Das Wichtigste in Kürze
- Die 01.5 ist kein Neubau: Sie entstand aus vorhandenen Maschinen der Baureihe 01, die im Raw Meiningen grundlegend rekonstruiert wurden.
- Kernstück der Rekonstruktion war ein neuer, geschweißter Kessel mit Verbrennungskammer – ein deutlich moderneres Bauteil als der Originalkessel.
- Vollsichtführerhaus und kleine Windleitbleche sind die auffälligsten optischen Unterschiede zur unveränderten 01.
- Die Nummern trennen die Feuerung: ab 1970 stand 01 05xx für ölgefeuerte, 01 15xx für kohlegefeuerte Loks.
- Regeleinsätze gibt es nicht mehr; erhaltene Maschinen fahren nur noch vor Sonderzügen oder stehen im Museum.
Inhaltsverzeichnis
Steckbrief
| Fahrzeugart | Schnellzug-Dampflokomotive mit Schlepptender |
|---|---|
| Achsfolge | 2'C1' – Laufdrehgestell vorn, drei Kuppelachsen, eine Laufachse hinten |
| Entstehung | Rekonstruktion vorhandener Lokomotiven der Baureihe 01 in den 1960er-Jahren |
| Ausführendes Werk | Raw Meiningen der Deutschen Reichsbahn |
| Wesentliche Änderung | Neuer, geschweißter Kessel mit Verbrennungskammer |
| Feuerung | Ein Teil der Maschinen mit Ölhauptfeuerung, der Rest kohlegefeuert |
| Höchstgeschwindigkeit | 130 km/h |
| Nummern ab 1970 | 01 05xx für ölgefeuerte, 01 15xx für kohlegefeuerte Maschinen |
| Heutiger Status | Kein Regeleinsatz – erhaltene Loks sind Museums- und Sonderzugfahrzeuge |
Erkennungsmerkmale
Hast du wirklich diese Baureihe vor dir?
- Achsfolge 2'C1' mit Schlepptender – die klassische Schnellzugform
- Vollsichtführerhaus mit großen Seitenfenstern statt der schmalen Fenster der Ursprungsbauart
- Neuer, glatt wirkender Kessel – die Maschine sieht moderner aus als eine unveränderte 01
- Kleine Witte-Windleitbleche statt der großen Bleche älterer Bauform
- Bei ölgefeuerten Maschinen: geschlossener Ölbehälter auf dem Tender statt Kohlevorrat
- Nummernanschrift 01 05xx oder 01 15xx bei Fahrzeugen im Zustand nach 1970
Aktualisiert: August 2026 – Eine Schnellzug-Dampflok, die aussieht wie eine 01, aber mit großen Führerhausfenstern und einem auffallend modernen Kessel: Das ist die Baureihe 01.5. Sie ist ein Musterbeispiel für die Rekonstruktionspolitik der Deutschen Reichsbahn – alte Maschinen wurden nicht ersetzt, sondern von Grund auf modernisiert. Diese Seite zeigt dir die Unterschiede zur Ursprungsbauart und wie du eine Sichtung planst.
Museumslok gesehen? Nummer sichern.
Bei Rekoloks entscheidet die Anschrift über die genaue Zuordnung – halte sie zusammen mit Datum und Ort fest.
Was ist die Baureihe 01.5?
Die Baureihe 01.5 ist eine Schnellzug-Dampflokomotive mit Schlepptender und der Achsfolge 2’C1’, entstanden in den 1960er-Jahren im Raw Meiningen der Deutschen Reichsbahn, das heute als Dampflokwerk Meiningen Dampflokomotiven instand hält. Sie ist kein Neubau: Ausgangspunkt waren vorhandene Maschinen der Baureihe 01, die einen neuen, geschweißten Kessel mit Verbrennungskammer und eine Reihe weiterer Modernisierungen erhielten.
Der Hintergrund ist wirtschaftlich. In der DDR standen große Bestände älterer Dampfloks mit verschlissenen Kesseln, während Kapazitäten und Devisen für Neubauten fehlten. Die Antwort war ein systematisches Rekonstruktionsprogramm: neues Herzstück auf bewährtem Fahrwerk. Ein Teil der Maschinen wurde zusätzlich auf Ölhauptfeuerung umgestellt. Bis heute ist keine dieser Loks mehr im Plandienst – erhaltene Exemplare gehören Museen und Vereinen.
Was die Nummern über die Lok verraten
Bei deutschen Dampflokomotiven steckt die halbe Information in der Anschrift. Wer die Systematik kennt, liest an der Nummer Gattung, Bauartvariante und bei der Reichsbahn sogar die Feuerung ab.
