ÖBB Reihe 77

Die Reihe 77 ist eine österreichische Personenzug-Tenderlok mit drei Kuppelachsen zwischen zwei Laufachsen. So erkennst du sie und ordnest sie ein.

Auch bekannt als: Reihe 77 · kkStB-Reihe 629 · 77er

ÖsterreichÖsterreichDampfloks & Sonderantriebe7 Min. LesezeitAktualisiert: August 2026

1'C1'

Achsfolge

3

gekuppelte Treibachsen

629

frühere kkStB-Reihe

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Reihe 77 ist eine Personenzug-Tenderlokomotive mit der Achsfolge 1'C1' – drei Kuppelachsen zwischen zwei Laufachsen.
  • Tenderlok heißt: kein Schlepptender. Wasser und Kohle sind am Fahrzeug selbst untergebracht, was die Maschine kurz und wendig macht.
  • Ihre Wurzeln liegen bei der kkStB, wo sie als Reihe 629 geführt wurde; die ÖBB übernahmen sie später als Reihe 77.
  • Österreich sagt „Reihe“: zweistellige Nummern kennzeichnen Normalspur-Dampfloks, vierstellige moderne Triebfahrzeuge.
  • Regeleinsätze gibt es nicht mehr – erhaltene Maschinen sind Museumsfahrzeuge mit wechselndem Programm.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Was ist die ÖBB Reihe 77?
  2. 2.Warum die Achsfolge so viel verrät
  3. 3.Bestimmen in drei Schritten
  4. 4.Einordnung im österreichischen Reihenschema
  5. 5.Wofür Tenderlokomotiven im Betrieb gebraucht wurden
  6. 6.Beobachten und fotografieren
  7. 7.Häufige Verwechslungen
  8. 8.Fazit

Steckbrief

FahrzeugartPersonenzug-Tenderlokomotive (Dampf)
Achsfolge1'C1' – Laufachse, drei gekuppelte Treibachsen, Laufachse
HerkunftBauart der k.k. österreichischen Staatsbahnen (kkStB), dort als Reihe 629 geführt
Bezeichnung bei den ÖBBReihe 77
BauformTenderlokomotive – Wasser und Kohle am Fahrzeug, kein Schlepptender
UIC-Bauartcode90 (sonstige Traktionsart, hier Dampf), Länderkennung 81 für Österreich
Einsatzart heuteMuseums- und Sonderfahrtbetrieb

Erkennungsmerkmale

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  • Drei gekuppelte Achsen, davor und dahinter je eine Laufachse
  • Keine Schlepptender – Wasserkästen seitlich am Kessel, Kohlenkasten hinter dem Führerhaus
  • Symmetrisch wirkende Silhouette, für Fahrten in beide Richtungen ausgelegt
  • Führerhaus mit Fenstern nach beiden Seiten für Rückwärtsfahrt
  • Reihenbezeichnung 77 am Führerhaus oder an der Rauchkammer
  • Einsatz heute ausschließlich vor Nostalgie- und Sonderzügen

Aktualisiert: August 2026 – Eine kompakte Dampflok ohne Schlepptender, mit Wasserkästen links und rechts am Kessel und je einer Laufachse vorn und hinten: Das ist die Reihe 77, eine der klassischen österreichischen Personenzug-Tenderlokomotiven. Diese Seite erklärt ihre Bauform, ihre doppelte Bezeichnung und wie du sie von anderen Dampflokreihen trennst.

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Was ist die ÖBB Reihe 77?

Die Reihe 77 ist eine Personenzug-Tenderlokomotive mit der Achsfolge 1’C1’: drei gekuppelte Treibachsen, davor und dahinter je eine einzelne Laufachse. Ihre Wurzeln liegen bei den k.k. österreichischen Staatsbahnen, wo die Bauart als Reihe 629 geführt wurde; die ÖBB übernahmen sie später unter der kurzen Nummer 77.

Was diese Maschine ausmacht, ist ihre Bauform. Als Tenderlokomotive führt sie Wasser und Kohle am Fahrzeug selbst mit – in seitlichen Kästen am Kessel und in einem Kasten hinter dem Führerhaus. Ein Schlepptender fehlt. Dadurch ist sie kurz, wendig und kann ohne Drehen in beide Richtungen fahren. Genau das brauchte man auf Nebenstrecken und in Vorortverkehren, wo am Endbahnhof oft weder Drehscheibe noch Zeit zum Umsetzen zur Verfügung stand.

