Das Wichtigste in Kürze
- Die 610 war der Neigetechnik-Pionier im deutschen Dieselnetz: 20 zweiteilige Triebzüge, gebaut 1992, ausgelegt auf 160 km/h.
- Schnellster Erkennungsweg: zwei Wagenteile, Dachkühler statt Stromabnehmer, Nummer beginnt mit 610.
- Der Spitzname Pendolino verweist auf die italienische Herkunft der Neigetechnik, nicht auf einen italienischen Zug.
- Die Nachfolger 611 und 612 übernahmen das Konzept und lösten die 610 im Alltag ab.
- Heute ist die Baureihe ein historisches Thema – planmäßige Einsätze gibt es nicht mehr.
Inhaltsverzeichnis
Steckbrief
| Fahrzeugart | Zweiteiliger Dieseltriebwagen mit Neigetechnik |
|---|---|
| Zugbildung | zwei angetriebene Wagenteile, kein Mittelwagen |
| Baujahr | 1992 |
| Stückzahl | 20 Triebzüge (610 001 bis 610 020) |
| Höchstgeschwindigkeit | 160 km/h |
| UIC-Bauartcode | 95 – Dieseltriebwagen und Dieseltriebzüge |
| Status | aus dem Regelbetrieb ausgeschieden |
Erkennungsmerkmale
Hast du wirklich diese Baureihe vor dir?
- Genau zwei Wagenteile, beide mit Führerstand – kein Mittelwagen
- Kühler- und Auspuffaufbauten auf dem Dach, kein Stromabnehmer
- Kantige Front der frühen 1990er mit großen, hochliegenden Frontscheiben
- Neigetechnik: im Bogen legt sich der Wagenkasten sichtbar zur Kurveninnenseite
- Fahrzeugnummer beginnt mit 610, Ordnungsnummern 001 bis 020
Aktualisiert: August 2026 – 1992 stellte die Deutsche Bundesbahn 20 Triebzüge in Dienst, die etwas konnten, was bis dahin kein deutscher Dieseltriebwagen konnte: sich in die Kurve legen. Die Baureihe 610, unter Spottern schlicht „Pendolino“ genannt, war zweiteilig, 160 km/h schnell und der Startpunkt einer ganzen Fahrzeugfamilie. Diese Seite zeigt dir, woran du sie erkennst und wie du sie von ihren Nachfolgern trennst.
Historische Triebwagen dokumentieren
Fahrzeuge ohne Regeleinsatz sieht man selten – halte Nummer, Datum und Anlass gleich in Traintrack fest.
Was ist die Baureihe 610?
Die Baureihe 610 ist ein zweiteiliger Dieseltriebwagen mit Neigetechnik, gebaut 1992 in 20 Exemplaren mit den Nummern 610 001 bis 610 020 und zugelassen für 160 km/h. Beide Wagenteile sind angetrieben und tragen einen Führerstand; einen Mittelwagen gibt es nicht.
Der Zweck war klar umrissen: Auf kurvenreichen, nicht elektrifizierten Strecken sollte die Fahrzeit sinken, ohne die Trasse aufwendig umzubauen. Neigetechnik erlaubt höhere Bogengeschwindigkeiten, ohne dass es für Fahrgäste unangenehm wird. Die 610 war das Fahrzeug, mit dem die Bahn diesen Ansatz in Deutschland erstmals in Serie ausprobierte – und damit der Vorläufer der viel größeren Serien Baureihe 611 und Baureihe 612.
In der Fahrzeugsystematik steht sie trotz ihres Fernverkehrsanspruchs klar bei den Dieseltriebwagen: UIC-Bauartcode 95, wie jeder andere Dieseltriebzug auch.
So bestimmst du die 610 im Feld
Die Baureihe hat den Vorteil, dass ihre Merkmale schon von weitem funktionieren. Du musst weder Anschriften lesen noch nah herangehen.
Wagenteile zählen
Genau zwei, beide mit Führerstand, ohne Mittelwagen. Dreiteilige Dieseltriebwagen wie die 614 sind damit sofort ausgeschlossen.
Dach ansehen
Kühlergitter und Auspuffanlagen statt Stromabnehmer. Damit fallen alle Elektrotriebzüge aus der Auswahl.
Front einordnen
Die Front stammt gestalterisch aus den frühen 1990ern: kantiger und höher als bei den späteren Neigetechnik-Generationen.
Nummer prüfen
Die Ordnungsnummer liegt zwischen 001 und 020. Eine höhere Zahl bedeutet automatisch eine andere Baureihe.
Wenn du die Bestimmungslogik allgemein üben willst, ist die Anleitung zum Bestimmen von Baureihen der richtige Einstieg – sie erklärt, in welcher Reihenfolge man Merkmale abarbeitet, damit man nicht bei Details hängen bleibt.
