Das Wichtigste in Kürze
- Die LEW V 100 stammt aus Hennigsdorf und wurde für die Deutsche Reichsbahn gebaut – sie ist nicht mit der westdeutschen V 100 verwandt.
- Vier Achsen in zwei Drehgestellen sind das erste und sicherste Erkennungsmerkmal dieser Bauart.
- Umbauten und Remotorisierungen sind der Regelfall: Viele Fahrzeuge tragen heute moderne Motoren und veränderte Aufbauten.
- Der UIC-Bauartcode hängt am einzelnen Fahrzeug: Je nach Zulassung und Einsatzzweck steht 98 für Rangierloks oder 92 für Streckenloks.
- Halter und Lackierung wechseln ständig – die Farbe ist nie ein Bestimmungsmerkmal.
Inhaltsverzeichnis
Steckbrief
| Fahrzeugart | Dieselhydraulische Lokomotive, heute vielfach im Rangier- und Übergabedienst |
|---|---|
| Hersteller | VEB Lokomotivbau Elektrotechnische Werke (LEW) Hennigsdorf |
| Achsfolge | B'B' – vier angetriebene Achsen in zwei Drehgestellen |
| Nummernsystematik | bei der Deutschen Reichsbahn als V 100 beschafft, später als Baureihe 110 geführt |
| Spätere Einordnung | nach 1992 bei der DB AG in den Baureihen 201 bis 204 geführt |
| UIC-Bauartcode | je nach Fahrzeug 98 (Rangier-/Kleinlok) oder 92 (Streckenlok) |
Erkennungsmerkmale
Hast du wirklich diese Baureihe vor dir?
- Vier Achsen in zwei Drehgestellen, kein starrer Rahmen
- Kastenaufbau mit langer Vorbauhaube und mittig bis seitlich versetztem Führerhaus
- Charakteristische Führerhausform mit umlaufender Verglasung und schrägen Frontscheiben
- Umlaufblech mit Geländer rund um den Aufbau, Aufstiege an den Fahrzeugecken
- Häufig sichtbare Umbauspuren: neue Auspuffanlage, geänderte Lüftergitter, moderne Beleuchtung
- Lackierungen sehr unterschiedlich – jede Privatbahn hat ihr eigenes Farbschema
Aktualisiert: August 2026 – Kaum eine deutsche Diesellokomotive ist so oft umgebaut, umlackiert und weiterverkauft worden wie die LEW V 100 aus Hennigsdorf. Wer sie bestimmen will, muss deshalb lernen, durch Farbe und Anbauten hindurchzusehen. Diese Seite erklärt Herkunft, Nummernsystematik, Umbauten – und die Merkmale, die trotz allem konstant bleiben.
V 100 gesichtet? Nummer und Lackierung notieren.
Bei kaum einer Baureihe wechseln Halter und Farbschema so schnell – eine datierte Sichtung ist Gold wert.
Was ist die LEW V 100?
Die LEW V 100 ist eine vierachsige dieselhydraulische Lokomotive, gebaut vom VEB Lokomotivbau Elektrotechnische Werke in Hennigsdorf für die Deutsche Reichsbahn. Die Achsfolge lautet B’B’ – vier angetriebene Achsen, verteilt auf zwei Drehgestelle.
In der Nummernsystematik der Deutschen Reichsbahn liefen die Maschinen zunächst als V 100 und wurden später als Baureihe 110 geführt; aus Umbauprogrammen gingen weitere Baureihennummern hervor. Nach 1992 ordnete die DB AG die Fahrzeuge in die Baureihen 201 bis 204 ein. Von dort aus verteilten sie sich in großer Zahl auf private Eisenbahnverkehrsunternehmen – und genau das macht sie heute so vielgestaltig.
