Das Wichtigste in Kürze
- Die 50.35 ist keine Neubaulok, sondern eine Rekonstruktion: 208 Maschinen der Baureihe 50 erhielten ab 1957 einen komplett neuen Kessel.
- Der Neubaukessel der Bauart 50E mit Verbrennungskammer brachte spürbar mehr Leistung als der Originalkessel.
- Die Unterbaureihe .35 kommt aus dem Nummernbereich 50 3501 bis 50 3708 – so funktioniert die deutsche Baureihensystematik.
- Ölgefeuerte Maschinen liefen als Baureihe 50.50 und wurden 1970 zur Baureihe 50.0 umgezeichnet.
- Kein Regeleinsatz mehr: Viele Maschinen sind museal erhalten und zählen zu den häufiger eingesetzten Großdampfloks.
Inhaltsverzeichnis
Steckbrief
| Fahrzeugart | rekonstruierte Güterzug-Schlepptenderlokomotive der Deutschen Reichsbahn |
|---|---|
| Ausgangsbauart | Lokomotiven der Baureihe 50 |
| Achsfolge | 1'E h2 – eine Laufachse, fünf gekuppelte Treibachsen, zwei Zylinder |
| Umbaujahre | 1957 bis 1962 |
| Umbauwerk | Raw Stendal |
| Stückzahl | 208 Lokomotiven, Betriebsnummern 50 3501 bis 50 3708 |
| Höchstgeschwindigkeit | 80 km/h |
| Kessel | Neubaukessel der Bauart 50E mit Verbrennungskammer |
| Ölgefeuerte Variante | 72 Maschinen ab 1966 als Baureihe 50.50, ab 1970 als Baureihe 50.0 geführt |
| Heutiger Status | kein Regeleinsatz, zahlreiche Maschinen museal erhalten |
Erkennungsmerkmale
Hast du wirklich diese Baureihe vor dir?
- Fünf gekuppelte Treibachsen mit einer einzelnen Laufachse davor, zwei Zylinder außen
- Glatter, geschweißter Neubaukessel ohne die Nietreihen der ursprünglichen Baureihe 50
- Betriebsnummer im Bereich 50 3501 bis 50 3708 – daraus leitet sich die Unterbaureihe .35 ab
- Windleitbleche der Bauart Witte, aufgeräumte Kesselarmaturen
- Ölgefeuerte Maschinen tragen einen geschlossenen Behälter statt des offenen Kohlenkastens
- Heute ausschließlich vor Museums-, Sonder- und Traditionszügen
Aktualisiert: August 2026 – Eine Güterzuglok mit fünf gekuppelten Achsen, aber einem auffällig glatten, geschweißten Kessel: Das ist die Baureihe 50.35, die Reko-Variante der Baureihe 50. 208 Maschinen entstanden zwischen 1957 und 1962 im Raw Stendal, indem vorhandene Lokomotiven einen komplett neuen Kessel bekamen. Diese Seite erklärt, was Rekonstruktion technisch bedeutet, woran du die Maschinen erkennst und wo sie heute noch fahren.
Reko-Lok gesichtet? Nummer festhalten.
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Was ist die Baureihe 50.35?
Die Baureihe 50.35 ist eine rekonstruierte Güterzug-Schlepptenderlokomotive der Deutschen Reichsbahn. Zwischen 1957 und 1962 baute das Raw Stendal 208 Lokomotiven der Baureihe 50 grundlegend um und gab ihnen dabei einen neu gefertigten Kessel der Bauart 50E mit Verbrennungskammer. Die Maschinen tragen die Betriebsnummern 50 3501 bis 50 3708 und blieben bei 80 km/h Höchstgeschwindigkeit und der Achsfolge 1’E.
Der Gewinn lag in der Leistung: Der neue Kessel arbeitete mit besseren Heizflächen und deutlich wirksamerer Verbrennung. Damit waren die Reko-Maschinen den Ausgangsloks spürbar überlegen, ohne dass eine komplette Neukonstruktion nötig gewesen wäre. Heute stehen sie ausschließlich im Museums- und Sonderverkehr – planmäßige Leistungen gibt es nicht.
Rekonstruktion: das Prinzip hinter der Unterbaureihe
Die Deutsche Reichsbahn stand in den 1950er Jahren vor einem Problem: veraltete Lokomotiven, knappe Mittel, hoher Verkehrsbedarf. Die Antwort war nicht Neubau, sondern Rekonstruktion.
Kessel ersetzen
Kernstück jeder Rekonstruktion war ein neu gebauter Kessel mit Verbrennungskammer. Er verbesserte Verbrennung und Dampferzeugung und war zugleich das teuerste Bauteil einer Dampflok.
