Baureihe 97

Die Baureihe 97 ist die Nummerngruppe der Zahnradlokomotiven. So funktioniert der Zahnradbetrieb, welche Systeme es gibt und woran du solche Fahrzeuge erkennst.

Auch bekannt als: BR 97 · Zahnradlokomotive

DeutschlandDeutschlandDampfloks & Sonderantriebe7 Min. LesezeitAktualisiert: August 2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Die 97 ist eine eigene Kategorie: Das DRG-System reservierte diese Nummer ausschließlich für Zahnradlokomotiven.
  • Zahnradbetrieb beginnt dort, wo Reibung endet – jenseits der Steigungen, die eine normale Lok bewältigen kann.
  • Meist gemischter Betrieb: Reibungsantrieb auf flachen Abschnitten, Zahnrad nur am Steilstück.
  • Verschiedene Zahnstangensysteme – Riggenbach, Abt, Strub und Locher unterscheiden sich deutlich im Aufbau.
  • Kein Regeleinsatz mehr: Fahrzeuge dieser Gruppe sind museal; Zahnradbetrieb findet heute vor allem bei touristischen Bergbahnen statt.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Was ist die Baureihe 97?
  2. 2.Wie Zahnradbetrieb funktioniert
  3. 3.Zahnstangensysteme im Vergleich
  4. 4.Gemischter Betrieb: die deutsche Besonderheit
  5. 5.Wo du Zahnradbetrieb heute erlebst
  6. 6.Fototipps an Zahnradstrecken
  7. 7.Häufige Verwechslungen
  8. 8.Fazit

Steckbrief

FahrzeugartDampflokomotiven für Zahnradbetrieb, überwiegend Tenderbauart
Nummernband97 – im DRG-System ausschließlich Zahnradlokomotiven vorbehalten
AntriebsprinzipZusätzlich zum Reibungsantrieb ein in eine Zahnstange greifendes Triebzahnrad
EinsatzzweckStreckenabschnitte mit Steigungen jenseits der Grenze des reinen Reibungsbetriebs
BesonderheitMeist gemischter Betrieb – Reibungsantrieb in der Ebene, Zahnradantrieb am Berg
StatusKein Regeleinsatz – historische Fahrzeuge in Museums- und Sammlungsbeständen

Erkennungsmerkmale

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  • Triebzahnrad zwischen den Schienen unter dem Fahrzeug – das eindeutigste Merkmal überhaupt
  • Zahnstange in Gleismitte auf den betreffenden Streckenabschnitten
  • Zusätzliche Bremseinrichtungen und oft ein eigenes Triebwerk für den Zahnradantrieb
  • Fahrzeugnummer beginnt mit 97 – im DRG-System ausschließlich für Zahnradlokomotiven vergeben
  • Kessel und Führerhaus wirken oft geneigt oder angepasst, um bei starker Steigung waagerecht zu stehen

Aktualisiert: August 2026 – Die Baureihe 97 ist der Sonderfall im deutschen Dampflok-Nummernsystem: Während fast alle anderen Nummern nach Verwendungszweck und Achsfolge sortiert sind, steht diese eine Nummer für ein Antriebsprinzip. Zahnradlokomotiven fahren dort, wo Reibung allein nicht mehr reicht. Diese Seite erklärt, wie das technisch funktioniert, welche Systeme es gibt und wo du Zahnradbetrieb heute noch erlebst.

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Was ist die Baureihe 97?

Die Baureihe 97 ist die Nummerngruppe, die die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft ausschließlich für Zahnradlokomotiven vergeben hat. Das macht sie im Nummernsystem zu einer Ausnahme: Die Bänder 01 bis 96 ordnen nach Verwendungszweck und Bauart, die 97 dagegen nach einem technischen Prinzip. Die 98 war anschließend den Lokalbahnlokomotiven vorbehalten, die 99 den Schmalspurmaschinen – auch das Sonderkategorien.

Zahnradlokomotiven sind Fahrzeuge für Streckenabschnitte, deren Steigung jenseits dessen liegt, was mit reinem Reibungsantrieb sicher zu bewältigen ist. Sie tragen zusätzlich zum normalen Triebwerk ein Triebzahnrad, das in eine Zahnstange in Gleismitte greift. Damit lässt sich Kraft formschlüssig übertragen – und, mindestens ebenso wichtig, bergab sicher bremsen.