Warum die Achsfolge so viel verrät

Die Achsfolge ist bei Dampflokomotiven die aussagekräftigste Kurzinformation überhaupt. Sie sagt, wofür eine Maschine gebaut wurde, noch bevor man ein einziges technisches Datum kennt.

Bei der Reihe 77 steht das C für drei gekuppelte Treibachsen. Drei Achsen bedeuten eine mittlere Zugkraft – genug für einen Personenzug, zu wenig für schwere Güterzüge. Die Ziffern 1’ vor und hinter dem C nennen je eine Laufachse mit drehbarer Lagerung. Sie tragen keine Antriebskraft, führen die Lok aber im Bogen und ermöglichen ruhigen Lauf in beiden Richtungen.

Vergleicht man das mit einer Güterzugmaschine wie der ÖBB Reihe 52, wird der Unterschied greifbar: Dort liegen fünf Kuppelachsen unter dem Kessel, dafür gibt es nur vorn eine Laufachse und einen angekuppelten Schlepptender. Viel Reibungsmasse, wenig Kurvenkomfort, ausgelegt auf Last statt auf Wendigkeit.

Bestimmen in drei Schritten

Tender suchen – und nicht finden

Hängt hinter der Lok kein separater Tender, sondern schließt das Fahrzeug mit dem Kohlenkasten ab, ist es eine Tenderlokomotive. Damit fallen alle Schlepptendermaschinen sofort weg.

Kuppelachsen zählen

Drei große Räder in einer Reihe unter dem Kessel. Vier oder fünf Kuppelachsen sprechen für andere Reihen, zwei für kleinere Rangier- und Lokalbahnmaschinen.

Enden vergleichen

Je eine Laufachse vorn und hinten ergibt eine symmetrische Silhouette. Fehlt eine der beiden, ist die Achsfolge eine andere – und damit auch die Reihe.

Merkhilfe

Tenderlokomotiven wirken gedrungen und „abgeschlossen“, Schlepptenderloks lang und zweiteilig. Diese Grundunterscheidung trägt schon aus großer Entfernung – alles Weitere klärst du danach.

Die allgemeine Reihenfolge beim Bestimmen von Schienenfahrzeugen erklärt die Anleitung zum Bestimmen von Baureihen.

Einordnung im österreichischen Reihenschema

Bezeichnung Bedeutung Beispiele
Zweistellige Reihe Normalspur-Dampflokomotive Reihe 52, Reihe 77
Dreistellige Reihe Schmalspur-Dampflokomotive Reihe 298, Reihe 399
Reihe 1xxx Elektrolokomotive Reihe 1042, Reihe 1142
Reihe 2xxx Diesellokomotive Reihe 2016, Reihe 2143
Reihe 4xxx Elektrotriebwagen Reihe 4020, Reihe 4024
Reihe 5xxx Dieseltriebwagen Reihe 5022, Reihe 5047

Dazu kommt die europäische Fahrzeugnummer: Bei Dampflokomotiven beginnt sie mit 90 für die Traktionsart und 81 für Österreich. Wer statt Normalspur eine Schmalspurmaschine vor sich hat, landet bei Reihen wie der Reihe 298 (U). Und wenn das Halterkürzel keine Staatsbahn nennt, kann es sich um eine Privatbahnlok handeln – etwa aus dem Bestand der GKB-Reihe 29.

Zwei Bezeichnungen, ein Fahrzeug

Notiere bei historischen Loks immer beide Nummern – so findest du deine Sichtung später in jeder Quelle wieder.

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Wofür Tenderlokomotiven im Betrieb gebraucht wurden

Um zu verstehen, warum es eine Maschine wie die Reihe 77 überhaupt gab, hilft ein Blick auf den Betriebsalltag ihrer Zeit. Personenzüge auf Neben- und Vorortstrecken fuhren kurze Distanzen, hielten häufig und wendeten am Endpunkt. Genau in diesem Muster spielt die Tenderlokomotive ihre Stärken aus.

Eine Schlepptendermaschine muss am Endbahnhof gedreht oder umgesetzt werden, sonst fährt sie den Rückweg mit dem Tender voraus – mit schlechter Sicht und begrenzter Geschwindigkeit. Dafür braucht es eine Drehscheibe, ein Umsetzgleis oder eine Dreiecksverbindung, also Anlagen, die Platz und Geld kosten. Die Tenderlokomotive umgeht das Problem: Sie ist für beide Fahrtrichtungen ausgelegt, das Führerhaus bietet Sicht nach vorn und hinten, und die Achsfolge mit Laufachsen an beiden Enden sorgt für ruhigen Lauf, egal wohin es geht.

