Das Wichtigste in Kürze
- Die Zahl im Typennamen ist Motorleistung in PS – kein Maß für Zugkraft und keine Aussage über die Wagenzahl.
- Im Rangierdienst zählt Zugkraft bei niedriger Geschwindigkeit, nicht Höchstleistung bei hohem Tempo.
- Begrenzt wird die Zugkraft durch den Kraftschluss: Reibungsgewicht und Schienenzustand setzen die harte Obergrenze.
- DHG steht für Gelenkwellenantrieb, also Wellen und Achsgetriebe statt Blindwelle und Kuppelstangen.
- Bauartcode 98 markiert das Fahrzeug als Rangier- und Kleinlok, im Unterschied zu 92 für Streckendiesellokomotiven.
Inhaltsverzeichnis
Steckbrief
| Fahrzeugart | Dieselhydraulische Rangier- und Werklokomotive |
|---|---|
| Hersteller | Henschel & Sohn, Kassel |
| Typenschlüssel | DHG = dieselhydraulisch mit Gelenkwellenantrieb, 700 = Motorleistung in PS |
| Kraftübertragung | Strömungsgetriebe, Gelenkwellen und Achsgetriebe |
| UIC-Bauartcode | 98 (Diesel-Rangier- und Kleinlokomotive) |
Erkennungsmerkmale
Hast du wirklich diese Baureihe vor dir?
- Mittelschwere Rangierbauform mit langer Vorbauhaube und außermittigem Führerhaus
- Keine Kuppelstangen zwischen den Achsen – Gelenkwellen laufen geschützt unter dem Fahrzeug
- Typenzeile auf dem Fabrikschild beginnt mit DHG, gefolgt von der Leistungszahl
- Rangierausrüstung: Ecktritte, umlaufendes Geländer, häufig Rangierfunk und Warneinrichtungen
- Geräuschbild beim Anfahren: Motordrehzahl steigt mit der Fahrstufe (hydraulische Kraftübertragung)
- Fahrzeugnummer registrierter Loks beginnt mit 98
Aktualisiert: August 2026 – Die häufigste Frage zu Rangierloks lautet: „Wie viele Wagen schafft die?“ Und die ehrlichste Antwort beginnt damit, dass die Zahl im Typennamen genau das nicht beantwortet. Am Beispiel der Henschel DHG 700 lässt sich gut zeigen, warum – und was stattdessen zählt.
Übergabe erwischt? Festhalten.
Rangierloks fahren ohne Fahrplan – wer sie sieht, sollte die Sichtung nicht auf später verschieben.
Was ist die Henschel DHG 700?
Die Henschel DHG 700 ist eine dieselhydraulische Rangier- und Werklokomotive mit Gelenkwellenantrieb aus dem Typenprogramm von Henschel & Sohn in Kassel. DHG beschreibt den Kraftweg: Ein Strömungsgetriebe von Zulieferern wie Voith Turbo wandelt die Motorleistung, Gelenkwellen und Achsgetriebe bringen sie an die Radsätze. Die 700 ist die Motorleistung in Pferdestärken.
In der zwölfstelligen europäischen Fahrzeugnummer trägt diese Fahrzeuggruppe den Bauartcode 98 – Diesel-Rangier- und Kleinlokomotive. Der Unterschied zur 92 für Streckendiesellokomotiven ist betrieblich fundamental: Eine 98 ist für Anfahren, Umsetzen und Zustellen ausgelegt, nicht für lange Fahrten bei hoher Geschwindigkeit. Und genau daraus folgt, welche technische Größe bei ihr wirklich zählt.
Leistung ist nicht Zugkraft
Leistung ist physikalisch das Produkt aus Kraft und Geschwindigkeit. Eine Lok, die schnell fahren soll, braucht viel Leistung. Eine Lok, die schwer anfahren soll, braucht viel Kraft – und die entsteht nicht durch den Motor allein.
1. Der Motor liefert Leistung
Die PS-Zahl im Typennamen beschreibt, was der Dieselmotor abgeben kann. Das ist die Obergrenze des Systems, nicht sein Betriebswert.