Im deutschen Staatsbahnnetz sind die Zahnstangenabschnitte längst Geschichte. Fahrzeuge dieser Baureihe sind heute historische Objekte; Zahnradbetrieb erlebst du in Deutschland vor allem bei touristischen Bergbahnen mit eigenem Fahrzeugpark. Eine davon ist die Drachenfelsbahn, die seit 1883 von Königswinter auf den Drachenfels klettert – meterspurig, mit Zahnstange und ganzjährig in Betrieb.

Wie Zahnradbetrieb funktioniert

Der Kern ist schnell erklärt, die Konsequenzen sind es nicht.

Reibung hat eine harte Grenze

Ein Rad überträgt Kraft nur so lange, wie es nicht durchdreht. Wie viel geht, hängt vom Gewicht auf der Achse und vom Reibwert ab – und der ist bei Nässe, Laub oder Schnee schnell halbiert.

Das Zahnrad greift formschlüssig

Ein angetriebenes Zahnrad in einer Zahnstange kann nicht durchrutschen. Die übertragbare Kraft hängt damit nicht mehr am Reibwert, sondern an der Festigkeit der Bauteile.

Bergab zählt die Bremse mehr als der Antrieb

Der eigentliche Sicherheitsgewinn liegt in der Talfahrt. Über den Zahneingriff lässt sich die Geschwindigkeit auch dann halten, wenn eine Reibungsbremse längst überfordert wäre.

Ein- und Ausfahrt ist der kritische Punkt

Bei gemischtem Betrieb muss das Fahrzeug in Bewegung sauber in die Zahnstange einfädeln. Dafür gibt es Einfahrtvorrichtungen mit beweglichen Anfangsstücken – eine der anspruchsvollsten Stellen der ganzen Anlage.

Wo die Steigung noch im Bereich des Machbaren liegt, kommt man dagegen mit reiner Reibung aus – dann braucht es allerdings eine sehr kräftige Maschine mit Steilstreckenausrüstung wie die Baureihe 95.

Zahnstangensysteme im Vergleich

Nicht jede Zahnstange ist gleich gebaut. Die Systeme unterscheiden sich in Aufbau, Laufruhe, Unterhaltsaufwand und der Steigung, die sie beherrschen.

System Aufbau der Zahnstange Charakteristik
Riggenbach Leiterzahnstange aus Sprossen zwischen zwei Profilen ältestes verbreitetes System, robust, im Lauf vergleichsweise laut
Abt eine bis drei Lamellen aus Flachstahl, Zähne versetzt versetzte Verzahnung ergibt ruhigeren Lauf, weit verbreitet
Strub Vollprofil mit eingefrästen Zähnen einfacher Unterhalt, Kopf nutzbar als Klemmfläche für Bremsen
Locher Verzahnung beidseitig horizontal für extreme Steigungen, sichert zusätzlich gegen Aufklettern
Von Roll Vollprofil, Weiterentwicklung älterer Systeme heutiger Standard bei Neu- und Umbauten

Für die Beobachtung heißt das: Wenn du an einer Bergbahn stehst, sagt dir schon die Form der Zahnstange im Gleis, mit welchem System du es zu tun hast. Wie man solche Merkmale generell systematisch abarbeitet, beschreibt die Anleitung zum Bestimmen von Baureihen.

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Gemischter Betrieb: die deutsche Besonderheit

Reine Zahnradbahnen fahren von der ersten bis zur letzten Weiche im Zahneingriff. Bei Strecken, die nur einen steilen Abschnitt haben, wäre das unwirtschaftlich – also baute man gemischten Betrieb: Reibungsantrieb auf den flachen Teilen, Zahnstange nur dort, wo es steil wird.

Für die Fahrzeuge bedeutet das erheblichen Zusatzaufwand. Sie brauchen beide Antriebsarten, dazu eine Steuerung, die den Übergang beherrscht, und zusätzliche Bremseinrichtungen für die Talfahrt. Genau diese Sonderkonstruktionen sind der Grund, warum die Reichsbahn für sie eine eigene Baureihennummer reservierte, statt sie in die bestehenden Bänder einzusortieren.

Der Vergleich mit den benachbarten Sonderkategorien lohnt: Die Baureihe 98 fasste Lokalbahnlokomotiven zusammen, also Fahrzeuge für schwach ausgebaute Nebenstrecken, und die Baureihe 94 zeigt, wie weit man mit reiner Reibung und fünf Kuppelachsen kommt.