Ost oder West: zwei völlig verschiedene V 100
Der Name führt regelmäßig in die Irre. Es gab zwei unabhängig entwickelte Fahrzeugfamilien mit derselben Gattungsbezeichnung, und sie haben technisch wenig miteinander zu tun.
| Merkmal | LEW V 100 (Hennigsdorf) | Westdeutsche V 100 |
|---|---|---|
| Auftraggeber | Deutsche Reichsbahn | Deutsche Bundesbahn |
| Herstellerraum | Hennigsdorf | westdeutsche Lokfabriken |
| Achsfolge | B’B’ | B’B’ |
| Aufbauform | lange Haube, umlaufendes Geländer | abweichende Haubenform und Proportionen |
| Spätere Baureihen | 201 bis 204 bei der DB AG | 211, 212 und Nachfolgenummern |
| Heutiges Umfeld | überwiegend Privatbahnen und Bauzugbetriebe | Privatbahnen, Museums- und Vereinsbahnen |
Für die Bestimmung heißt das: Verlass dich nicht auf den Namen, sondern auf die Form. Die Führerhausgestaltung und der Aufbau sind bei beiden Familien deutlich verschieden. Verwandte Fahrzeuge aus dem Rangierbereich sind etwa die Baureihe 298 (V 100) und die Baureihe 294.
Umbauten: warum kaum zwei Maschinen gleich aussehen
Remotorisierung
Neue Motoren bringen veränderte Auspuffführung, andere Lüftergitter und oft zusätzliche Aggregate auf der Haube mit sich. Das ist die auffälligste Umbauspur.
Führerhaus und Beleuchtung
Neue Fensterrahmen, moderne Scheinwerfer und zusätzliche Spiegel oder Kameras gehören zu den häufigsten Modernisierungen.
Betriebliche Ausrüstung
Funkantennen, Zugsicherungstechnik und Rangierausstattung werden je nach Einsatzzweck nachgerüstet – und entscheiden mit darüber, ob ein Fahrzeug als Strecken- oder Rangierlok registriert ist.
Diese letzte Zeile erklärt auch eine Eigenheit, die beim Nummernlesen auffällt: Der Bauartcode am Anfang der zwölfstelligen Fahrzeugnummer hängt am einzelnen Fahrzeug, nicht an der Baureihe. 92 kennzeichnet Diesel-Streckenlokomotiven, 98 Diesel-Rangier- und Kleinlokomotiven. Wie die Nummer insgesamt aufgebaut ist, erklärt der Beitrag zur UIC-Nummer und ihrer Prüfziffer.
Erst die Silhouette, dann die Details
Umbauten verändern Anbauteile, nicht die Grundform. Achte zuerst auf Achsfolge, Haubenlänge und Führerhausposition – diese Merkmale überstehen jede Modernisierung.
Lackierungen ändern sich – dein Archiv nicht
Halt Farbschema, Halter und Datum zusammen fest, dann kannst du den Werdegang einer Maschine später nachvollziehen.
Spotting: wo und worauf du achtest
V-100-Maschinen aus Hennigsdorf sind bei privaten Bahnen, Bau- und Infrastrukturfirmen und im Übergabeverkehr unterwegs. Das bedeutet: unregelmäßige Umläufe, wechselnde Einsatzgebiete und viel Zufall. Wer sie gezielt sucht, orientiert sich an Anschlussbahnen, Baustellenlogistik und regionalen Güterknoten. Einzelne Maschinen sind daneben in Vereinshand erhalten geblieben, etwa beim Eisenbahnmuseum Schwarzenberg im Erzgebirge. Ein ähnliches Umfeld bietet der Förderverein Bahnbetriebswerk Arnstadt historisch, der ein vollständiges Reichsbahn-Bahnbetriebswerk mit seinem Fahrzeugbestand erhält.
Weil die Lackierungen so unterschiedlich sind, lohnt sich hier ein Blick in den Guide zu Werbeloks und Sonderlackierungen – die dort beschriebene Systematik lässt sich eins zu eins auf Privatbahn-Farbschemata anwenden. Die grundsätzliche Vorgehensweise beim Bestimmen steht im Guide Baureihen bestimmen.
Übergabe- und Rangierbereiche sind gefährlich
Wo diese Maschinen arbeiten, wird rangiert: Fahrzeuge werden unangekündigt, ohne Signal und häufig geschoben bewegt, abgestellte Wagen können jederzeit anrollen. Anschluss-, Hafen- und Werkbahnen sind zudem Privatgelände. Beobachte ausschließlich von öffentlichen Wegen, Brücken oder Bahnsteigen aus.