Fahrwerk übernehmen
Rahmen, Treibachsen und Triebwerk blieben grundsätzlich erhalten und wurden aufgearbeitet. Das sparte Zeit und Material gegenüber einem Neubau.
Nebenaggregate modernisieren
Vorwärmer, Speisepumpen und Armaturen wurden auf neuere Bauarten umgestellt. Das macht Reko-Loks im Detail deutlich aufgeräumter als ihre Vorbilder.
Neue Nummerngruppe vergeben
Umgebaute Maschinen bekamen eigene Ordnungsnummern. Aus dem Bereich ab 3500 wurde die Kurzform 50.35 – dieselbe Logik führte bei den Kriegsloks zur Baureihe 52.80.
Dieses Muster erklärt eine ganze Familie von Bezeichnungen: Wo im deutschen Baureihenschema eine Zahl hinter dem Punkt steht, verbirgt sich fast immer eine abweichende Bauart – ein Umbau, eine andere Herkunft oder eine andere Ausrüstung. Wie man solche Nummern grundsätzlich liest, erklärt die Anleitung zum Bestimmen von Baureihen.
Reko oder Original?
Der schnellste Test ist die Kesseloberfläche. Original-Kessel der Vorkriegszeit zeigen Nietreihen, Reko-Kessel wirken glatt und geschweißt. Bestätigt wird das durch die Betriebsnummer – Ordnungsnummern ab 3501 sprechen für eine Reko-Maschine.
Einordnung im Bahnbetrieb: was die Reko-Loks leisteten
Die 50.35 war für die Reichsbahn das Arbeitspferd des Güterverkehrs auf Strecken, die keine schwere Lokomotive vertrugen. Die folgende Übersicht ordnet sie im Umfeld ein.
| Baureihe | Herkunft | Kessel | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| 50 | Neubau 1939–1948 | Originalkessel, genietet | niedrige Achslast, sehr breite Streckenzulassung |
| 50.35 | Umbau 1957–1962 | Neubaukessel 50E, geschweißt | mehr Leistung bei gleicher Achsfolge |
| 50.50 / 50.0 | Umbau ab 1966 | Neubaukessel, Ölfeuerung | geschlossener Ölbehälter statt Kohlenkasten |
| 52.80 | Umbau ab 1960 | Neubaukessel 50E | Rekonstruktion der Kriegslok-Baureihe 52 |
| 44 | Neubau ab 1926 | Originalkessel | Drilling mit drei Zylindern, schwerster Güterzugdienst |
Der Vergleich zeigt, wie systematisch die Reichsbahn vorging: Derselbe Kesseltyp wanderte in mehrere Baureihen. Deshalb wirken die Reko-Kriegsloks der Baureihe 52.80 und die 50.35 auf den ersten Blick ähnlich modernisiert. Die Ausgangsbauart bleibt die Baureihe 50, während die dreizylindrige Baureihe 44 einen ganz anderen Weg ging.
Behalte den Überblick über deine Dampflok-Sichtungen
Welche Reko-Maschine hast du schon gesehen? In Traintrack findest du es in Sekunden heraus.
Spotting: wo Reko-Loks heute unterwegs sind
Weil viele Maschinen erhalten sind, gehört die 50.35 zu den Dampfloks, die man mit etwas Planung tatsächlich zu sehen bekommt. Traditionsbetriebe wie die Eisenbahnfreunde Traditionsbetriebswerk Staßfurt halten solche Maschinen betriebsfähig. Der Weg dorthin führt über die Betreiber:
- Museumsbahnen und Traditionsvereine in Ostdeutschland unterhalten einen großen Teil der erhaltenen Maschinen. Ihre Fahrzeuglisten stehen in der Regel öffentlich.
- Saison- und Veranstaltungskalender. Fahrtage, Museumsfeste und Jubiläen werden lange vorher angekündigt. Der Überblick zur Museumsbahn-Recherche zeigt, wo diese Termine zuerst auftauchen.
- Sonderfahrtenlisten. Für Fahrten auf dem allgemeinen Streckennetz lohnt der Guide zu Sonderzügen und Sonderfahrten.
- Community-Meldungen. Sie zeigen den tagesaktuellen Stand und verraten kurzfristige Lokwechsel. Wie du eigene Beobachtungen brauchbar meldest, steht in der Anleitung zum Melden von Sichtungen.
Fototechnisch lohnt bei Reko-Loks der Blick auf den Kessel: Die glatte, geschweißte Fläche reflektiert anders als eine genietete und verträgt weiches Seitenlicht besser als harte Mittagssonne. Alles Weitere zur Dampfzugfotografie steht im Guide wie man Dampfzüge fotografiert.