2. Das Getriebe formt sie um
Ein Strömungsgetriebe erzeugt beim Anfahren hohes Drehmoment bei niedriger Drehzahl am Rad – genau das, was Rangieren verlangt.
3. Der Kraftschluss setzt die Grenze
Übertragbar ist nur so viel Kraft, wie Rad und Schiene hergeben. Maßgeblich sind das Reibungsgewicht auf den angetriebenen Achsen und der Reibwert – der bei Nässe, Laub oder Öl stark einbricht.
4. Die Umgebung entscheidet mit
Gleisneigung, Bogenwiderstand, Wagengewicht und Lagerzustand bestimmen, was tatsächlich anrollt. Betriebe legen dafür eigene Lastvorschriften fest.
Deshalb ist bei Rangierloks jede angetriebene Achse Absicht: Alles Gewicht soll für die Zugkraft arbeiten. Laufachsen, die nur tragen, wären hier Ballast im schlechten Sinn.
Was die Zahl im Typennamen taugt – und was nicht
Als Ordnungsmerkmal ist die Leistungszahl trotzdem nützlich. Man muss nur wissen, welche Fragen sie beantwortet.
| Frage | Beantwortet die PS-Zahl? | Was du stattdessen brauchst |
|---|---|---|
| In welche Leistungsklasse gehört die Lok? | ja | – |
| Ist sie größer als der Nachbartyp im Programm? | ja, innerhalb desselben Herstellers | – |
| Wie viel Zugkraft bringt sie auf die Schiene? | nein | Reibungsgewicht und Kraftschlussbeiwert |
| Wie viele Wagen zieht sie? | nein | betriebliche Lastvorschrift für die konkrete Strecke |
| Wie schnell fährt sie? | nein | Zulassung und Getriebeauslegung |
| Ist sie streckentauglich? | nein | Zulassung, erkennbar am Bauartcode |
Vergleichbare Typen anderer Werke tragen dieselbe Zahl mit anderem Buchstabenkopf: die MaK G 700 C aus Kiel und die O&K MC 700. Innerhalb des Henschel-Programms liegt die Henschel DHG 700 C direkt daneben – gleiche Leistungszahl, ausgeschriebene Achsfolge.
Güterverkehr im Blick behalten
Übergabefahrten sind selten planbar – Community-Sichtungen zeigen dir, wo zuletzt etwas lief.
Was du im Betrieb tatsächlich beobachten kannst
Weil die harten Zahlen fehlen, lohnt sich der Blick auf das, was sichtbar ist. Beim Anfahren einer schweren Wagengruppe siehst und hörst du das Zusammenspiel aus Motor, Getriebe und Kraftschluss ziemlich direkt:
- Die Motordrehzahl steigt mit der Fahrstufe. Das ist das Kennzeichen hydraulischer Kraftübertragung – bei dieselelektrischen Loks bleibt sie weitgehend konstant.
- Der Zug setzt sich gestaffelt in Bewegung. Die Kupplungsspiele werden nacheinander ausgezogen, bevor die ganze Gruppe rollt.
- Schleudern zeigt die Kraftschlussgrenze. Kurzes Durchdrehen der Räder bei Nässe ist der sichtbare Beweis, dass nicht der Motor, sondern die Reibung begrenzt.
- Sandstreuer werden gezielt eingesetzt, um genau diese Grenze anzuheben.
Solche Beobachtungen gehören in eine gute Sichtungsnotiz, weil sie den Kontext liefern, den ein reines Fahrzeugfoto nicht hergibt. Wie du daraus mit wenig Aufwand ein auswertbares Protokoll machst, zeigt der Guide zum Sichtungslogbuch führen. Wo sich Güter- und Übergabeverkehr überhaupt beobachten lässt, behandeln der Guide zum Spotten am Rangierbahnhof und der Beitrag zum Güterzug-Radar für Deutschland.