Baureihenzahl lesen
01 steht im Bereich 01 bis 19 und bedeutet damit: Schnellzuglokomotive mit Schlepptender. Personenzugloks liegen bei 20 bis 39, Güterzugloks bei 40 bis 59.
Nachkommastelle deuten
Die 5 in 01.5 leitet sich aus den Ordnungsnummern der Rekomaschinen ab. Sie signalisiert eine technisch eigenständige Untergruppe innerhalb derselben Baureihe.
Feuerung ablesen
Ab 1970 vergab die Reichsbahn 01 05xx an ölgefeuerte und 01 15xx an kohlegefeuerte Maschinen. Die Nummer sagt dir also, was im Kessel verbrannt wird.
Wie du solche Merkmale in einer festen Reihenfolge abarbeitest, statt planlos zu vergleichen, beschreibt die Anleitung zum Bestimmen von Baureihen.
Das Führerhaus ist der schnellste Test
Große, hohe Seitenfenster im Führerhaus sind bei einer 2'C1'-Schlepptenderlok ein starkes Indiz für eine Rekonstruktion. Die Ursprungsbauarten der 1920er- und 1930er-Jahre haben deutlich kleinere Fenster und wirken im Führerhausbereich geschlossener.
Rekoloks im Überblick
Die 01.5 steht nicht allein. Das Rekonstruktionsprogramm der Deutschen Reichsbahn erfasste mehrere Gattungen, jeweils mit demselben Grundgedanken: neuer Kessel, modernisiertes Führerhaus, verlängerte Nutzungsdauer.
| Gattung | Ausgangsbaureihe | Verwendungszweck | Achsfolge |
|---|---|---|---|
| Baureihe 01.5 | Baureihe 01 | Schnellzugdienst | 2’C1’ |
| Baureihe 22 | Baureihe 39 (Preußische P 10) | schwerer Personen- und Schnellzugdienst | 1’D1’ |
| Baureihe 50.35 | Baureihe 50 | Güterzugdienst | 1’E |
| Baureihe 65.10 | Neubau, kein Umbau | Personenzug-Tenderlok | 1’D2’ |
Die Baureihe 22 zeigt dabei besonders gut, wie weit solche Umbauten gingen: Aus einer preußischen Konstruktion der Länderbahnzeit wurde eine Maschine, die kaum noch nach ihrem Ursprung aussah. Die Baureihe 01 bleibt der direkte Vergleichsmaßstab für die 01.5, während die dreizylindrige Baureihe 01.10 den westdeutschen Weg zur schnellen Schnellzuglok markiert.
Wer fährt gerade wo?
Community-Sichtungen zeigen dir historische Fahrzeuge, die in keinem Fahrplan stehen.
Spotting: So kommst du an eine 01.5
Für historische Dampfloks gilt eine andere Logik als für Regelfahrzeuge. Es gibt keinen Umlauf, keinen Fahrplan und keine feste Strecke – es gibt Termine.
Heimatbetrieb finden
Jede erhaltene Maschine gehört einem Verein, Museum oder Traditionsbetrieb. Dort erfährst du zuerst, ob die Lok betriebsfähig ist oder gerade in der Aufarbeitung steht.
Terminkalender prüfen
Museumsbahnen veröffentlichen Saisonfahrpläne, dazu kommen Bahnhofsfeste, Jubiläen und Fahrzeugtreffen. Das sind die Anlässe, zu denen große Schnellzugloks bewegt werden.
Community mitlesen
Lokwechsel, Ausfälle und geänderte Laufwege stehen zuerst in Foren und Sichtungskanälen, nicht auf offiziellen Seiten. Das ist die kurzfristigste Informationsquelle.
Standpunkt planen
Erst mit Laufweg und Zeiten suchst du öffentlich zugängliche Punkte: Bahnsteige, Straßenüberführungen, frei zugängliche Wege entlang der Strecke.
Wo du solche Termine bündelst und welche Museumsbetriebe regelmäßig große Maschinen einsetzen, behandelt der Museumsbahn-Guide. Weil bei Rekoloks die genaue Nummer über die Zuordnung entscheidet, lohnt sich eine saubere Erfassung besonders – der Guide zum Sichtungslogbuch zeigt, wie das strukturiert geht. Fotografisch stellt Dampf eigene Anforderungen, die der Ratgeber zur Dampfzugfotografie behandelt.
Hausrecht, Absperrungen, Gleisbereiche
Auf Museumsgelände und bei Sonderfahrten bestimmt der Betreiber, wo du dich aufhalten darfst. Absperrungen gelten ohne Ausnahme. Gleise, Lokschuppen, Drehscheiben und Abstellbereiche sind tabu – auch dann, wenn scheinbar nichts in Bewegung ist. Rangierfahrten mit Dampfloks laufen langsam und ohne Vorwarnung an.