Auf Museumsgelände gilt Hausrecht
Gleise, Lokschuppen, Drehscheiben und Werkstattbereiche sind Betriebsanlagen und dürfen nicht betreten werden. Absperrungen und Anweisungen des Personals sind bindend, auch bei organisierten Fotoveranstaltungen. Halte dich an ausgewiesene Standorte oder öffentlich zugängliche Bereiche; die Grundregeln stehen im Beitrag zum Sicherheitsabstand am Gleis.
Praktisch relevant ist außerdem der Unterschied zwischen erhaltenen und betriebsfähigen Maschinen. Eine Lok gilt schon dann als erhalten, wenn sie irgendwo als Denkmal steht oder in einer Halle auf Aufarbeitung wartet. Solche Hallenbestände zeigt etwa das Eisenbahnmuseum Bayerischer Bahnhof zu Leipzig. Betriebsfähig ist sie erst mit gültiger Kesselfrist, und die läuft nach einigen Jahren ab. Weil eine Hauptuntersuchung an einer Großdampflok aufwendig ist, wechseln Maschinen regelmäßig zwischen beiden Zuständen. Listen, die einfach nur „erhalten“ vermerken, sagen deshalb wenig darüber aus, ob du die Lok tatsächlich unter Dampf erleben kannst.
Für die Planung heißt das: Suche nicht nach der Baureihe, sondern nach der konkreten Betriebsnummer. Betreiber kommunizieren Fristen und Werkstattaufenthalte meist fahrzeugbezogen, und genau diese Information entscheidet darüber, ob sich eine Anfahrt lohnt.
Häufige Verwechslungen
Es spricht für die 50.35, wenn …
- du fünf gekuppelte Achsen mit einer einzelnen Laufachse davor zählst
- der Kessel glatt und geschweißt wirkt, ohne Nietreihen
- nur zwei Zylinder außen an den Rahmenwangen sitzen
- die Betriebsnummer im Bereich 50 3501 bis 50 3708 liegt
Sieh genauer hin, wenn …
- die Lok modernisiert wirkt, du die Nummer aber nicht lesen kannst – auch die 52.80 trägt einen 50E-Kessel
- der Tender keinen Kohlenaufbau hat – dann handelt es sich um eine ölgefeuerte Maschine
- eine erhaltene Lok nachträglich in einen anderen Zustand zurückversetzt wurde
Es ist keine 50.35, wenn …
- ein dritter Zylinder zwischen den Rahmenwangen arbeitet
- der Kessel deutlich sichtbare Nietreihen zeigt
- du nur vier gekuppelte Achsen zählst
Fazit
Die Baureihe 50.35 ist ein Musterbeispiel dafür, wie die deutsche Baureihensystematik funktioniert: Die Zahl hinter dem Punkt verrät die abweichende Bauart, hier den Umbau mit Neubaukessel. Im Feld erkennst du sie an der glatten Kesselverkleidung und der Nummer ab 3501. Und weil so viele Maschinen erhalten sind, ist sie für Spotter eine der greifbarsten deutschen Großdampfloks.
Kurzfazit
1'E, zwei Zylinder, glatter Neubaukessel, Nummer ab 50 3501: Das ist die Reko-Baureihe 50.35. Sie fährt nicht nach Fahrplan, taucht aber bei Museumsbahnen und Sonderfahrten vergleichsweise häufig auf.
Zusammenfassung
- Die Baureihe 50.35 zeigt das Prinzip der Rekonstruktion: vorhandene Fahrzeuge mit neuen Kesseln aufwerten, statt neue Lokomotiven zu bauen.
- Im Feld unterscheidet sie sich von der Baureihe 50 vor allem durch den glatten, geschweißten Kessel und den Nummernbereich.
- Weil die Reichsbahn viele dieser Maschinen bis zum Ende der Dampftraktion einsetzte, blieben überdurchschnittlich viele erhalten.
- Für Spotter ist sie damit eine der realistischsten Gelegenheiten, eine deutsche Großdampflok unter Dampf zu erleben.
Häufige Fragen
Was bedeutet Rekonstruktion bei einer Dampflokomotive?
Die Deutsche Reichsbahn baute ab den 1950er Jahren vorhandene Lokomotiven grundlegend um, statt neue zu beschaffen. Kern des Umbaus war meist ein komplett neuer Kessel mit besseren Heizflächen und Verbrennungskammer. Fahrwerk und Triebwerk blieben in Grundzügen erhalten – das Ergebnis war eine deutlich leistungsfähigere Maschine zu geringeren Kosten.
