Das Wichtigste in Kürze
- Die Baureihe 22 ist eine Rekolok: Sie entstand nicht neu, sondern durch grundlegende Modernisierung von Maschinen der Baureihe 39.
- Ihre Ursprungsbauart ist die Preußische P 10 – eine dreizylindrige Maschine für schwere Personenzüge auf Steigungsstrecken.
- Achsfolge 1'D1' mit vier gekuppelten Treibachsen unterscheidet sie sofort von den 2'C1'-Schnellzugloks.
- Die Baureihenzahl 22 liegt im Bereich 20 bis 39, der Personenzuglokomotiven mit Schlepptender vorbehalten war.
- Ab 1970 wurde umgezeichnet: Im EDV-Schema der Reichsbahn liefen die Maschinen als Baureihe 39.10.
Inhaltsverzeichnis
Steckbrief
| Fahrzeugart | Dampflokomotive mit Schlepptender für schwere Personen- und Schnellzüge |
|---|---|
| Achsfolge | 1'D1' – eine Laufachse vorn, vier Kuppelachsen, eine Laufachse hinten |
| Bauart | Drilling – drei Zylinder, übernommen von der Ursprungsbauart |
| Entstehung | Rekonstruktion von Lokomotiven der Baureihe 39 (Preußische P 10) |
| Ausführendes Werk | Raw Meiningen der Deutschen Reichsbahn |
| Wesentliche Änderung | Neuer, geschweißter Kessel und modernisiertes Führerhaus |
| Höchstgeschwindigkeit | 110 km/h |
| Bezeichnung ab 1970 | Baureihe 39.10 im EDV-Nummernschema der Deutschen Reichsbahn |
| Heutiger Status | Kein Regeleinsatz – erhaltene Maschinen sind Museumsfahrzeuge |
Erkennungsmerkmale
Hast du wirklich diese Baureihe vor dir?
- Vier gekuppelte Treibachsen zwischen je einer Laufachse vorn und hinten – Achsfolge 1'D1'
- Deutlich mehr Treibachsen als bei einer Schnellzuglok, aber größere Räder als bei einer reinen Güterzuglok
- Drei Zylinder: zwei außen, einer innen – erkennbar an der zusätzlichen Steuerung vorn
- Modernisiertes Führerhaus mit großen Fenstern und glatter, geschweißter Kessel
- Anschrift entweder 22 xxx oder – nach 1970 – 39 10xx
- Ausschließlich bei Museumsbetrieben, Sonderfahrten und Ausstellungen zu sehen
Aktualisiert: August 2026 – Vier große Treibräder, davor und dahinter je eine kleine Laufachse, dazu ein auffallend moderner Kessel auf einem sichtbar älteren Fahrwerk: Die Baureihe 22 ist eines der interessantesten Fahrzeuge der deutschen Dampflokgeschichte, weil sie zwei Epochen in einer Maschine vereint. Diese Seite erklärt ihre Herkunft, die Achsfolge-Systematik und wie du sie im Feld einordnest.
Rekolok gesichtet? Nummer notieren.
Bei umgezeichneten Baureihen entscheidet die Anschrift über die Zuordnung – halte sie mit Datum und Ort fest.
Was ist die Baureihe 22?
Die Baureihe 22 ist eine rekonstruierte Dampflokomotive mit Schlepptender und der Achsfolge 1’D1’, entstanden im Raw Meiningen der Deutschen Reichsbahn, das heute als Dampflokwerk Meiningen Dampflokomotiven instand hält. Ausgangspunkt waren Maschinen der Baureihe 39, also der ehemaligen Preußischen P 10 – dreizylindrige Lokomotiven für schwere Personenzüge auf Steigungsstrecken.
Der Umbau ging weit über eine Aufarbeitung hinaus. Kernstück war ein neuer, geschweißter Kessel, dazu kamen ein modernisiertes Führerhaus und überarbeitete Baugruppen. Fahrwerk und Dreizylindertriebwerk stammten dagegen aus der Ursprungsbauart. Zugelassen war die Maschine für 110 km/h. Bei der Nummernumstellung der Reichsbahn 1970 wanderte die Baureihe zurück in die Reihe 39 und lief fortan als 39.10. Heute steht keine dieser Loks mehr im Plandienst.