Neigetechnik im Regionalverkehr: was das praktisch bedeutet
Neigetechnik ist kein Komfortfeature, sondern ein Fahrzeitwerkzeug. Für Beobachter macht das einen Unterschied bei der Standortwahl.
| Streckentyp | Nutzen der Neigetechnik | Bedeutung für Spotter |
|---|---|---|
| Kurvenreiche Mittelgebirgsstrecke | hoch – der eigentliche Einsatzgrund | Bögen bieten das charakteristische Motiv |
| Flache Hauptbahn mit langen Geraden | gering | Fahrzeug wirkt wie ein normaler Triebwagen |
| Bahnhofsbereich, langsame Fahrt | keine | gut für Detail- und Nummernaufnahmen |
| Elektrifizierte Schnellfahrstrecke | nicht relevant | dort verkehren andere Fahrzeuggattungen |
Der Gegenentwurf ohne Neigetechnik ist die ältere Baureihe 614: dreiteilig, schwerer, ohne Kurventrick – und damit auf denselben Strecken deutlich langsamer unterwegs.
Sieh, wo historische Triebwagen fahren
Community-Meldungen zeigen dir kurzfristige Einsätze und Sonderfahrten, bevor du losfährst.
Spotting und Fotografie
Weil die 610 aus dem Regelbetrieb ausgeschieden ist, funktioniert die klassische Bahnsteigstrategie nicht mehr. Der Zugang läuft über Termine.
Termin schlägt Standort
Bei Fahrzeugen ohne Umlauf ist die entscheidende Information das Datum. Steht der Termin, lässt sich der Fotostandort in Ruhe planen – umgekehrt funktioniert es nicht.
Für das Bild selbst lohnen sich drei Überlegungen:
- Die Kurve ist das Motiv. Ein Neigetechnikfahrzeug in Schräglage ist charakteristischer als jede Frontalaufnahme. Achte auf einen Standort mit sichtbarem Bogen und freiem Vordergrund.
- Zwei Wagenteile passen ins Bild. Anders als bei langen Triebzügen bekommst du den kompletten Zug mit moderater Brennweite scharf – gute Gelegenheit für eine saubere Seitenansicht.
- Anschriften mitnehmen. Bei einer Baureihe mit nur 20 gebauten Einheiten ist die konkrete Ordnungsnummer die eigentliche Information deiner Sichtung.
Wie du solche Sichtungen so festhältst, dass du sie Jahre später noch auswerten kannst, beschreibt der Guide zum Sichtungslogbuch. Wo du überhaupt Termine für historische Fahrzeuge findest, steht im Beitrag zu Sonderzügen und Sonderfahrten.
Sicherheit bleibt Sicherheit
Auch ein seltener Triebwagen rechtfertigt kein Risiko: Abstand zur Bahnsteigkante halten, hinter der Sicherheitslinie bleiben, den Gleisbereich nicht betreten. Betriebsgelände und Abstellanlagen sind tabu.
Die Familie 610, 611, 612 im Vergleich
Drei Baureihen, dieselbe Grundidee, drei Generationen: Wer die 610 verstehen will, sollte ihre Nachfolger kennen. Alle drei sind zweiteilige Dieseltriebwagen mit Neigetechnik, unterscheiden sich aber deutlich in Serienumfang und Bedeutung.
Die 610 ist die Pilotserie. Mit 20 Einheiten war sie klein genug, um ein überschaubares Risiko zu bleiben, und groß genug, um echte Betriebserfahrung zu liefern. Sie beantwortete die entscheidende Frage: Funktioniert Neigetechnik im Alltag eines Dieselnetzes, mit realen Fahrplänen, realen Werkstätten und realem Wetter?
Die 611 war der zweite Anlauf mit 50 Einheiten und einer eigenständigen technischen Lösung für die Wagenkastenneigung. Sie sollte die Serienreife bringen, brachte aber vor allem Erkenntnisse darüber, wie empfindlich das Zusammenspiel aus Neigetechnik, Dieselantrieb und dichtem Fahrplan sein kann.
Erst die 612 wurde zur echten Großserie. Mit 192 Einheiten prägte sie im Regionalverkehr der Deutschen Bahn AG über Jahre die kurvigen Strecken und wurde zum Standardfahrzeug für diese Aufgabe. Wer heute in Deutschland einen zweiteiligen Neigetechnik-Dieseltriebwagen im Planbetrieb sieht, hat mit großer Wahrscheinlichkeit eine 612 vor sich – und eben nicht die 610.
Für die Bestimmung heißt das: Die Ordnungsnummer ist bei dieser Familie besonders aussagekräftig. Endet sie bei 020, kommt nur die 610 infrage. Höhere Zahlen führen automatisch zu einer der beiden Nachfolgebaureihen. Diese kleine Regel spart im Feld erstaunlich viel Zeit, weil sie ohne Detailkenntnis der Frontformen auskommt.
Ein zweiter Punkt betrifft die Fahrzeuggeschichte: Bei einer Serie von nur 20 Einheiten ist jede erhaltene Nummer ein Einzelstück mit eigener Historie. Wer eine sichtet, dokumentiert nicht nur eine Baureihe, sondern ein konkretes Fahrzeug – und genau darin liegt der Reiz kleiner Serien.
