Das Wichtigste in Kürze
- Die E 95 ist eine schwere Gebirgs-Güterzuglok der Reichsbahnzeit, gebaut in sehr kleiner Stückzahl.
- Entscheidendes Merkmal: sechs Treibachsen plus je eine Laufachse an den Enden – genau diese Laufachsen fehlen der E 94.
- Stangenantrieb macht die Kraftübertragung von außen sichtbar und weist das Fahrzeug sofort als Altbaulok aus.
- Bauartcode 97 ordnet die Maschine heute in die Gruppe der nicht regelmäßig streckendienstlichen Elloks ein.
- Kleinserien-Effekt: Wenige Fahrzeuge bedeuten wenige Sichtungschancen – jede Dokumentation zählt.
Inhaltsverzeichnis
Steckbrief
| Fahrzeugart | Schwere elektrische Güterzuglokomotive für steigungsreiche Strecken |
|---|---|
| Bauartcode (UIC) | 97 – elektrische Rangier- bzw. Bahndienstlokomotive in der heutigen Systematik |
| Achsanordnung | Zwei dreiachsige Triebgestelle mit je einer vorlaufenden Laufachse (1'Co+Co1') |
| Antrieb | Stangenantrieb über Blindwelle und Kuppelstangen |
| Stromsystem | 15 kV / 16,7 Hz Wechselstrom (Oberleitung) |
| Bauzeit | ab Ende der 1920er Jahre |
| Serienumfang | Kleinserie – nur wenige Maschinen gebaut |
| Ursprüngliches Einsatzgebiet | Elektrifizierte Gebirgsstrecken im schlesischen Netz |
| Heutiger Status | Musealer Bestand, kein Regeleinsatz |
Erkennungsmerkmale
Hast du wirklich diese Baureihe vor dir?
- Sechs Treibachsen in zwei Gruppen, dazu je eine kleinere Laufachse an den Fahrzeugenden
- Deutlich sichtbare Kuppelstangen an beiden Triebgestellen
- Sehr langer Aufbau mit erkennbarer Zweiteilung des Fahrwerks
- Führerhaus mittig zwischen zwei Aufbauabschnitten
- Anschrift beginnt mit E 95 und trägt eine einstellige Ordnungsnummer
- Nur in musealer Obhut anzutreffen – kein Betriebseinsatz
Aktualisiert: August 2026 – Sechs angetriebene Achsen, dazu Laufachsen an den Enden, offen liegende Kuppelstangen und ein Aufbau, dem man die Aufgabe ansieht: Die Baureihe E 95 ist eine schwere Gebirgs-Güterzuglok aus der Frühzeit der deutschen Elektrifizierung. Sie blieb eine Kleinserie – und genau das macht sie für Fahrzeugkundige interessant.
Kleinserie gesichtet? Sofort dokumentieren.
Bei Baureihen mit einer Handvoll Fahrzeugen ist jede Sichtung ein Einzelereignis – in Traintrack in Sekunden festgehalten.
Was ist die Baureihe E 95?
Die Baureihe E 95 ist eine schwere elektrische Güterzuglokomotive der Deutschen Reichsbahn mit sechs angetriebenen Achsen und zusätzlichen Laufachsen an den Fahrzeugenden. Gebaut wurde sie ab Ende der 1920er Jahre in sehr kleiner Stückzahl, ausgelegt auf den Güterverkehr über elektrifizierte Gebirgsstrecken im schlesischen Netz.
Wie alle Elloks dieser Zeit arbeitet sie mit Stangenantrieb: Der Fahrmotor treibt eine Blindwelle an, von dort überträgt eine Treibstange die Kraft auf eine Treibachse, Kuppelstangen verteilen sie auf die übrigen. Heute ist die Baureihe musealer Bestand; im Regelbetrieb ist sie nicht mehr anzutreffen.