Die Achsfolge als wichtigstes Erkennungsmerkmal
Bei Dampflokomotiven ist die Achsfolge die entscheidende Information – sie verrät Bauform und Verwendungszweck in einem. Das Prinzip ist einfach: Zahlen zählen Laufachsen, Buchstaben zählen gekuppelte Treibachsen, ein Apostroph markiert Achsen in einem beweglichen Gestell.
| Achsfolge | Treibachsen | Typischer Zweck | Beispiel |
|---|---|---|---|
| 2’C1’ | drei | schnelle Reisezüge | Baureihe 01, Baureihe 03 |
| 1’D1’ | vier | schwere Personen- und Schnellzüge | Baureihe 22, Baureihe 41 |
| 1’E | fünf | Güterzüge | Baureihe 50, Baureihe 52 |
| 1’C1’ | drei | Personenzüge auf Nebenstrecken | Baureihe 23 |
Mehr Treibachsen bedeuten mehr Zugkraft, aber kleinere Räder und damit niedrigere Geschwindigkeit. Die 1’D1’ der Baureihe 22 liegt genau dazwischen: kräftig genug für schwere Züge auf Steigungen, schnell genug für Reisezugdienst. Wie du diese Merkmale in einer festen Reihenfolge abarbeitest, beschreibt die Anleitung zum Bestimmen von Baureihen.
Räder zählen schlägt Details raten
Bei einer unbekannten Dampflok ist die Achsfolge immer der erste Schritt. Sie ist auch aus 200 Metern erkennbar, während Zylinderzahl, Kesselbauart und Anschriften Nähe und gutes Licht brauchen. Zähl zuerst die großen Räder, dann die kleinen davor und dahinter.
Rekoloks: warum es diese Baureihe überhaupt gibt
Die Baureihe 22 ist kein Einzelfall, sondern Teil eines Programms. Die Deutsche Reichsbahn stand nach dem Krieg vor einem doppelten Problem: verschlissene Kessel bei einem großen Bestand sonst brauchbarer Lokomotiven und keine Möglichkeit, in großem Stil neu zu bauen.
Bestand sichten
Vorhanden waren robuste Fahrwerke aus der Länderbahn- und Einheitslokzeit, deren Kessel am Ende ihrer Lebensdauer standen. Das Fahrwerk war der langlebigere, der Kessel der begrenzende Teil.
Neuen Kessel entwickeln
Statt viele verschiedene Ersatzkessel zu bauen, entstanden wenige, moderne geschweißte Bauarten mit Verbrennungskammer, die sich auf mehrere Baureihen anwenden ließen.
Umbau im Raw
Die Reichsbahn-Ausbesserungswerke, allen voran Meiningen, führten die Umbauten durch. Dabei wurden auch Führerhäuser modernisiert und Windleitbleche getauscht.
Neu einordnen
Weil die Fahrzeuge technisch nicht mehr der Ursprungsbauart entsprachen, erhielten sie eine eigene Baureihenzahl – hier die 22 innerhalb des Personenzugbereichs 20 bis 39.
Nach demselben Muster entstanden weitere Rekobaureihen: Die Baureihe 01.5 ist die rekonstruierte Schnellzuglok, die Baureihe 50.35 die rekonstruierte Güterzuglok. Auf westdeutscher Seite ging man einen anderen Weg und baute mit der Baureihe 23 neue Personenzuglokomotiven. Hintergründe und Recherchewege zu solchen historischen Fahrzeugen bündelt der Guide zur historischen Bahn.
Historische Fahrzeuge im Blick
Community-Sichtungen zeigen dir, welche Museumsloks gerade bewegt werden.
Spotting und Dokumentation
Eine Baureihe 22 siehst du heute nur zu Terminen. Der Rechercheweg ist derselbe wie bei allen historischen Dampflokomotiven: zuerst die Betreiberseiten der Museen und Vereine, dann die Veranstaltungskalender der Museumsbahnen, zuletzt die Community-Foren für kurzfristige Änderungen.