Wo du Zahnradbetrieb heute erlebst

Im deutschen Staatsbahnnetz gibt es keinen planmäßigen Zahnradbetrieb mehr. Was es gibt, sind touristische Bergbahnen mit eigenem Fahrzeugpark sowie Museumsbetriebe, die historische Zahnradfahrzeuge zeigen.

  • Bergbahnbetriebe direkt. Fahrpläne, Saisonzeiten und Betriebsruhe stehen beim Betreiber – dort auch, ob ein historisches Fahrzeug eingesetzt wird.
  • Museumsbestände und Sammlungen. Zahnradlokomotiven sind selten und stehen entsprechend prominent in den Beständen, die sie besitzen.
  • Sonderveranstaltungen. Jubiläen und Fahrzeugtreffen sind oft die einzige Gelegenheit, ein solches Fahrzeug in Bewegung zu sehen.
  • Community-Meldungen für alles, was kurzfristig und außerplanmäßig passiert.

Bergstrecken sind kein Gelände zum Improvisieren

Steile Böschungen, enge Einschnitte und fehlende Fluchtwege machen Bahnanlagen im Bergland besonders gefährlich. Gleisbereiche und Betriebsanlagen sind tabu, Absperrungen verbindlich, auf Betreibergelände gilt Hausrecht. Plane Standorte auf öffentlich zugänglichen Wegen und Aussichtspunkten.

Welche Abstände und Regeln dabei grundsätzlich gelten, fasst der Beitrag zum Sicherheitsabstand zum Gleis zusammen – er gilt an einer Bergstrecke genauso wie an jeder Hauptbahn.

Fototipps an Zahnradstrecken

Das Motiv einer Zahnradbahn ist die Steigung. Wer sie nicht ins Bild bekommt, fotografiert eine beliebige Schmalspurbahn.

Steigung sichtbar machen. Nimm eine Bezugslinie mit ins Bild – einen Mast, ein Gebäude, den Horizont. Ohne Referenz wirkt selbst eine dramatische Rampe im Foto flach.

Die Zahnstange zeigen. Ein tiefer Standpunkt mit Blick entlang des Gleises macht die Zahnstange sichtbar. Das ist das Detail, das die Aufnahme erklärt.

Auf Licht im Bergland achten. Täler sind früh im Schatten, Hänge blenden. Die nutzbaren Zeitfenster sind kürzer als im Flachland – plane sie vorher, statt vor Ort zu improvisieren.

Wenn ein historisches Dampffahrzeug im Einsatz ist, gelten zusätzlich die üblichen Regeln der Dampffotografie: Gegenlicht macht Dampf plastisch, kaltes Wetter verstärkt den Effekt. Die Details dazu stehen im Guide zur Dampfzugfotografie.

Häufige Verwechslungen

Es spricht für Zahnradbetrieb, wenn …

  • in Gleismitte eine Zahnstange liegt
  • das Fahrzeug ein Triebzahnrad unter dem Rahmen trägt
  • die Strecke erkennbar steiler ist als übliche Bahnstrecken
  • die Fahrzeugnummer im historischen Schema mit 97 beginnt

Sieh genauer hin, wenn …

  • die Zahnstange nur auf einem Abschnitt liegt – dann ist es gemischter Betrieb
  • ein Fahrzeug abgestellt ist und das Zahnrad nicht einsehbar ist
  • die Strecke steil wirkt, aber keine Zahnstange erkennbar ist

Es ist kein Zahnradbetrieb, wenn …

  • im Gleis keinerlei Zahnstange vorhanden ist
  • das Fahrzeug nur über die Räder angetrieben wird
  • es sich um eine Standseilbahn handelt – die arbeitet mit Seilzug statt Zahnrad

Fazit

Die Baureihe 97 ist die Nummer, die im deutschen Dampflok-System für ein Prinzip statt für eine Bauform steht. Zahnradlokomotiven lösen ein Problem, das mit mehr Kesselleistung nicht zu lösen ist: Ab einer bestimmten Steigung endet die Physik des Reibungsantriebs, und dann hilft nur noch Formschluss. Im Staatsbahnnetz ist dieses Kapitel abgeschlossen; wer es erleben will, fährt zu einer Bergbahn oder wartet auf einen Museumseinsatz – und schaut sich dabei die Zahnstange genauso genau an wie die Lok.

Kurzfazit

97 heißt Zahnradlokomotive: Triebzahnrad, Zahnstange im Gleis, Steigungen jenseits des Reibungsbetriebs. Im Regelnetz Geschichte, als Prinzip aber bei touristischen Bergbahnen bis heute lebendig.