Rangierbereiche sind besonders gefährlich
Im Rangierdienst werden Fahrzeuge unangekündigt und ohne Signal bewegt, häufig geschoben und mit unterbrochener Sichtverbindung. Anfahrende Wagengruppen sind leise und schnell schneller, als man erwartet. Werk-, Hafen- und Anschlussbahnen sind Privatgelände. Beobachte ausschließlich von öffentlich zugänglichen Flächen und betritt niemals Gleisbereiche.
Rangierausrüstung: was diese Loks von Streckenmaschinen trennt
Neben Antrieb und Fahrwerk unterscheidet sich auch die Ausrüstung deutlich. Vieles davon ist von außen sichtbar und hilft beim Einordnen, wenn Schilder unlesbar sind.
- Umlaufendes Geländer und Ecktritte. Rangierpersonal muss mitfahren können. Streckenlokomotiven haben das in dieser Form nicht.
- Rundumsicht vom Führerstand. Das außermittige oder erhöhte Führerhaus ist keine Stilfrage, sondern Voraussetzung für das Beobachten der Bewegungen in beide Richtungen.
- Funkfernsteuerung. Viele Rangierloks wurden nachträglich dafür ausgerüstet, damit eine Person zugleich kuppeln und die Lok bewegen kann. Erkennbar an Antennen, Zusatzkästen und auffälligen Warnleuchten.
- Warneinrichtungen. Rundumleuchten, zusätzliche Hörner und teils Kameras gehören zur typischen Nachrüstung im Werkbetrieb.
- Rangierkupplungen und Anbauteile. Je nach Betrieb kommen Sonderausrüstungen wie Schienenräumer, Kupplungsadapter oder Bremsprobeneinrichtungen hinzu.
Diese Merkmale sagen nichts über die Type aus, aber viel über den Einsatz – und sie sind ein guter Hinweis darauf, dass du wirklich ein Fahrzeug mit Bauartcode 98 vor dir hast und keine Streckenlok im Rangiereinsatz. Wenn du eine Lok fotografierst, lohnt es sich, diese Anbauteile bewusst mit ins Bild zu nehmen: Sie datieren die Aufnahme oft besser als die Lackierung, weil Nachrüstungen zeitlich klar zuzuordnen sind.
Häufige Verwechslungen
Es spricht für eine DHG 700, wenn …
- das Fabrikschild Henschel & Sohn und eine DHG-Typenzeile nennt
- zwischen den Rädern keine Kuppelstange mitläuft
- die Motordrehzahl beim Anfahren mit der Fahrstufe steigt
- die Fahrzeugnummer mit 98 beginnt
Sieh genauer hin, wenn …
- Listen den Typ mit ausgeschriebener Achsfolge führen
- ein anderes Werk dieselbe Leistungszahl im Programm hat
- die Lok remotorisiert wurde und das Geräuschbild nicht zum Typ passt
Es ist keine DHG 700, wenn …
- Kuppelstangen zwischen den Treibachsen sichtbar sind
- die Motordrehzahl beim Beschleunigen konstant bleibt
- das Fabrikschild einen anderen Hersteller ausweist
Fazit
Die Henschel DHG 700 ist ein gutes Beispiel dafür, dass eine große Zahl im Namen weniger verrät, als man denkt. Sie ordnet die Lok in eine Leistungsklasse ein – mehr nicht. Was sie am Haken schafft, entscheiden Reibungsgewicht, Kraftschluss und die konkrete Situation vor Ort. Wer das trennt, beschreibt Fahrzeuge präziser und fällt nicht auf gerundete Fantasiewerte herein.
Kurzfazit
700 steht für Motorleistung in PS, nicht für Zugkraft. Im Rangierdienst zählen Reibungsgewicht und Kraftschluss – und für die Bestimmung Achszahl, Triebwerk und Fabrikschild.
Zusammenfassung
- Leistungsangaben in Herstellertypen beschreiben den Motor, nicht das, was die Lok am Haken tatsächlich schafft.
- Entscheidend sind im Rangierdienst Reibungsgewicht, Kraftschluss und die Auslegung des Strömungsgetriebes für niedrige Geschwindigkeiten.
