Schornstein, Kesselaufbauten, Fabrikschild und Anschriften erzählen mehr über die Epoche als jede Gesamtansicht.
- Im Museum auf Licht achten. Hallenlicht ist meist gemischt und dunkel; ein Stativverbot ist üblich, hohe ISO-Werte sind deshalb die Regel.
- Zustand dokumentieren. Museumsloks werden umlackiert und umbeschriftet – wie eine Maschine an einem bestimmten Datum aussah, ist eine echte Information.
Die technischen Grundlagen speziell für Dampf behandelt der Guide zur Dampfzugfotografie.
Die Gattungssysteme der Länderbahnen im Überblick
Vor 1920 gab es keine deutsche Staatsbahn, sondern mehrere Länderbahnen mit jeweils eigenen Bezeichnungssystemen. Wer historische Fahrzeuge einordnen will, stößt zwangsläufig auf diese Systeme – und sie sind logischer aufgebaut, als ihr Ruf vermuten lässt.
Bayern nutzte den Buchstaben für den Zweck und einen Bruch für die Achsen: S 3/6 heißt Schnellzuglok mit drei angetriebenen von sechs Achsen, P 3/5 entsprechend Personenzuglok mit drei von fünf. Preußen ging anders vor und kombinierte den Zweckbuchstaben mit einer laufenden Bauartnummer: P 8, G 10, T 12. Der Buchstabe sagt hier ebenfalls den Zweck – P für Personenzug, G für Güterzug, T für Tenderlokomotive – die Zahl dagegen nichts über die Achsen, sondern nur, um welche Konstruktion es sich handelt.
Beide Systeme wurden ab 1925 in das Baureihenschema der Reichsbahn überführt. Dabei blieb die Grundlogik erhalten: Der Zweck bestimmt den Zahlenbereich. Aus bayerischen und preußischen Schnellzugloks wurden Baureihen zwischen 01 und 19, aus Personenzugloks Baureihen zwischen 20 und 39. Museumsfahrzeuge tragen heute je nach dargestellter Epoche die eine oder die andere Bezeichnung – manchmal sogar beide gleichzeitig an verschiedenen Stellen des Fahrzeugs.
Häufige Verwechslungen
Es spricht für die S 3/6, wenn …
- du vier Zylinder findest, zwei außen und zwei innen
- die Achsfolge 2'C1' ist und ein Schlepptender mitläuft
- die Formensprache deutlich älter wirkt als bei Einheitsloks
- die Anschrift S 3/6 oder 18 4xx beziehungsweise 18 5xx lautet
Sieh genauer hin, wenn …
- die Lok im Museum ohne vollständige Anschriften steht
- du die inneren Zylinder aus deinem Winkel nicht beurteilen kannst
- das Fahrzeug im Zustand einer bestimmten Epoche hergerichtet wurde
Es ist keine S 3/6, wenn …
- nur zwei außenliegende Zylinder vorhanden sind
- die Lok glatt und sachlich wie eine Einheitsbauart wirkt
- du vier oder mehr gekuppelte Treibachsen zählst
Fazit
Die Bayerische S 3/6 ist der beste Einstieg in die Welt der Länderbahnbezeichnungen: Ihr Name erklärt sich selbst, sobald man das System kennt, und ihre Reichsbahn-Nummer zeigt, wie 1925 aus vielen Einzelsystemen eines wurde. Technisch steht sie mit ihrem Vierzylinder-Verbundtriebwerk für eine Epoche, die mit den Einheitslokomotiven endete. Heute begegnet man ihr nur noch im Museum – dort dafür in einem Zustand, den kaum ein anderes Fahrzeug dieser Zeit erreicht.
Kurzfazit
Vierzylinder-Verbund, 2'C1', Schlepptender, gebaut von Maffei zwischen 1908 und 1931: Das ist die S 3/6, bei der Reichsbahn Baureihe 18.4–5. Rein museal – Sichtungen laufen über Museen, Sammlungen und seltene Sonderanlässe.
Zusammenfassung
- Die Bayerische S 3/6 war die Spitzenlokomotive der bayerischen Staatsbahn und wurde über mehr als zwei Jahrzehnte in verschiedenen Serien gebaut.
