Krupp 350 PS

Krupp 350 PS ist keine Baureihe, sondern eine Leistungsangabe als Sammelname. Wie du solche Bezeichnungen einordnest und wo ihre Grenzen liegen, steht hier.

Auch bekannt als: Krupp 350 PS Rangierlok

DeutschlandDeutschlandDiesel-Rangier- & Kleinloks7 Min. LesezeitAktualisiert: August 2026

Das Wichtigste in Kürze

  • „350 PS“ ist eine Leistungsangabe, die als Sammelbezeichnung verwendet wird – sie bezeichnet keine geschlossene Baureihe.
  • Solche Bezeichnungen sind unscharf: Fahrzeuge derselben Leistungsklasse können sich in Achszahl, Rahmen und Ausstattung unterscheiden.
  • Das Fabrikschild entscheidet, welcher Hersteller und welche Fabriknummer tatsächlich vorliegen.
  • Der UIC-Bauartcode 98 ordnet solche Loks als Diesel-Rangier- und Kleinlokomotiven ein, im Gegensatz zu 92 für Streckendiesellokomotiven.
  • Halter, Lackierung und Standort wechseln laufend – jede Angabe dazu gehört mit Datum notiert.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Was verbirgt sich hinter der Bezeichnung Krupp 350 PS?
  2. 2.Warum PS-Bezeichnungen unscharf sind
  3. 3.Schritt für Schritt zu einer belastbaren Einordnung
  4. 4.Wo solche Loks stehen und wie du sie beobachtest
  5. 5.Häufige Verwechslungen
  6. 6.Fazit

Steckbrief

FahrzeugartDiesel-Rangier- und Werklokomotive
HerstellerFriedrich Krupp Lokomotivfabrik, Essen
BezeichnungsartSammelbezeichnung nach Motorleistung in PS, keine Baureihennummer
UIC-Bauartcode98 (Diesel-Rangier- und Kleinlokomotive)
Typisches UmfeldWerk-, Hafen- und Anschlussbahnen, Museums- und Vereinsbahnen

Erkennungsmerkmale

Hast du wirklich diese Baureihe vor dir?

Hak ab, was auf das Fahrzeug zutrifft, das du gerade siehst.

  • Kompakte Diesel-Rangierlok mit Vorbauhaube und Rangierführerhaus
  • Fabrikschild mit dem Herstellernamen Krupp ist das entscheidende Merkmal, nicht die Leistungsangabe
  • Achsen im starren Rahmen; Achszahl je nach Ausführung unterschiedlich
  • Kuppelstangen können vorhanden sein – sie zeigen eine Kraftübertragung über Blindwelle an
  • Rangiertritte, Umlaufgeländer und schwere Zug- und Stoßeinrichtung
  • Häufig Umbauspuren: nachgerüsteter Auspuff, verändertes Führerhaus, zusätzliche Schilder

Aktualisiert: August 2026 – Manche Fahrzeugbezeichnungen sind ein präziser Code, andere sind schlicht eine Zahl. Krupp 350 PS gehört zur zweiten Sorte: eine Leistungsangabe, die als Sammelname für Rangierloks eines Herstellers dient. Diese Seite erklärt, warum das so ist, wo die Grenzen solcher Bezeichnungen liegen und wie du solche Fahrzeuge trotzdem sicher bestimmst.

Unklare Typenangabe? Fabriknummer zählt.

Wenn der Name unscharf ist, rettet nur das Fabrikschild die Sichtung – halte es direkt vor Ort fest.

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Was verbirgt sich hinter der Bezeichnung Krupp 350 PS?

Die Bezeichnung nennt zwei Dinge: den Hersteller – die Lokomotivfabrik von Friedrich Krupp in Essen – und eine Motorleistungsklasse in Pferdestärken. Was sie nicht nennt, ist die Achsanordnung, die Art der Kraftübertragung oder eine konkrete Bauserie. Der Verkehrstechnik-Bereich des Konzerns ging Ende der 1990er Jahre an Siemens Mobility über, der Essener Lokomotivbau selbst war da längst Geschichte.