Häufige Verwechslungen und wie du sie ausschließt
Es spricht für die 610, wenn …
- der Zug aus genau zwei angetriebenen Wagenteilen besteht
- Kühler und Auspuff auf dem Dach sitzen
- die Front kantig und typisch für die frühen 1990er wirkt
- die Nummer zwischen 610 001 und 610 020 liegt
Sieh genauer hin, wenn …
- du nur die Front siehst – zweiteilige Neigetechnikfahrzeuge ähneln sich frontal
- das Fahrzeug abgestellt und die Anschrift verdeckt ist
- eine Sonderlackierung die vertrauten Farbflächen auflöst
Es ist keine 610, wenn …
- ein Stromabnehmer auf dem Dach liegt
- ein dritter Wagenteil zwischen den Endwagen hängt
- die Nummer mit 611 oder 612 beginnt – dann hast du einen Nachfolger vor dir
Fazit
Die Baureihe 610 ist eine kleine Serie mit großer Wirkung: Sie hat die Neigetechnik im deutschen Dieselnetz alltagstauglich gemacht und den Weg für 611 und 612 bereitet. Erkennen lässt sie sich in Sekunden – zwei Wagenteile, Dachkühler, Nummer bis 020. Antreffen lässt sie sich dagegen nur noch mit Terminwissen und etwas Glück.
Kurzfazit
Zwei Wagenteile, Kühler statt Stromabnehmer, Nummer zwischen 001 und 020: Das ist die 610. Für eine Sichtung brauchst du heute weniger einen guten Bahnsteig als den richtigen Termin.
Zusammenfassung
- Mit der Baureihe 610 startete 1992 der Neigetechnikbetrieb auf kurvigen, nicht elektrifizierten Strecken in Nordbayern.
- Zwei Wagenteile, 160 km/h und ein charakteristisches Dachbild machen sie leicht bestimmbar.
- Die Baureihen 611 und 612 setzten die Idee fort, mit deutlich größeren Stückzahlen.
- Wer die 610 heute sehen will, sucht museale Anlässe statt Fahrpläne.
Häufige Fragen
Was ist die Baureihe 610?
Die Baureihe 610 ist ein zweiteiliger Dieseltriebwagen mit Neigetechnik. 1992 entstanden 20 Einheiten mit den Nummern 610 001 bis 610 020, ausgelegt auf 160 km/h. Sie war das erste Serienfahrzeug, mit dem die Neigetechnik im deutschen Dieselverkehr in den Alltag kam.
Warum heißt die 610 Pendolino?
Der Spitzname stammt von der Neigetechnik italienischer Herkunft, die dem Fahrzeug seine Kurveneigenschaften gibt. Mit den italienischen Pendolino-Zügen selbst hat die Baureihe konstruktiv nur diesen Baustein gemeinsam – der Name blieb trotzdem hängen und ist unter Spottern bis heute gebräuchlich.
Wie erkenne ich die Baureihe 610 sicher?
An drei Dingen: genau zwei Wagenteile mit je einem Führerstand, Kühler und Auspuff auf dem Dach statt eines Stromabnehmers und der kantigen Front der frühen 1990er Jahre. Die Nummer beginnt mit 610 und endet spätestens bei 020.
Was ist der Unterschied zwischen 610, 611 und 612?
Alle drei sind zweiteilige Dieseltriebwagen mit Neigetechnik, gehören aber zu verschiedenen Generationen. Die 610 ist die älteste und mit 20 Einheiten die kleinste Serie, die 611 folgte Mitte der 1990er, die 612 wurde die große Serienbaureihe. Front und Fensterteilung unterscheiden sich deutlich.
Wie schnell fährt die Baureihe 610?
Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 160 km/h. Praktisch relevanter war die Neigetechnik: Sie erlaubt höhere Kurvengeschwindigkeiten auf gewundenen Strecken, wo die reine Spitzengeschwindigkeit nie erreicht wird.
Ist die Baureihe 610 noch im Einsatz?
Im Regelbetrieb nicht mehr. Nach dem Ende der planmäßigen Einsätze blieb die Baureihe nur noch in einzelnen Fahrzeugen erhalten. Sichtungen sind deshalb an museale Aktivitäten und Sonderanlässe gebunden – prüfe den aktuellen Stand, bevor du eine Anfahrt planst.
Warum hat die 610 den Bauartcode 95?
Weil die ersten beiden Ziffern der zwölfstelligen Fahrzeugnummer die Bauart beschreiben: 95 steht für Dieseltriebwagen und Dieseltriebzüge. Elektrotriebzüge tragen dort die 94. Neigetechnik oder Höchstgeschwindigkeit spielen für diese Einordnung keine Rolle.
Wo fuhr die Baureihe 610 hauptsächlich?
Ihr Einsatzschwerpunkt lag auf kurvenreichen, nicht elektrifizierten Strecken im nordbayerischen Raum – genau dort, wo Neigetechnik den größten Zeitgewinn bringt. Konkrete Linien wechselten über die Jahre mehrfach, ältere Umlaufangaben sind daher mit Vorsicht zu genießen.
Sichtung von Baureihe 610 festhalten
Datum, Ort und Fahrzeugnummer in Sekunden erfasst – und sichtbar für die Community.
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