Achsfolge lesen: der Schlüssel zu dieser Baureihe
Bei Altbau-Elloks ist die Achsfolge kein Detail für Spezialisten, sondern das schnellste Bestimmungsmerkmal überhaupt. Für die E 95 lautet sie 1’Co+Co1’. Aufgeschlüsselt bedeutet das:
| Zeichen | Bedeutung | Was du am Fahrzeug siehst |
|---|---|---|
| 1 | Eine einzelne Laufachse | Ein kleineres Rad ohne Kuppelstange am Fahrzeugende |
| C | Drei Treibachsen in einer Gruppe | Drei gleich große Räder, durch Kuppelstangen verbunden |
| o | Einzelantrieb der Achsen | Antrieb je Achse statt gemeinsamer Antriebswelle |
| ’ (Strich) | Bewegliche Lagerung | Die Gruppe kann sich gegenüber dem Rahmen einstellen |
| + (Plus) | Gelenkige Verbindung | Zwei Fahrwerksgruppen, nicht ein durchgehender Rahmen |
Wer diese Schreibweise einmal verstanden hat, liest sie bei jedem Altbaufahrzeug ab – und trennt damit Baureihen, die sich sonst zum Verwechseln ähneln. Die vollständige Fahrzeugnummer mit ihrer vorangestellten Bauartziffer erklärt ergänzend der Guide zum Aufbau der UIC-Nummer.
So bestimmst du eine E 95 im Feld
Antriebsart klären
Stromabnehmer auf dem Dach plus sichtbare Kuppelstangen: Damit ist das Fahrzeug eine Altbau-Ellok und alle modernen Baureihen sind ausgeschlossen.
Radgrößen vergleichen
Sind alle Räder gleich groß, spricht das für die E 94. Kleinere Laufräder an den Fahrzeugenden sind das Merkmal der E 95.
Fahrwerk als Ganzes betrachten
Zwei erkennbar getrennte Fahrwerksgruppen mit gelenkiger Verbindung, nicht ein durchgehender starrer Rahmen.
Anschrift prüfen
E 95 mit einstelliger Ordnungsnummer bestätigt die Zuordnung. Bei musealen Fahrzeugen lohnt zusätzlich ein Detailfoto des Schildes.
Wer sich die Reihenfolge Antriebsart – Achsen – Aufbau – Anschrift angewöhnt, bestimmt auch unbekannte Fahrzeuge zuverlässig. Die Anleitung zum Bestimmen von Baureihen beschreibt genau dieses Vorgehen.
Altbaufahrzeuge systematisch erfassen
Wer museale Loks dokumentiert, sieht in Traintrack auf einen Blick, welche Bauarten noch fehlen.
Wo du die E 95 realistisch findest – und wie du sie fotografierst
Der Regelbetrieb fällt aus. Damit bleibt der museale Weg: Sammlungen wie das Sächsische Eisenbahnmuseum Chemnitz-Hilbersdorf, Fahrzeugschauen und gelegentliche Präsentationen. Weil es sich um eine Kleinserie handelt, ist der Kreis der infrage kommenden Orte klein und die Recherche entsprechend überschaubar.
Standort vor der Anreise prüfen
Museale Großfahrzeuge wechseln Ausstellungsorte, gehen als Leihgabe an andere Sammlungen oder verschwinden für Jahre in der Aufarbeitung. Ältere Listen im Netz spiegeln diesen Stand nicht wider – eine kurze Rückfrage beim Museum erspart eine vergebliche Fahrt.
Für das Foto selbst gilt bei so großen Fahrzeugen:
- Abstand halten und lange Brennweite meiden. Eine achtachsige Lok braucht Raum im Bild; ein Weitwinkel aus der Nähe verzerrt die Proportionen so stark, dass die Achsanordnung unlesbar wird.
- Seitliches Profil suchen. Nur seitlich sind Treib- und Laufachsen sauber zu trennen – und genau darum geht es bei dieser Baureihe.
- Fahrwerk separat aufnehmen. Ein zweites Bild, das nur Räder, Stangen und Blindwelle zeigt, ist für die spätere Bestimmung oft wertvoller als die Totale.
- Anweisungen des Betreibers befolgen. Auf Museumsgeländen sind Gleise, Gruben und Werkstattbereiche tabu, solange sie nicht ausdrücklich freigegeben sind. Auch dort können Fahrzeuge bewegt werden.