- Ihr Vierzylinder-Verbundtriebwerk unterscheidet sie deutlich von den späteren Einheitslokomotiven mit zwei oder drei Zylindern.
- Bei der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft wurde sie als Baureihe 18.4 und 18.5 eingereiht und blieb noch lange nach dem Krieg im Dienst.
- Heute sind die erhaltenen Maschinen museal; Sichtungen sind nur bei Ausstellungen und seltenen Sonderfahrten möglich.
Häufige Fragen
Was ist die Bayerische S 3/6?
Die S 3/6 ist eine Schnellzug-Dampflokomotive mit Vierzylinder-Verbundtriebwerk und der Achsfolge 2'C1', gebaut von Maffei in München für die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen. Der Bau erstreckte sich über mehrere Serien von 1908 bis 1931. Die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft führte sie später als Baureihe 18.4 und 18.5.
Was bedeutet die Bezeichnung S 3/6?
Das ist das bayerische Gattungssystem. Der Buchstabe steht für den Verwendungszweck – S für Schnellzug, P für Personenzug, G für Güterzug. Der Bruch nennt die Achsen: 3 angetriebene von insgesamt 6. Eine S 3/6 ist also eine Schnellzuglok mit drei Treibachsen und sechs Achsen insgesamt. Das System ist erstaunlich präzise und war lange vor dem Reichsbahn-Schema in Gebrauch.
Warum wurde daraus die Baureihe 18.4–5?
Weil die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft ab 1925 alle übernommenen Länderbahnlokomotiven in ein einheitliches Nummernschema einordnete. Der Bereich 01 bis 19 war Schnellzuglokomotiven mit Schlepptender vorbehalten; die bayerischen Maschinen landeten dort in der Baureihe 18. Die Nachkommastellen 4 und 5 unterscheiden Bauserien innerhalb dieser Reihe.
Was ist eine Vierzylinder-Verbundmaschine?
Bei einer Verbundmaschine wird der Dampf zweimal genutzt: zuerst in zwei Hochdruckzylindern, danach – mit geringerem Druck, aber größerem Volumen – in zwei Niederdruckzylindern. Das spart Kohle und Wasser, macht die Maschine aber komplizierter. Bei der S 3/6 liegen zwei Zylinder außen und zwei innen zwischen den Rahmenwangen.
Wie unterscheide ich die S 3/6 von einer Baureihe 01?
An der Formensprache und am Triebwerk. Die S 3/6 stammt aus der Länderbahnzeit und wirkt filigraner, mit hohem schlankem Schornstein und anderen Kesselaufbauten. Die Baureihe 01 ist eine Einheitslok der späten 1920er-Jahre mit nur zwei außenliegenden Zylindern und deutlich robusterer, glatterer Erscheinung. Endgültig entscheidet die Anschrift.
Fährt noch eine S 3/6?
Im Regeldienst nicht. Die erhaltenen Maschinen sind Museums- und Ausstellungsfahrzeuge. Ob eine davon betriebsfähig ist, ändert sich über die Jahre mit Aufarbeitungen und Fristen. Wer eine sehen will, informiert sich direkt beim jeweiligen Museum oder Betreiber – eine allgemeingültige Auskunft dazu gibt es nicht.
Warum gilt die S 3/6 als besonders elegant?
Weil sie aus einer Zeit stammt, in der Lokomotiven noch bewusst gestaltet wurden. Proportionen, Schornsteinform, Kesselaufbauten und die sichtbare Anordnung des Triebwerks folgen nicht allein der Fertigungslogik. Die späteren Einheitslokomotiven waren technisch rationaler, wirkten dafür sachlicher – ein Unterschied, der auf Fotos sofort ins Auge fällt.
Wo finde ich Termine für historische bayerische Lokomotiven?
Bei den Museen und Vereinen, die die Fahrzeuge betreuen, sowie in den Veranstaltungskalendern der Museumsbahnen. Kurzfristige Änderungen tauchen zuerst in Community-Foren auf. Feste Fahrpläne existieren nicht – jede Bewegung eines solchen Fahrzeugs ist ein Einzelereignis und wird vorher angekündigt.
Sichtung von Baureihe 18.4–5 (Bayerische S 3/6) festhalten
Datum, Ort und Fahrzeugnummer in Sekunden erfasst – und sichtbar für die Community.
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