Damit ist sie ein typischer Vertreter der Sammelbezeichnungen, die im deutschen Industrielokbau lange üblich waren. Fahrzeuge dieser Art gehören im europäischen Nummernsystem zum Bauartcode 98 – Diesel-Rangier- und Kleinlokomotiven – im Unterschied zu Code 92 für Streckendiesellokomotiven. Ein anderes bekanntes Krupp-Industriefahrzeug ist die Krupp Knapsack.

Warum PS-Bezeichnungen unscharf sind

Ein vollständiger Typenschlüssel wie „“ oder „“ nennt Kraftübertragung, Leistungsklasse und Achsanordnung. Eine reine PS-Angabe nennt nur die mittlere dieser drei Größen. Das hat praktische Folgen für die Bestimmung.

Angabe im Namen Vollständiger Typenschlüssel Reine PS-Bezeichnung
Hersteller ja ja
Leistungsklasse ja ja
Achsanordnung ja nein
Kraftübertragung häufig nein
Eindeutigkeit der Bauform hoch gering
Nötige Zusatzquelle Fabrikschild zur Fabriknummer Fabrikschild für alles Weitere

Für dich heißt das: Bei einer PS-Bezeichnung musst du mehr selbst beobachten. Achszahl, Rahmenbauart und das Vorhandensein von Kuppelstangen liefern genau die Informationen, die der Name auslässt. Vergleichbare Sammelbezeichnungen findest du auch bei anderen Herstellern, etwa bei der Gmeinder 250 PS. Wie viel präziser ein ausgeschriebener Typenschlüssel ist, zeigt im Vergleich die Henschel DH 360, deren Name Kraftübertragung und Leistungsklasse zugleich nennt.

Wie belastbar ist deine Typenangabe?

Drei Fragen zu dem, was du tatsächlich gesehen hast – am Ende weißt du, wie sicher deine Bestimmung ist.

Einschätzung

Belastbare Bestimmung

Fabrikschild plus Achszahl plus Antriebsdetail: Damit ist die Sichtung überprüfbar und dauerhaft brauchbar.

Einschätzung

Teilweise gesichert

Notiere die Angabe mit ausdrücklichem Vorbehalt und ergänze sie beim nächsten Mal – ein zweites Foto aus anderem Winkel reicht oft.

Einschätzung

Nur Verdacht

Ohne Fabrikschild und Achszahl bleibt die Zuordnung eine Vermutung. Notiere sie als solche, statt sie als Fakt zu führen.

Wie man beim Bestimmen grundsätzlich vorgeht und in welcher Reihenfolge man Merkmale abarbeitet, beschreibt der Guide Baureihen bestimmen.

Unsicheres als unsicher festhalten

Eine ehrlich markierte Vermutung ist wertvoller als eine falsch behauptete Gewissheit – dokumentiere beides sauber getrennt.

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Schritt für Schritt zu einer belastbaren Einordnung

Wenn der Typenname wenig hergibt, muss die Beobachtung die Lücke füllen. Die folgende Reihenfolge hat sich bewährt, weil sie mit den Merkmalen beginnt, die aus großer Entfernung erkennbar sind.

1. Achsen zählen

Zwei, drei oder vier Achsen? Das geht auch aus zwanzig Metern und bei schlechtem Licht und grenzt die Bauform sofort ein.

2. Fahrwerk beurteilen

Sitzen die Achslager in den Rahmenwangen des Lokkastens, liegt ein starrer Rahmen vor. Erkennbare, schwenkende Baugruppen sind Drehgestelle.

3. Nach Kuppelstangen suchen

Stangen auf Höhe der Radmitten zeigen eine Kraftübertragung über Blindwelle an. Fehlen sie, wird jede Achse einzeln angetrieben.

4. Fabrikschild sichern

Hersteller, Typ, Fabriknummer, Baujahr. Das ist der einzige Schritt, der Nähe oder Brennweite braucht – und der wichtigste für die Identität.

Diese vier Schritte funktionieren unabhängig davon, wie der Typenname aufgebaut ist. Sie liefern genau die Informationen, die eine PS-Bezeichnung offenlässt: Achsanordnung, Rahmenbauart und Art der Kraftübertragung. Wer sie konsequent abarbeitet, kommt bei einer „“-Lok zu einer genaueren Beschreibung als der Name selbst sie enthält.