Welche Museumsvereine Termine veröffentlichen und wo sich die Recherche lohnt, fasst der Guide zu Museumsbahnen und Sonderfahrten zusammen.
Was eine Gebirgslok von einer Flachlandmaschine unterscheidet
Der Auftrag „schwerer Güterverkehr über Gebirgsstrecken“ führt zu Konstruktionsentscheidungen, die man dem Fahrzeug ansieht. Drei davon lassen sich auch ohne Datenblatt nachvollziehen.
Erstens die Zahl der angetriebenen Achsen. Zugkraft entsteht aus Reibung zwischen Rad und Schiene. Je mehr Achsen angetrieben sind, desto mehr Fahrzeuggewicht steht für diese Reibung zur Verfügung. Sechs Treibachsen sind deshalb keine Spielerei, sondern die direkte Antwort auf lange Steigungen mit schweren Zügen.
Zweitens die Laufachsen. Eine Maschine mit sechs gekuppelten Treibachsen hat einen sehr langen starren Radstand. Laufachsen an den Fahrzeugenden verbessern den Lauf im Gleisbogen und entlasten die Spurkränze der äußeren Treibachsen. Gebirgsstrecken sind voller enger Bögen – die Laufachsen sind also eine Folge der Streckenführung, nicht Zierrat.
Drittens das gelenkige Fahrwerk. Zwei Fahrwerksgruppen, die sich gegeneinander einstellen können, bringen ein langes Fahrzeug durch Bögen, die ein durchgehender starrer Rahmen nur mit hohem Verschleiß bewältigen würde. Genau dieses Prinzip findest du bei mehreren Altbau-Elloks der Zeit wieder – es ist ein Merkmal der Fahrzeuggeneration, nicht einer einzelnen Baureihe.
Wer diese drei Punkte beim Betrachten einer unbekannten Altbaulok durchgeht, kann meist schon sagen, wofür sie gebaut wurde – lange bevor eine Quelle konsultiert wird.
Häufige Verwechslungen
Es spricht für die E 95, wenn …
- du sechs gekuppelte Treibachsen und zusätzlich kleinere Laufachsen zählst
- zwei getrennte Fahrwerksgruppen erkennbar sind
- Kuppelstangen an beiden Gruppen sichtbar sind
- die Anschrift E 95 lautet
Sieh genauer hin, wenn …
- alle Räder gleich groß wirken – dann kommt eher die E 94 infrage
- die Lok zwei kurze Vorbauten statt eines langen Aufbaus hat
- Anschriften fehlen oder das Fahrzeug unlackiert in Aufarbeitung steht
Es ist keine E 95, wenn …
- der Antrieb gekapselt im Drehgestell sitzt
- die Lok vier oder weniger Achsen hat
- kein Stromabnehmer vorhanden ist – dann ist es ein Dieselfahrzeug
Die naheliegendste Verwechslung ist die Baureihe E 94, die ebenfalls sechs angetriebene Achsen führt, aber keine Laufachsen hat. Deutlich anders proportioniert sind die DR-Baureihe E 77 mit ihrem zweiteiligen Fahrwerk und die vierachsige Universalmaschine Baureihe E 44.
Fazit
Die E 95 ist ein Fahrzeug, das man über die Achsfolge erschließt. Sechs Treibachsen für die Zugkraft, Laufachsen für den ruhigen Lauf, Stangenantrieb als Technik ihrer Zeit – und alles zusammen eine Maschine, die für ein eng umrissenes Einsatzgebiet gebaut wurde und deshalb Kleinserie blieb. Wer die kleineren Räder an den Fahrzeugenden bemerkt, hat sie sicher von der E 94 getrennt.
Kurzfazit
Sechs Treibachsen plus Laufachsen an den Enden, Kuppelstangen, zweiteiliges Fahrwerk: Das ist die E 95. Zu sehen gibt es sie nur noch im musealen Bestand – Standort vorher prüfen, Sichtung mit Datum und Detailfoto festhalten.