Warum diese Baureihe so viele Halter hat
Nach 1990 wurden große Teile des Reichsbahn-Bestands nicht mehr gebraucht – zugleich entstand ein Markt privater Eisenbahnverkehrsunternehmen, die zuverlässige Dieselloks zu vertretbaren Preisen suchten. Beides traf aufeinander, und die V 100 aus Hennigsdorf war das passende Fahrzeug.
- Robuste Grundkonstruktion. Rahmen, Drehgestelle und Aufbau halten deutlich länger als der ursprüngliche Antriebsstrang.
- Passende Größe. Vier Achsen und eine mittlere Leistungsklasse decken sowohl Übergaben als auch leichte Streckenleistungen ab.
- Gute Ersatzteillage. Weil viele Maschinen im Umlauf sind, existiert ein funktionierender Markt für Teile und Umbauten.
- Hoher Umbaugrad. Werkstätten haben über Jahre Erfahrung mit Modernisierungen gesammelt, was weitere Umbauten wirtschaftlich macht.
Für Spotter bedeutet das: Diese Baureihe ist eine der ergiebigsten überhaupt, wenn man Fahrzeugbiografien verfolgen will. Eine einzelne Maschine kann in ihrem Leben mehrere Halter, mehrere Farbschemata und mehrere technische Zustände durchlaufen haben – und all das lässt sich anhand datierter Sichtungen nachvollziehen.
Immer die vollständige Nummer erfassen
Bei einer Baureihe mit derart vielen Haltern reicht „“ nicht. Erst Fahrzeugnummer plus Halterkürzel plus Datum machen die Sichtung zu einem verwertbaren Datenpunkt.
Häufige Verwechslungen
Es spricht für eine LEW V 100, wenn …
- vier Achsen in zwei Drehgestellen laufen
- die lange Vorbauhaube und das umlaufende Geländer die Silhouette prägen
- die Fahrzeugnummer in den Bereich der Baureihen 201 bis 204 fällt
- die Lok bei einer Privatbahn oder im Bauzugbetrieb steht
Sieh genauer hin, wenn …
- die Maschine stark umgebaut wurde und moderne Anbauteile trägt
- die Lackierung untypisch ist und keine Anschriften erkennbar sind
- du nur die Stirnseite siehst und die Haubenlänge nicht beurteilen kannst
Es ist keine LEW V 100, wenn …
- die Lok drei Achsen in einem starren Rahmen hat, wie viele Werkloks
- die Aufbauform klar der westdeutschen V-100-Familie entspricht
- es sich um eine deutlich kleinere zweiachsige Kleinlok handelt
Zum Größenvergleich lohnt der Blick auf die LKM V 10 C, die trotz ähnlicher Gattungsbezeichnung eine ganz andere Fahrzeugklasse darstellt.
Fazit
Die LEW V 100 ist ein Paradebeispiel dafür, dass Fahrzeuge länger leben als ihre Bezeichnungen. Aus Reichsbahn-Loks wurden DB-Baureihen, daraus Privatbahnmaschinen, daraus remotorisierte Arbeitspferde in immer neuen Farben. Konstant bleiben Achsfolge, Grundform und Fahrzeugnummer – und genau daran bestimmst du sie.
Für Einsteiger ist diese Baureihe deshalb ein gutes Übungsobjekt. Sie ist häufig genug, um ihr regelmäßig zu begegnen, und vielfältig genug, um das Wesentliche zu lernen: Grundform von Anbauteilen zu trennen, Nummern korrekt abzulesen und veränderliche Angaben wie Halter und Lackierung immer mit Datum zu versehen. Wer das an der V 100 geübt hat, tut sich bei jeder anderen Diesellok leichter.
Kurzfazit
Vier Achsen in zwei Drehgestellen, lange Haube, umlaufendes Geländer: Das ist die V 100 aus Hennigsdorf. Ignoriere die Lackierung, prüfe die Fahrzeugnummer und notiere Halter und Datum – beides ändert sich schneller als die Technik.
Zusammenfassung
- Die V 100 aus dem Lokomotivbau Hennigsdorf gehört zu den langlebigsten Diesellokomotiven im deutschen Bahnbetrieb.