Der Preis dafür ist der Vorrat. Wasser und Kohle passen nur in begrenzter Menge auf die Lok selbst, weshalb solche Maschinen für lange Strecken ungeeignet sind. Für einen Umlauf zwischen zwei Endpunkten mit regelmäßigem Wasserfassen reichte es dagegen gut aus.

Für Beobachter hat das eine praktische Folge: Wo heute eine Tenderlok vor einem Nostalgiezug steht, wird an den Endpunkten meist nicht gedreht. Die Lok bleibt am selben Zugende und fährt zurück, wie sie gekommen ist. Wer beide Fahrtrichtungen fotografieren will, bekommt dadurch zwei sehr unterschiedliche Bilder desselben Zuges – einmal mit Rauchkammer voraus, einmal mit dem Kohlenkasten. Erhalten werden österreichische Dampflokomotiven unter anderem im Eisenbahnmuseum Strasshof östlich von Wien. Betriebsfähige Maschinen unterhält daneben die ÖGEG.

Beobachten und fotografieren

Tenderlokomotiven sind fotografisch dankbar, weil sie kompakt sind und in beide Richtungen arbeiten. Ein paar Punkte machen den Unterschied:

  • Seitenlicht suchen. Die Wasserkästen sind große, glatte Flächen. Frontal beleuchtet wirken sie flach, im Streiflicht bekommt die Lok Struktur.
  • Rückwärtsfahrten mitnehmen. Anders als bei Schlepptenderloks ist die Rückwärtsfahrt hier der Normalfall und ein eigenständiges Motiv.
  • Bahnsteigszenen nutzen. Beim Halt lassen sich Details wie Steuerung, Triebwerk und Führerhaus in Ruhe aufnehmen – vom Bahnsteig aus, ohne Betriebsabläufe zu stören.
  • Kalte Tage bevorzugen. Dampf und Abdampf werden bei niedriger Temperatur sichtbar; im Hochsommer verschwinden sie oft, bevor sie ins Bild kommen.

Gleisbereich und Betriebsanlagen sind gesperrt

Gleise, Bahnsteigkanten, Lokschuppen, Drehscheiben und Rangierbereiche sind tabu. Gerade bei Nostalgieveranstaltungen wird gerangiert, umgesetzt und Wasser gefasst – Fahrzeuge bewegen sich dabei ohne Vorankündigung. Fotografiert wird ausschließlich von öffentlich zugänglichen Flächen aus. Welche Regeln vor Ort gelten, entscheidet der Einzelfall.

Die Grundlagen der Aufnahmetechnik stehen im Ratgeber gute Fotos von Zügen; wie du überhaupt an Termine kommst, zeigt der Museumsbahn-Guide.

Häufige Verwechslungen

Es spricht für die Reihe 77, wenn …

  • kein Schlepptender angekuppelt ist
  • drei Kuppelachsen zwischen zwei Laufachsen liegen
  • Wasserkästen seitlich am Kessel sitzen
  • die Nummer 77 oder 629 am Fahrzeug steht

Sieh genauer hin, wenn …

  • mehrere Tenderlokomotiven ähnlicher Größe nebeneinanderstehen
  • die Lok von schräg vorn steht und die hintere Laufachse verdeckt ist
  • nur die alte kkStB-Nummer angeschrieben ist

Es ist keine Reihe 77, wenn …

  • ein separater Schlepptender angekuppelt ist
  • du fünf Kuppelachsen zählst – dann kommst du zur Reihe 52
  • der Zug auf Schmalspur unterwegs ist

Fazit

Die Reihe 77 zeigt exemplarisch, wie viel eine Achsfolge über ein Fahrzeug aussagt. Drei Kuppelachsen zwischen zwei Laufachsen, dazu die Tenderbauform ohne Schlepptender – das ergibt eine Maschine für Personenzüge auf Strecken mit häufigem Richtungswechsel. Wer diese Kombination einmal sauber gelernt hat, ordnet auch andere Dampflokreihen deutlich schneller ein.

Kurzfazit

Personenzug-Tenderlok mit Achsfolge 1'C1', bei der kkStB als Reihe 629 geführt, bei den ÖBB als Reihe 77. Erkennungsweg: kein Schlepptender, drei Kuppelachsen, je eine Laufachse vorn und hinten. Heute reines Museumsfahrzeug.