Bei dieser Baureihe kommt eine Besonderheit dazu, die das Dokumentieren wichtiger macht als sonst: Dieselbe Maschine kann als 22 oder als 39.10 angeschrieben sein, je nachdem, welche Epoche der Betreiber darstellt. Wer nur „Rekolok gesehen“ notiert, kann die Sichtung später niemandem mehr zuordnen. Sinnvoll sind deshalb:
- die vollständige Anschrift, so wie sie am Fahrzeug steht
- Datum und Ort der Sichtung
- der Anlass, also Sonderfahrt, Museumstag oder Ausstellung
- ein Detailfoto der Nummernanschrift als Beleg
Wie du das strukturiert und auswertbar festhältst, zeigt der Guide zum Sichtungslogbuch.
Hausrecht und Gleisbereiche
Auf Museumsgelände und bei Sonderfahrten legt der Betreiber fest, welche Bereiche zugänglich sind. Absperrungen gelten ohne Ausnahme. Gleise, Lokschuppen, Drehscheiben und Abstellflächen sind tabu, auch wenn dort gerade nichts fährt. Rangierbewegungen mit Dampfloks beginnen langsam, aber ohne Vorwarnung, und die Sicht aus dem Führerhaus ist stark eingeschränkt.
Zwei Nummernsysteme, ein Fahrzeug
Die Baureihe 22 ist ein Musterbeispiel dafür, warum Dampflokbezeichnungen verwirrend wirken können: Dieselbe Maschine trug im Lauf ihres Lebens bis zu drei verschiedene Nummern.
Am Anfang stand die preußische Gattungsbezeichnung P 10, vergeben von der Preußischen Staatsbahn. Der Buchstabe steht für den Verwendungszweck, die Zahl ist eine laufende Kennziffer der Bauart – anders als im bayerischen System sagt sie nichts über die Achsen. Ab 1925 ordnete die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft alle übernommenen Länderbahnloks in ihr eigenes Schema ein; aus der P 10 wurde die Baureihe 39, weil der Bereich 20 bis 39 den Personenzuglokomotiven mit Schlepptender vorbehalten war. Nach der Rekonstruktion vergab die Deutsche Reichsbahn die freie Zahl 22, um die technisch veränderte Bauart kenntlich zu machen. Und 1970, mit der Umstellung auf EDV-taugliche Nummern, landeten die Maschinen wieder in der Reihe 39 – diesmal als 39.10.
Für die Praxis heißt das: Eine Museumslok kann je nach dargestellter Epoche als P 10, als 39, als 22 oder als 39.10 angeschrieben sein. Die Bezeichnung allein sagt deshalb nichts über den technischen Zustand – erst die Kombination aus Achsfolge, Kesselbauart und Anschrift ergibt ein vollständiges Bild.
Häufige Verwechslungen
Es spricht für die Baureihe 22, wenn …
- du vier gekuppelte Treibachsen zwischen zwei Laufachsen zählst
- eine zusätzliche innere Steuerung auf drei Zylinder hinweist
- der Kessel deutlich moderner wirkt als das Fahrwerk
- die Anschrift 22 xxx oder 39 10xx lautet
Sieh genauer hin, wenn …
- die Lok als Baureihe 39 in einem älteren Zustand hergerichtet ist
- du die Zylinderzahl aus deinem Winkel nicht prüfen kannst
- ein fremder Tender angekuppelt ist
Es ist keine Baureihe 22, wenn …
- du nur drei gekuppelte Treibachsen zählst – dann bist du bei einer 2'C1'-Bauart
- fünf Kuppelachsen vorhanden sind – das sind Güterzugbaureihen
- seitlich am Kessel Wasserkästen sitzen – dann ist es eine Tenderlok
Fazit
Die Baureihe 22 ist ein Lehrstück in zwei Kapiteln. Das erste erzählt vom preußischen Lokbau der Länderbahnzeit, das zweite von der Nachkriegswirtschaft der Deutschen Reichsbahn, die aus alten Fahrwerken und neuen Kesseln praktisch neue Lokomotiven machte. Erkennen lässt sich die Maschine über die Achsfolge 1’D1’ und den Kontrast zwischen modernem Kessel und altem Fahrwerk. Und weil sie zweimal umgezeichnet wurde, ist die Anschrift bei jeder Sichtung Pflicht.
Kurzfazit
1'D1', drei Zylinder, neuer Kessel auf altem Fahrwerk – die Baureihe 22 ist die Rekonstruktion der Preußischen P 10. Ab 1970 als 39.10 angeschrieben. Kein Regeleinsatz: Sichtungen laufen über Museen, Vereine und Sonderfahrten.