Ein Zusatznutzen: Weil du dabei immer dieselben Merkmale erfasst, werden deine Notizen untereinander vergleichbar. Nach ein paar Dutzend Sichtungen erkennst du Muster – welche Bauformen bei welchen Betrieben auftauchen, welche Typenreihen sich ähneln und wo die Übergänge zwischen Kleinlok und Rangierlok liegen. Genau diese Vergleichbarkeit ist bei einer Fahrzeuggattung ohne öffentliche Datenbasis der eigentliche Gewinn.

Wo solche Loks stehen und wie du sie beobachtest

Rangierloks dieser Größenordnung arbeiten auf Werkbahnen, Anschlussgleisen und Hafenbahnen. Viele Exemplare sind zudem bei Museums- und Vereinsbahnen erhalten geblieben, weil sie einfach aufgebaut und im Unterhalt günstig sind.

Rangierbereiche sind besonders gefährlich

Fahrzeuge werden dort unangekündigt bewegt, häufig geschoben und ohne Signal; abgestellte Wagen können jederzeit anrollen. Werk-, Hafen- und Anschlussbahnen sind Privatgelände – Betreten ist auch ohne sichtbaren Zaun nicht erlaubt. Beobachte ausschließlich von öffentlichen Wegen, Brücken oder Bahnsteigen aus.

Weil es zu vielen dieser Fahrzeuge keine öffentlichen Bestandslisten gibt, ist die eigene Dokumentation besonders wertvoll. Ein Foto der Seitenansicht plus ein Detail des Fabrikschilds, dazu Datum und Ort – mehr braucht es nicht, um eine dauerhaft überprüfbare Sichtung zu haben. Wie man daraus ein durchsuchbares Archiv baut, zeigt der Guide zum Fotoarchiv für Spotter; wie man Funde strukturiert weitergibt, erklärt die Anleitung zum Melden einer Sichtung.

Häufige Verwechslungen

Es spricht für eine Krupp-Industrielok, wenn …

  • das Fabrikschild den Herstellernamen Krupp trägt
  • das Fahrzeug Rangierausstattung mit Tritten und Umlauf hat
  • die Achsen in einem starren Rahmen laufen
  • der Einsatzort eine Werk-, Hafen- oder Anschlussbahn ist

Sieh genauer hin, wenn …

  • nur eine PS-Zahl ohne Herstellerangabe genannt wird
  • die Lok mehrfach umgebaut wurde und mehrere Schilder trägt
  • die Beschriftung frisch ist und nicht zum Fabrikschild passt

Es passt nicht, wenn …

  • das Fabrikschild einen anderen Hersteller nennt
  • das Fahrzeug zwei vollwertige Führerstände und Streckenausrüstung hat
  • die Fahrzeugnummer mit 92 beginnt

Fazit

„“ ist kein Typenschlüssel, sondern ein Sammelname. Er nennt Hersteller und Leistungsklasse und lässt alles offen, was für die Bestimmung eigentlich zählt. Genau deshalb lohnt sich bei solchen Fahrzeugen die eigene Beobachtung besonders: Achszahl, Rahmenbauart, Kuppelstangen und Fabrikschild ergeben zusammen eine Einordnung, die der Name allein nicht leisten kann.

Das gilt umso mehr, weil solche Sammelbezeichnungen im Umlauf sind, ohne dass jemand sie je verbindlich definiert hätte. Sie stammen aus Verkaufsunterlagen, Werksakten und späteren Zusammenstellungen und werden seither weitergereicht. Wer damit arbeitet, sollte den Namen als groben Ordnungsbegriff behandeln – und die eigentliche Aussagekraft aus dem holen, was am Fahrzeug selbst ablesbar ist.

Kurzfazit

PS-Angaben beschreiben eine Leistungsklasse, keine Bauform. Ergänze sie im Feld um Achszahl, Rahmen und Fabrikschild – und markiere Unsicheres ausdrücklich als unsicher.

Sammle, was sonst niemand dokumentiert

Fabriknummern, Fotos, Orte und Daten gebündelt – bei Industrieloks ist das oft die einzige Quelle, die es gibt.