Fototipps für Rekolokomotiven
Eine Rekolok fotografiert man wie jede große Dampfmaschine – mit einer Ausnahme: Bei ihr lohnt sich der Blick auf die Details besonders, weil genau dort die Umbaugeschichte sichtbar wird.
- Seitlich statt frontal. Ein Winkel von etwa 30 bis 45 Grad zur Fahrzeugachse zeigt Kessel, Führerhaus und Triebwerk gleichzeitig. Von vorn verschwindet das, was die 01.5 von einer 01 unterscheidet.
- Führerhaus mit ins Bild. Die großen Seitenfenster sind das auffälligste Merkmal der Rekonstruktion. Ein Bild, auf dem sie erkennbar sind, belegt die Zuordnung.
- Windrichtung vorher prüfen. Bei Windstille und Kälte legt sich die Dampffahne über die gesamte Maschine. Seitenwind trägt sie aus dem Bild und legt das Triebwerk frei.
- Verschlusszeit bewusst wählen. Kurz für gestochen scharfe Treibstangen, länger für sichtbare Bewegung – beides funktioniert, solange die Entscheidung absichtlich fällt.
- Anschrift separat aufnehmen. Ein enges Bild der Nummer ist die beste Versicherung dagegen, Jahre später nicht mehr zu wissen, welche Maschine man vor sich hatte.
Der letzte Punkt ist bei dieser Baureihe besonders wichtig. Museumsbetriebe richten Fahrzeuge im Zustand einer bestimmten Epoche her – dieselbe Lok kann daher mit einer Vorkriegsnummer, mit 01 05xx oder 01 15xx unterwegs sein. Ohne dokumentierte Anschrift lässt sich das im Nachhinein kaum noch auflösen. Wer regelmäßig Sonderfahrten begleitet, gewöhnt sich deshalb an, jedes Fahrzeug zweimal zu fotografieren: einmal als Motiv, einmal als Beleg.
Häufige Verwechslungen
Es spricht für die 01.5, wenn …
- die Achsfolge 2'C1' ist und ein Schlepptender mitläuft
- das Führerhaus große Seitenfenster hat
- kleine Windleitbleche statt großer Bleche montiert sind
- die Anschrift 01 05xx oder 01 15xx lautet
Sieh genauer hin, wenn …
- die Lok in einem Zustand vor 1970 hergerichtet ist und eine ältere Nummer trägt
- du das Führerhaus aus deinem Winkel nicht beurteilen kannst
- der Tender fremd wirkt – Tender wurden zwischen Maschinen getauscht
Es ist keine 01.5, wenn …
- du vier gekuppelte Treibachsen zählst – dann kommt eher die Baureihe 22 infrage
- drei Zylinder mit innerer Steuerung vorhanden sind
- seitlich am Kessel Wasserkästen sitzen – dann ist es eine Tenderlok
Fazit
Die Baureihe 01.5 ist ein Fahrzeug, das man erst richtig einordnet, wenn man ihre Entstehungsgeschichte kennt. Von außen eine Schnellzuglok wie die 01, im Kern aber eine weitgehend neue Maschine – und mit einem Nummernsystem, das sogar die Feuerung verrät. Genau diese Kombination aus alter Grundform und moderner Technik macht sie zu einem der interessantesten Objekte der deutschen Dampflokgeschichte.
Kurzfazit
2'C1'-Schnellzuglok, rekonstruiert im Raw Meiningen, erkennbar an Vollsichtführerhaus und kleinen Windleitblechen. Nummern 01 05xx für Öl, 01 15xx für Kohle. Kein Regeleinsatz – Sichtungen nur über Sonderfahrten und Museumsbetriebe.
Zusammenfassung
- Die Baureihe 01.5 war der Versuch der Deutschen Reichsbahn, vorhandene Schnellzugloks statt durch Neubauten durch grundlegende Rekonstruktion zu modernisieren.
- Von der Ursprungsbaureihe unterscheidet sie sich durch Kessel, Führerhaus und Windleitbleche – die Grundform 2'C1' blieb erhalten.
- Ein Teil der Maschinen wurde auf Ölhauptfeuerung umgestellt, was sich an Tender und Anschrift erkennen lässt.
- Heute sind alle erhaltenen Fahrzeuge historisch; Termine und Betriebsfähigkeit ändern sich und müssen aktuell recherchiert werden.
Häufige Fragen
Was ist die Baureihe 01.5?
Die Baureihe 01.5 ist eine rekonstruierte Schnellzug-Dampflokomotive der Deutschen Reichsbahn mit der Achsfolge 2'C1'. Sie entstand nicht als Neubau, sondern durch grundlegende Modernisierung vorhandener Maschinen der Baureihe 01 im Raw Meiningen. Kernstück war ein neuer, geschweißter Kessel mit Verbrennungskammer.