Wie erkenne ich eine Reko-Lok der Baureihe 50.35?
Am glatten, geschweißten Kessel ohne die Nietreihen der Originalmaschinen und an der Betriebsnummer im Bereich 50 3501 bis 50 3708. Achsfolge und Zylinderzahl entsprechen der Ausgangsbaureihe: fünf gekuppelte Achsen, eine Laufachse davor, zwei Zylinder außen.
Wie viele Lokomotiven der Baureihe 50.35 gibt es?
Umgebaut wurden 208 Maschinen zwischen 1957 und 1962 im Raw Stendal. Weil sie bis zum Ende der Dampftraktion bei der Reichsbahn im Einsatz blieben, überlebten überdurchschnittlich viele. Der genaue erhaltene Bestand ändert sich laufend durch Aufarbeitungen und Verkäufe.
Warum heißt die Baureihe 50.35 und nicht anders?
Weil sich die Unterbaureihe aus dem Nummernbereich ableitet. Die Maschinen tragen die Nummern 50 3501 bis 50 3708, also Ordnungsnummern ab 3500 – daraus wird die Kurzform 50.35. Die Zahl hinter dem Punkt kennzeichnet in der deutschen Systematik immer eine abweichende Bauart innerhalb derselben Baureihe.
Was ist der Unterschied zur normalen Baureihe 50?
Die Grundkonstruktion ist gleich: 1'E, zwei Zylinder, 80 km/h. Die Reko-Maschinen haben aber einen Neubaukessel der Bauart 50E mit Verbrennungskammer, der bessere Verbrennung und höhere Leistung ermöglichte. Optisch fällt vor allem die glatte, geschweißte Kesselverkleidung auf.
Was war die Baureihe 50.50?
So führte die Reichsbahn die ölgefeuerten Reko-Maschinen. 72 Lokomotiven wurden ab 1966 auf Ölfeuerung umgebaut. Bei der EDV-Umzeichnung 1970 wanderten sie in den Bereich Baureihe 50.0. Äußerlich erkennst du sie am geschlossenen Ölbehälter auf dem Tender anstelle des offenen Kohlenkastens.
Fährt die Baureihe 50.35 heute noch?
Nicht im Regelverkehr. Zahlreiche Maschinen sind museal erhalten, ein Teil davon betriebsfähig und regelmäßig vor Sonder- und Museumszügen im Einsatz. Ob eine bestimmte Lok gerade fährt, hängt von Kesselfristen, Werkstattterminen und der Finanzlage des Betreibervereins ab.
Wie finde ich Einsätze der Baureihe 50.35?
Über die Veranstaltungskalender der Museumsbahnen, die Seiten der Betreibervereine und Sonderfahrtenlisten in Bahnforen. Community-Sichtungen ergänzen das um den tagesaktuellen Stand. Feste Fahrpläne existieren nicht – prüfe kurz vor der Anfahrt noch einmal, ob die angekündigte Lok wirklich fährt.
Sichtung von Baureihe 50.35 festhalten
Datum, Ort und Fahrzeugnummer in Sekunden erfasst – und sichtbar für die Community.
Verwandte Baureihen
Baureihe 50
Die Baureihe 50 ist die erfolgreichste deutsche Güterzug-Dampflok: über 3.000 Maschinen, fünf Kuppelachsen, niedrige Achslast. Heute fährt sie nur noch museal.
Dampf/SonderBaureihe 52.80
Die Baureihe 52.80 ist die Reko-Variante der Kriegslok 52: 200 Maschinen mit Neubaukessel, umgebaut ab 1960. Heute eine der häufigsten Museumsdampfloks.
Dampf/SonderBaureihe 44
Die Baureihe 44 war die schwere Güterzuglok der Einheitsloks: fünf Kuppelachsen, drei Zylinder, rund 1.989 Maschinen. Der „Jumbo“ fährt heute nur noch museal.
Dampf/SonderBaureihe 01.10
Die Baureihe 01.10 war die dreizylindrige Weiterentwicklung der 01: 55 Maschinen, ab Werk stromlinienverkleidet, zugelassen für 150 km/h. Heute nur noch als Museumsfahrzeug zu sehen.
Dampf/SonderBaureihe 01.5
Die Baureihe 01.5 entstand als Rekonstruktion der alten Einheitslok 01 im Raw Meiningen: neuer Kessel, modernisiertes Führerhaus, teils Ölhauptfeuerung – heute reine Museumsfahrzeuge.
Dampf/SonderBaureihe 03
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Wer dahintersteckt
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