- Nach 1990 gingen viele Maschinen an private Eisenbahnverkehrsunternehmen und wurden dort gründlich modernisiert.
- Für die Bestimmung zählen Achsfolge, Aufbauform und Führerhausgestaltung – nicht die aktuelle Lackierung.
- Weil Umbauten so verbreitet sind, ist eine datierte Sichtung mit Fahrzeugnummer besonders wertvoll.
Häufige Fragen
Was ist die LEW V 100?
Es ist eine vierachsige dieselhydraulische Lokomotive, gebaut vom VEB Lokomotivbau Elektrotechnische Werke in Hennigsdorf für die Deutsche Reichsbahn. Die Fahrzeuge liefen dort zunächst als V 100 und wurden später als Baureihe 110 geführt. Nach 1992 ordnete die DB AG sie in die Baureihen 201 bis 204 ein.
Ist die LEW V 100 dasselbe wie die westdeutsche V 100?
Nein. Beide tragen zwar dieselbe Gattungsbezeichnung, stammen aber aus völlig getrennten Entwicklungslinien: die eine aus Hennigsdorf für die Deutsche Reichsbahn, die andere von westdeutschen Herstellern für die Deutsche Bundesbahn. Sie unterscheiden sich in Aufbauform, Führerhausgestaltung und Technik deutlich.
Warum sind so viele dieser Loks umgebaut?
Weil die Grundkonstruktion robust und der Rahmen langlebig ist. Nach 1990 übernahmen viele private Eisenbahnverkehrsunternehmen ausgemusterte Maschinen und ließen sie remotorisieren – also mit neuen, meist emissionsärmeren Motoren und modernisierter Steuerung ausrüsten. Das verlängerte die Einsatzdauer erheblich.
Woran erkenne ich eine remotorisierte Maschine?
An Details, die nicht zum ursprünglichen Baujahr passen: veränderte Auspuffführung auf der Haube, neue oder zusätzliche Lüftergitter, moderne LED-Scheinwerfer, geänderte Führerhausfenster und häufig zusätzliche Schilder des Umbaubetriebs. Das Grundgerüst mit vier Achsen in zwei Drehgestellen bleibt dagegen erkennbar.
Warum trägt eine V 100 mal den Code 98 und mal 92?
Weil der Bauartcode am Anfang der zwölfstelligen Fahrzeugnummer den Einsatzzweck und die Zulassung des einzelnen Fahrzeugs abbildet. 92 steht für Diesel-Streckenlokomotiven, 98 für Diesel-Rangier- und Kleinlokomotiven. Wird eine Maschine überwiegend im Rangier- und Übergabedienst eingesetzt und entsprechend registriert, kann sie unter 98 laufen.
Wo kann man LEW-V-100-Maschinen antreffen?
Vor allem bei privaten Eisenbahnverkehrsunternehmen, Bau- und Infrastrukturfirmen sowie auf Anschluss- und Hafenbahnen. Viele Exemplare sind zudem bei Museums- und Vereinsbahnen erhalten. Halter, Lackierung und Einsatzgebiet ändern sich laufend – prüfe den aktuellen Stand, statt dich auf ältere Listen zu verlassen.
Wie unterscheide ich sie von anderen vierachsigen Dieselloks?
Über die Kombination aus Aufbauform und Führerhaus: lange Vorbauhaube, umlaufendes Geländer, charakteristisch gestaltetes Führerhaus mit umlaufender Verglasung. Die Achsfolge B'B' allein reicht nicht, weil viele Bauarten sie teilen. Im Zweifel entscheidet die Fahrzeugnummer.
Wie dokumentiere ich eine solche Lok sinnvoll?
Mit vollständiger Fahrzeugnummer, Halterkürzel, Datum und Ort sowie einem Seitenfoto. Weil Lackierungen und Halter bei diesen Maschinen besonders häufig wechseln, ist die datierte Sichtung die eigentliche Information – eine Typenangabe ohne Zeitbezug sagt bei dieser Baureihe wenig aus.
Sichtung von LEW V 100 festhalten
Datum, Ort und Fahrzeugnummer in Sekunden erfasst – und sichtbar für die Community.
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