Was bedeutet „Rekonstruktion“ bei der Deutschen Reichsbahn?
Es war ein eigenes Modernisierungsprogramm: Statt neue Lokomotiven zu bauen, erhielten vorhandene Maschinen neue Kessel und überarbeitete Baugruppen. Der Grund war wirtschaftlich – Material und Kapazitäten für Neubauten fehlten. Solche Rekoloks gibt es in mehreren Baureihen, nicht nur bei der 01.
Woran erkenne ich eine 01.5 gegenüber einer normalen 01?
Am Führerhaus und an den Windleitblechen. Die 01.5 hat ein Vollsichtführerhaus mit großen Seitenfenstern und kleine Windleitbleche der Witte-Bauform. Der Kessel wirkt glatter und moderner. Endgültig entscheidet die Nummernanschrift, die bei den Rekomaschinen im Bereich 01 05xx oder 01 15xx liegt.
Was sagen die Nummern 01 05 und 01 15 aus?
Sie unterscheiden die Feuerung. Bei der Nummernumstellung der Deutschen Reichsbahn ab 1970 erhielten ölgefeuerte Maschinen den Bereich 01 05xx, kohlegefeuerte den Bereich 01 15xx. Dieselbe Bauart trägt also je nach Feuerung unterschiedliche Nummern – ein Muster, das bei der Reichsbahn systematisch angewendet wurde.
Wie erkenne ich eine ölgefeuerte Dampflok?
Am Tender. Statt eines offenen Kohlevorrats mit sichtbarer Schüttung trägt eine ölgefeuerte Lok einen geschlossenen Behälter. Außerdem fehlt die typische Kohlenstaubspur, und beim Anheizen entsteht ein anderes Rauchbild. Bei laufender Maschine ist der Unterschied auch am gleichmäßigeren Feuer erkennbar.
Fährt noch eine 01.5 im Plandienst?
Nein. Der planmäßige Dampfbetrieb ist in Deutschland Geschichte. Erhaltene Maschinen der Baureihe 01.5 gehören Museumsbetrieben und Vereinen und laufen nur vor Sonderzügen oder stehen ausgestellt. Welche Lok gerade betriebsfähig ist, hängt an Hauptuntersuchungen und Aufarbeitungen und ändert sich über die Jahre.
Warum baute man Rekoloks statt neuer Maschinen?
Weil Neubauten teuer und die Kapazitäten begrenzt waren, während gleichzeitig große Bestände älterer Lokomotiven mit verschlissenen Kesseln vorhanden waren. Der Austausch des Kessels bei sonst brauchbarem Fahrwerk war der schnellere und günstigere Weg – und verlängerte die Nutzungsdauer der Fahrzeuge um Jahrzehnte.
Wo kann ich eine 01.5 sehen?
Nur dort, wo sie angekündigt ist: bei Sonderfahrten, auf Museumsgelände oder bei Veranstaltungen. Feste Standorte gibt es nicht. Recherchiere über die Betreiberseiten, Veranstaltungskalender der Museumsbahnen und Community-Foren – und rechne damit, dass Termine kurzfristig geändert werden.
Sichtung von Baureihe 01.5 festhalten
Datum, Ort und Fahrzeugnummer in Sekunden erfasst – und sichtbar für die Community.
Verwandte Baureihen
Baureihe 01
Die Baureihe 01 war die erste Einheits-Schnellzuglok der Deutschen Reichsbahn: 2'C1', zwei Zylinder, 130 km/h. Heute laufen die erhaltenen Maschinen nur noch als Museumsfahrzeuge.
Dampf/SonderBaureihe 01.10
Die Baureihe 01.10 war die dreizylindrige Weiterentwicklung der 01: 55 Maschinen, ab Werk stromlinienverkleidet, zugelassen für 150 km/h. Heute nur noch als Museumsfahrzeug zu sehen.
Dampf/SonderBaureihe 22
Die Baureihe 22 entstand als Rekonstruktion der Preußischen P 10: vier gekuppelte Treibachsen, drei Zylinder, neuer Kessel – ab 1970 lief sie als Baureihe 39.10 weiter.
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Die Baureihe 44 war die schwere Güterzuglok der Einheitsloks: fünf Kuppelachsen, drei Zylinder, rund 1.989 Maschinen. Der „Jumbo“ fährt heute nur noch museal.
Dampf/SonderBaureihe 50
Die Baureihe 50 ist die erfolgreichste deutsche Güterzug-Dampflok: über 3.000 Maschinen, fünf Kuppelachsen, niedrige Achslast. Heute fährt sie nur noch museal.
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