Zusammenfassung
- Die E 95 entstand für den schweren Güterverkehr auf elektrifizierten Gebirgsstrecken und blieb eine Kleinserie.
- Ihre Achsanordnung mit Laufachsen an den Fahrzeugenden ist das zuverlässigste Unterscheidungsmerkmal zur sonst ähnlichen E 94.
- Der Stangenantrieb über Blindwelle und Kuppelstangen ist typisch für die Elloks der ersten Elektrifizierungsjahrzehnte.
- Heute ist die Baureihe musealer Bestand; Standort und Ausstellungssituation können sich ändern und sollten vor der Anreise geprüft werden.
Häufige Fragen
Wie erkenne ich eine Baureihe E 95?
An der Achsanordnung. Die E 95 hat sechs Treibachsen in zwei Gruppen und dazu je eine kleinere Laufachse an den Fahrzeugenden. Sichtbare Kuppelstangen weisen sie als Altbaulok mit Stangenantrieb aus. Wer die kleineren Laufräder außen findet, hat das entscheidende Merkmal bereits gesehen.
Was unterscheidet die E 95 von der E 94?
Die Laufachsen. Die E 94 hat die Achsfolge Co'Co' – sechs angetriebene Achsen, sonst nichts. Die E 95 führt zusätzlich eine Laufachse an jedem Fahrzeugende, ist dadurch länger und läuft im Gleisbogen anders. Achte auf die Radgrößen: gleich große Räder durchgehend sprechen für die E 94, kleinere Räder an den Enden für die E 95.
Was bedeutet die Achsfolge 1'Co+Co1'?
Die 1 steht für eine einzelne Laufachse, das Co für drei einzeln angetriebene Treibachsen in einer Gruppe. Die Striche kennzeichnen bewegliche Lagerung, das Pluszeichen eine gelenkige Verbindung zwischen den Fahrwerksgruppen. Insgesamt hat die Lok also acht Achsen, von denen sechs angetrieben sind.
Wofür wurde die E 95 gebaut?
Für den schweren Güterverkehr auf elektrifizierten Gebirgsstrecken. Solche Strecken verlangen hohe Zugkraft über lange Steigungen und eine Bremsleistung, die auch bergab beherrschbar bleibt. Beides führte zu einer sehr schweren, sechsfach angetriebenen Maschine mit langem Radstand.
Warum trägt die E 95 den Bauartcode 97?
Die ersten beiden Ziffern der zwölfstelligen UIC-Nummer beschreiben die Bauart. Historische Elloks ohne regelmäßigen Streckendienst werden heute überwiegend in der 97er-Gruppe geführt, aktuelle Streckenmaschinen dagegen unter 91. Der Code beschreibt also die heutige Einordnung, nicht die ursprüngliche Aufgabe der Lok.
Wie viele Maschinen der Baureihe E 95 gab es?
Nur sehr wenige – die Baureihe blieb eine Kleinserie für ein eng umgrenztes Einsatzgebiet. Genau das macht sie für Fahrzeugsammler interessant: Bei so kleinen Serien ist jede erhaltene Maschine ein Einzelstück mit eigener Geschichte.
Fährt die E 95 noch?
Nein. Die Baureihe ist musealer Bestand und fährt keine Regelleistungen mehr. Wo eine erhaltene Maschine gezeigt wird und in welchem Zustand sie sich befindet, ändert sich mit Eigentümerwechseln, Leihgaben und Aufarbeitungsprojekten – prüfe das kurz vor der Anreise.
Lohnt sich die Dokumentation musealer Fahrzeuge überhaupt?
Gerade bei Kleinserien ja. Standorte, Lackierungen und Anschriften ändern sich nach Aufarbeitungen, und Ausstellungskonzepte werden umgestellt. Eine Sichtung mit Datum, Ort und Detailfoto des Nummernschilds ist deshalb später oft die einzige belastbare Information darüber, wie ein Fahrzeug zu einem bestimmten Zeitpunkt aussah.
Sichtung von Baureihe E 95 festhalten
Datum, Ort und Fahrzeugnummer in Sekunden erfasst – und sichtbar für die Community.
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