- Deshalb lässt sich die häufigste Frage – wie viele Wagen zieht sie? – seriös nicht mit einer Zahl beantworten.
- Für die Bestimmung im Feld bleiben Achszahl, Triebwerk und Fabrikschild die belastbaren Merkmale.
Häufige Fragen
Was bedeutet die 700 in Henschel DHG 700?
Sie bezeichnet die Motorleistung in Pferdestärken und ordnet die Lok damit in eine Leistungsklasse ein. Sie sagt nichts darüber, welche Last die Maschine tatsächlich bewegen kann – dafür sind Reibungsgewicht, Kraftschluss und Getriebeauslegung entscheidend. Die Zahl ist ein Klassifizierungsmerkmal, kein Betriebswert.
Warum ist Motorleistung im Rangierdienst nicht das Wichtigste?
Weil Leistung das Produkt aus Zugkraft und Geschwindigkeit ist. Rangierloks fahren sehr langsam, brauchen dabei aber hohe Zugkraft. Entscheidend ist deshalb, wie viel Kraft die Lok bei niedriger Geschwindigkeit auf die Schiene bringt – und das begrenzt vor allem das Gewicht auf den angetriebenen Achsen.
Was ist Reibungsgewicht?
Der Anteil des Fahrzeuggewichts, der auf den angetriebenen Achsen ruht. Er bestimmt zusammen mit dem Reibwert zwischen Rad und Schiene die maximal übertragbare Zugkraft. Wird sie überschritten, drehen die Räder durch. Bei Rangierloks sind deshalb alle Achsen angetrieben – jedes Kilogramm soll für die Zugkraft arbeiten.
Wie viele Wagen kann eine solche Lok ziehen?
Das lässt sich nicht seriös pauschal beantworten. Die Antwort hängt von Wagengewicht und -zustand, Gleisneigung, Witterung, Schienenzustand und der zulässigen Geschwindigkeit ab. Betriebe legen dafür eigene Lastvorschriften fest. Jede Zahl, die ohne diese Randbedingungen genannt wird, ist bestenfalls ein grober Anhaltspunkt.
Was macht ein Strömungsgetriebe im Rangierdienst besonders geeignet?
Es überträgt die Leistung über einen Flüssigkeitskreislauf und erzeugt beim Anfahren ein hohes Drehmoment, ohne dass eine Kupplung schleifen muss. Genau das braucht eine Rangierlok: sanftes, dosierbares Anfahren schwerer Lasten und Dauerbetrieb bei sehr niedriger Geschwindigkeit.
Was unterscheidet DHG von DH?
Nur den Kraftweg hinter dem Getriebe. DHG nutzt Gelenkwellen und Achsgetriebe, DH eine Blindwelle mit außen liegenden Kuppelstangen. Optisch ist das der schnellste Unterschied: Bei DH läuft sichtbar eine Stange zwischen den Rädern mit, bei DHG bleibt der Bereich frei.
Warum steht bei Rangierloks 98 in der Fahrzeugnummer?
Die ersten beiden Ziffern der zwölfstelligen europäischen Fahrzeugnummer bezeichnen die Fahrzeugart. 98 steht für Diesel-Rangier- und Kleinlokomotiven, 92 für Diesel-Streckenlokomotiven. Die Einordnung folgt Einsatzzweck und Zulassung und ist damit ein sehr schneller Filter bei der Suche.
Wo kann ich Fahrzeuge dieser Klasse beobachten?
Im Umfeld von Werk-, Hafen- und Anschlussbahnen, insbesondere bei Übergabefahrten zum öffentlichen Netz. Standorte und Halter ändern sich fortlaufend, weil gebrauchte Industrieloks verkauft und vermietet werden. Beobachte ausschließlich von öffentlich zugänglichen Flächen – Betriebsgelände ist Privatgelände.
Sichtung von Henschel DHG 700 festhalten
Datum, Ort und Fahrzeugnummer in Sekunden erfasst – und sichtbar für die Community.
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Henschel DHG 700 C
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