Zusammenfassung
- Die Baureihe 22 ist das Ergebnis des Rekonstruktionsprogramms der Deutschen Reichsbahn, angewendet auf die Preußische P 10.
- Kern des Umbaus war ein neuer, geschweißter Kessel; Fahrwerk und Dreizylindertriebwerk stammten aus der Ursprungsbauart.
- Mit vier Kuppelachsen und mittelgroßen Treibrädern war sie für schwere Züge auf anspruchsvollen Strecken ausgelegt.
- 1970 wechselte die Bezeichnung zur Baureihe 39.10; heute sind die erhaltenen Maschinen museal.
Häufige Fragen
Was ist die Baureihe 22?
Die Baureihe 22 ist eine rekonstruierte Dampflokomotive der Deutschen Reichsbahn mit Schlepptender und der Achsfolge 1'D1'. Sie entstand durch grundlegende Modernisierung von Maschinen der Baureihe 39, also der ehemaligen Preußischen P 10. Der wichtigste Eingriff war ein neuer, geschweißter Kessel.
Was war die Preußische P 10?
Eine dreizylindrige Dampflokomotive mit vier gekuppelten Treibachsen, gebaut für schwere Personenzüge auf Steigungsstrecken. Der Buchstabe P steht im preußischen Gattungssystem für Personenzug, die Zahl 10 ist eine laufende Kennziffer der Bauart. Bei der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft wurde sie als Baureihe 39 eingereiht.
Warum bekam die Rekolok die Nummer 22?
Weil das Baureihenschema den Bereich 20 bis 39 für Personenzuglokomotiven mit Schlepptender reserviert hatte und die Zahl 22 dort frei war. Der Einsatzzweck blieb derselbe wie bei der Ursprungsbauart, deshalb blieb auch der Nummernbereich derselbe – nur die konkrete Zahl änderte sich, um die neue Bauartvariante zu kennzeichnen.
Was bedeutet die Achsfolge 1'D1'?
Zahlen stehen für Laufachsen, Buchstaben für gekuppelte Treibachsen. 1'D1' heißt: eine Laufachse vorn, vier miteinander gekuppelte Treibachsen, eine Laufachse hinten. Vier Kuppelachsen bedeuten viel Zugkraft, weshalb diese Anordnung für schwere Züge auf Steigungen typisch ist – anders als die 2'C1' der reinen Schnellzugloks.
Was heißt Rekonstruktion bei der Deutschen Reichsbahn?
Ein systematisches Modernisierungsprogramm. Statt neue Lokomotiven zu bauen, erhielten vorhandene Maschinen einen neuen, geschweißten Kessel und überarbeitete Baugruppen. Der Grund war wirtschaftlich: Material und Kapazitäten für Neubauten fehlten, während brauchbare Fahrwerke reichlich vorhanden waren.
Warum heißt die Baureihe ab 1970 dann 39.10?
Weil die Deutsche Reichsbahn 1970 auf ein EDV-taugliches Nummernschema umstellte. Dabei wurden die rekonstruierten Maschinen wieder der Baureihe 39 zugeordnet und als 39.10 geführt. Die Fahrzeuge blieben dieselben – nur die Anschrift wechselte. Museumsloks tragen deshalb je nach dargestellter Epoche unterschiedliche Nummern.
Wie unterscheide ich eine 1'D1' von einer 2'C1'?
Zähl die großen Räder. Bei 2'C1' findest du drei große Treibräder und vorn ein zweiachsiges Drehgestell mit kleinen Rädern. Bei 1'D1' sind es vier große Treibräder und vorn nur eine einzelne kleine Laufachse. Das ist auch aus einiger Entfernung und bei schlechtem Licht zuverlässig zu erkennen.
Fährt noch eine Baureihe 22?
Im Regeldienst nicht. Die planmäßige Dampftraktion ist beendet. Erhaltene Maschinen gehören Museen und Vereinen und werden nur bei Sonderfahrten oder Veranstaltungen bewegt. Betriebsfähigkeit und Standort ändern sich mit Fristen und Aufarbeitungen und müssen vor jeder Planung neu geprüft werden.
Sichtung von Baureihe 22 festhalten
Datum, Ort und Fahrzeugnummer in Sekunden erfasst – und sichtbar für die Community.
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