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Zusammenfassung

  • Die Baureihe 97 ist im Dampflok-Nummernsystem der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft die Kategorie der Zahnradlokomotiven.
  • Solche Maschinen greifen mit einem Triebzahnrad in eine Zahnstange in Gleismitte und bewältigen dadurch Steigungen, an denen Reibungsantrieb scheitert.
  • Charakteristisch ist der gemischte Betrieb mit Reibungsantrieb in der Ebene und Zahnradantrieb am Steilstück.
  • Heute ist die Baureihe historisch – Zahnradbetrieb erlebst du vor allem bei touristischen Bergbahnen.

Häufige Fragen

Was ist die Baureihe 97?

Die Baureihe 97 ist die Nummerngruppe, die die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft ausschließlich für Zahnradlokomotiven reserviert hatte. Anders als bei den meisten Baureihen steht hier also nicht eine Achsfolge im Vordergrund, sondern ein Antriebsprinzip: der zusätzliche Zahnradantrieb, mit dem Steigungen jenseits der Grenzen des Reibungsbetriebs befahren werden können.

Wie funktioniert eine Zahnradbahn?

Zwischen den Schienen liegt eine Zahnstange. Das Fahrzeug trägt ein angetriebenes Zahnrad, das in diese Zahnstange greift. Die Kraftübertragung erfolgt dadurch formschlüssig statt über Reibung – die Räder können nicht mehr durchdrehen. Bergab dient dasselbe Zahnrad zusätzlich als Bremseingriff, was die Talfahrt beherrschbar macht.

Ab welcher Steigung braucht man ein Zahnrad?

Normale Adhäsionsbahnen bewegen sich im Regelbetrieb meist unterhalb von etwa vierzig Promille; ausgewiesene Steilstrecken gehen mit besonderen Vorschriften darüber hinaus. Wird es deutlich steiler, reicht die Reibung zwischen Rad und Schiene nicht mehr aus, um Zugkraft zu übertragen oder sicher zu bremsen. Dann kommt der Zahnradantrieb ins Spiel.

Welche Zahnstangensysteme gibt es?

Die bekanntesten sind Riggenbach mit einer Leiterzahnstange aus Sprossen, Abt mit versetzt angeordneten Lamellen für ruhigeren Lauf, Strub mit gefrästen Zähnen in einem Vollprofil und Locher mit horizontal beidseitig greifender Verzahnung für extreme Steigungen. Sie unterscheiden sich in Aufbau, Unterhalt und maximaler Steigung.

Was ist gemischter Betrieb?

Die Kombination beider Antriebsarten auf einer Strecke. Auf flachen Abschnitten fährt das Fahrzeug wie eine normale Lokomotive über Reibung; vor dem Steilstück fährt es in die Zahnstange ein und schaltet auf Zahnradantrieb um. Das spart den aufwendigen Zahnstangenbau dort, wo er nicht nötig ist – aber die Ein- und Ausfahrt in die Zahnstange muss technisch sauber gelöst sein.

Fahren Lokomotiven der Baureihe 97 noch?

Im Regelverkehr nicht. Die Zahnstangenabschnitte im deutschen Staatsbahnnetz sind längst zurückgebaut oder auf reinen Reibungsbetrieb umgestellt. Fahrzeuge dieser Baureihe sind heute Museums- und Sammlungsgut. Zahnradbetrieb als solchen erlebst du in Deutschland vor allem bei touristischen Bergbahnen mit eigenem Fahrzeugpark.

Wie erkenne ich eine Zahnradlokomotive?

Am Triebzahnrad unter dem Fahrzeug, etwa in Gleismitte, und an der Zahnstange im Gleis, sofern die Strecke sie noch hat. Viele Zahnradfahrzeuge tragen außerdem zusätzliche Bremseinrichtungen und ein eigenes Triebwerk für den Zahnradantrieb. Bei reinen Bergbahnen sind Kessel und Aufbauten oft geneigt ausgeführt.

Was sollte ich an einer Bergbahnstrecke beachten?

Dasselbe wie überall: Gleise und Betriebsanlagen sind tabu, Absperrungen verbindlich. An Bergstrecken kommt hinzu, dass Böschungen steil und Fluchtwege eng sind. Bleib auf öffentlich zugänglichen Wegen und Aussichtspunkten. Auf Betriebs- und Museumsgelände gilt zusätzlich das Hausrecht des Betreibers.

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