Dampfsichtungen systematisch sammeln

Reihe, Nummer, Datum und Foto zusammen abgelegt – so wächst aus einzelnen Sonderfahrten eine echte Dokumentation.

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Zusammenfassung

  • Die Reihe 77 war eine typische Maschine für den Personenverkehr auf Nebenstrecken und Vorortverkehren, wo häufiges Wenden zum Alltag gehörte.
  • Erkennbar ist sie an der Tenderbauform und der symmetrischen Achsanordnung mit Laufachsen vorn und hinten.
  • In Listen taucht sie sowohl als ÖBB Reihe 77 als auch unter der älteren kkStB-Bezeichnung 629 auf.
  • Betriebsfähigkeit, Beheimatung und Anstrich erhaltener Loks wechseln; verlässlich sind nur aktuelle Angaben des Betreibers.

Häufige Fragen

Was ist die ÖBB Reihe 77?

Eine Personenzug-Tenderlokomotive mit der Achsfolge 1'C1'. Drei gekuppelte Treibachsen liegen zwischen zwei einzelnen Laufachsen. Ihre Wurzeln hat die Bauart bei den k.k. österreichischen Staatsbahnen, wo sie als Reihe 629 lief. Die ÖBB führten sie später unter der kurzen Reihenbezeichnung 77 weiter.

Was ist eine Tenderlokomotive?

Eine Dampflok, die Wasser und Brennstoff am Fahrzeug selbst mitführt – in seitlichen Kästen am Kessel und in einem Kohlenkasten hinter dem Führerhaus. Ein separater Schlepptender entfällt. Der Vorteil: Die Maschine ist kürzer, wendiger und kann ohne Drehen in beide Richtungen fahren – ideal für Nebenbahnen und Vorortverkehre.

Wofür steht die Achsfolge 1'C1'?

Der Buchstabe C nennt drei gekuppelte Treibachsen. Die Ziffern 1 davor und dahinter stehen für je eine einzelne Laufachse, der Apostroph für die drehbare Lagerung. Diese Anordnung führt die Lok in beiden Fahrtrichtungen sauber im Gleis und ist deshalb bei Tenderloks für Personenzüge weit verbreitet.

Warum hat die Lok zwei Bezeichnungen?

Weil sie zwei Bahnverwaltungen durchlaufen hat. Bei den k.k. österreichischen Staatsbahnen trug sie die Reihennummer 629. Nach Gründung der ÖBB wurde der Bestand neu geordnet, und die Bauart erhielt die Nummer 77. In Literatur und Sichtungslisten begegnen dir bis heute beide Angaben nebeneinander.

Wie unterscheide ich die Reihe 77 von der Reihe 52?

Am Tender und an der Achszahl. Die Reihe 52 ist eine Güterzuglok mit fünf gekuppelten Achsen und einem angekuppelten Schlepptender. Die Reihe 77 hat nur drei Kuppelachsen, dafür Laufachsen vorn und hinten, und trägt ihren Vorrat selbst. Die Silhouetten sind dadurch grundverschieden.

Wo kann ich die Reihe 77 heute sehen?

Im Museums- und Sonderfahrtbetrieb. Einen planmäßigen Einsatz gibt es seit Jahrzehnten nicht mehr. Welche Maschine gerade betriebsfähig ist, wo sie beheimatet ist und wann sie fährt, hängt an Fristen, Vereinen und Saisonprogrammen. Diese Angaben ändern sich laufend und sollten immer beim Betreiber geprüft werden.

Was bedeutet die Bezeichnung „Reihe“ in Österreich?

Sie ist das österreichische Gegenstück zur deutschen Baureihe. Moderne Triebfahrzeuge tragen dabei eine vierstellige Zahl, deren erste Ziffer die Traktionsart nennt – 1 für Elektrolokomotiven, 2 für Diesellokomotiven. Dampflokomotiven behielten kurze Nummern: zweistellig auf Normalspur, dreistellig bei Schmalspurfahrzeugen.

Worauf achte ich beim Fotografieren?

Auf die Seitenansicht, weil dort Achsanordnung und Wasserkästen sichtbar werden – die beiden entscheidenden Merkmale. Da Tenderloks in beide Richtungen fahren, lohnt es sich außerdem, beide Enden aufzunehmen. Und wie immer gilt: Standort auf öffentlich zugänglichen Flächen wählen, Abstand zum Gleis halten.

Sichtung von ÖBB Reihe 77 festhalten

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