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Zusammenfassung

  • Krupp in Essen gehörte zu den großen deutschen Lokomotivbauern und lieferte neben Streckenmaschinen auch Rangier- und Industrieloks.
  • Leistungsangaben als Typenname sind im Industrielokbau verbreitet, aber weniger präzise als vollständige Typenschlüssel.
  • Für eine belastbare Bestimmung brauchst du Achszahl, Rahmenbauart und vor allem das Fabrikschild.
  • Beobachtung nur von öffentlich zugänglichen Standorten – Werkbahnen sind Privatgelände.

Häufige Fragen

Ist „Krupp 350 PS“ eine Baureihenbezeichnung?

Nein. Es handelt sich um eine Sammelbezeichnung nach Motorleistung, wie sie im Industrielokbau üblich war. Eine Baureihennummer wird von einer Bahnverwaltung vergeben und bezeichnet eine definierte Serie. Eine PS-Angabe beschreibt dagegen nur eine Leistungsklasse – Fahrzeuge darunter können sich in Achszahl, Rahmen und Ausstattung deutlich unterscheiden.

Warum wurden Loks nach PS-Zahlen benannt?

Weil die Motorleistung für Industriekunden die praktisch entscheidende Größe war: Sie bestimmte, welche Wagengruppen sich bewegen ließen. Hersteller boten ihr Programm deshalb in Leistungsstufen an. Erst später setzten sich ausführlichere Typenschlüssel durch, die zusätzlich Kraftübertragung und Achsanordnung nennen.

Wie bestimme ich eine solche Lok trotzdem sicher?

Über drei Schritte: Achszahl und Rahmenbauart erfassen, das Fabrikschild mit Hersteller, Typ, Fabriknummer und Baujahr lesen und beides zusammen mit Datum und Ort notieren. Die Fabriknummer ist die einzige Angabe, die ein Fahrzeugleben lang unverändert bleibt.

Was baute Krupp neben Rangierloks?

Die Lokomotivfabrik in Essen war einer der großen deutschen Hersteller und lieferte über Jahrzehnte ein breites Programm – von Dampflokomotiven über Streckendieselloks bis zu Industrie- und Rangierlokomotiven. Für die Bestimmung im Feld ist wichtig: Ein Krupp-Fabrikschild allein sagt noch nichts über die Fahrzeugart aus.

Warum tragen Rangierloks den Bauartcode 98?

Die zwölfstellige europäische Fahrzeugnummer beginnt bei Triebfahrzeugen mit einem Bauartcode. 98 kennzeichnet Diesel-Rangier- und Kleinlokomotiven, 92 Diesel-Streckenlokomotiven. Maßgeblich sind Einsatzzweck und Zulassung, nicht Alter, Größe oder Hersteller.

Wo trifft man solche Fahrzeuge heute an?

Auf Werk-, Hafen- und Anschlussbahnen sowie bei Museums- und Vereinsbahnen, die ausgemusterte Industrieloks erhalten. Diese Bereiche sind fast immer Privatgelände. Halter und Standorte wechseln regelmäßig, weil gebrauchte Rangierloks gehandelt und vermietet werden – prüfe den aktuellen Stand, bevor du eine Fahrt planst.

Kann man aus der PS-Angabe auf das Baujahr schließen?

Nein. Leistungsstufen wurden über lange Zeiträume angeboten, und dieselbe Stufe konnte in verschiedenen Bauformen geliefert werden. Das Baujahr steht in aller Regel direkt auf dem Fabrikschild – das ist die einzige belastbare Quelle.

Darf man auf Werkgelände fotografieren?

Werk-, Hafen- und Anschlussbahnen sind Privatgelände. Fotografieren ist dort nur mit Erlaubnis des Betreibers zulässig, das Betreten von Gleisbereichen ist ausgeschlossen. Vom öffentlichen Weg aus gelten andere Maßstäbe, die aber vom Einzelfall abhängen – im Zweifel vorher fragen.

Sichtung von Krupp 350 PS festhalten

Datum, Ort und Fahrzeugnummer in Sekunden erfasst – und sichtbar für die Community.

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