Das Wichtigste in Kürze
- Die Baureihe 23 ist ein echter Neubau: Sie entstand ab 1950 bei der Deutschen Bundesbahn, nicht als Umbau älterer Maschinen.
- 105 Lokomotiven wurden zwischen 1950 und 1959 gebaut, nummeriert von 23 001 bis 23 105.
- Achsfolge 1'C1' – nur eine Laufachse vorn – unterscheidet sie klar von den 2'C1'-Schnellzugloks.
- Die Baureihenzahl 23 liegt im Bereich 20 bis 39 und weist sie als Personenzuglok mit Schlepptender aus.
- Sie sollte die Preußische P 8 ersetzen – am Ende überlebte die alte Bauart die neue in vielen Diensten.
Inhaltsverzeichnis
Steckbrief
| Fahrzeugart | Personenzug-Dampflokomotive mit Schlepptender |
|---|---|
| Achsfolge | 1'C1' – eine Laufachse vorn, drei Kuppelachsen, eine Laufachse hinten |
| Bauart | Zwillingsmaschine mit zwei außenliegenden Zylindern, Heißdampf |
| Baujahre | 1950 bis 1959 |
| Stückzahl | 105 Lokomotiven |
| Nummernbereich | 23 001 bis 23 105 |
| Höchstgeschwindigkeit | 110 km/h |
| Zweck | Ersatz für die alternde Preußische P 8 im Personenzugdienst |
| Heutiger Status | Kein Regeleinsatz – erhaltene Maschinen sind Museums- und Sonderzugfahrzeuge |
Erkennungsmerkmale
Hast du wirklich diese Baureihe vor dir?
- Achsfolge 1'C1': je eine einzelne Laufachse vorn und hinten, dazwischen drei gekuppelte Treibachsen
- Schlepptender hinter der Lok – keine Wasserkästen seitlich am Kessel
- Nachkriegs-Formensprache: glatter, geschweißter Kessel und modernes Führerhaus mit großen Fenstern
- Kleine Witte-Windleitbleche statt der großen Bleche der Vorkriegsbauarten
- Nur zwei außenliegende Zylinder, keine innere Steuerung
- Anschrift 23 001 bis 23 105
Aktualisiert: August 2026 – Als in Westdeutschland längst über Dieselloks nachgedacht wurde, baute die Deutsche Bundesbahn noch einmal eine komplette Dampflokbaureihe: die Baureihe 23. Sie sollte die tausendfach bewährte Preußische P 8 ablösen und wurde damit zur letzten großen Personenzug-Dampflok des Westens. Diese Seite zeigt dir, woran du sie erkennst, wie sie sich einordnet und wie du heute an eine Sichtung kommst.
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Was ist die Baureihe 23?
Die Baureihe 23 ist eine Personenzug-Dampflokomotive mit Schlepptender und der Achsfolge 1’C1’, gebaut zwischen 1950 und 1959 in 105 Exemplaren mit den Nummern 23 001 bis 23 105. Sie arbeitet mit zwei außenliegenden Zylindern im Heißdampfbetrieb und war für 110 km/h zugelassen.
Ihr Auftrag war klar umrissen: Ersatz für die Preußische P 8, die als Baureihe 38 seit Jahrzehnten den Personenzugdienst trug und langsam an ihre Grenzen kam. Die 23 gehört damit zu den Neubaulokomotiven der Deutschen Bundesbahn – Konstruktionen der Nachkriegszeit mit modernen geschweißten Kesseln, großen Führerhausfenstern und kleinen Windleitblechen. Ironie der Geschichte: Der schnelle Vormarsch von Diesel- und Elektrotraktion verkürzte ihre Einsatzzeit erheblich. Heute steht keine 23 mehr im Plandienst.
Die Achsfolge einordnen
Die 1’C1’ liegt zwischen den beiden bekannteren Bauformen und erklärt genau, wofür die Maschine gedacht war. Wer diese Systematik einmal versteht, ordnet jede Dampflok in Sekunden ein.
| Achsfolge | Kuppelachsen | Ausgelegt für | Beispielbaureihen |
|---|---|---|---|
| 2’C1’ | drei | schnelle Reisezüge auf Hauptstrecken | 01, 03 |
| 1’C1’ | drei | Personenzüge mit vielen Halten | 23, 38 |
| 1’D1’ | vier | schwere Züge auf Steigungsstrecken | 22, 41 |
| 1’E | fünf | Güterzüge | 50, 52 |
| 1’D2’ | vier | Personenzug-Tenderloks | 65 |
Der Unterschied zwischen 2’C1’ und 1’C1’ klingt klein, ist praktisch aber entscheidend: Ein zweiachsiges Laufdrehgestell vorn führt die Maschine bei hoher Geschwindigkeit besser, kostet aber Gewicht und Baulänge. Für Personenzüge mit vielen Halten lohnt sich dieser Aufwand nicht. Wie du solche Merkmale im Feld abarbeitest, beschreibt die Anleitung zum Bestimmen von Baureihen.
Vorlaufachsen zählen, nicht schätzen
Der schnellste Test bei einer Schlepptenderlok: Wie viele kleine Räder sitzen vor der ersten großen Treibachse? Eines bedeutet 1'C1' oder 1'D1', zwei bedeuten 2'C1'. Das erkennst du auch aus Entfernung und bei mäßigem Licht zuverlässig.
Neubaulokomotiven und ihr Umfeld
Die Baureihe 23 steht nicht allein. In beiden deutschen Staaten entstanden nach 1950 neue Dampflokbaureihen, oft für vergleichbare Aufgaben, aber in getrennter Entwicklung.
Westen: Neubau statt Umbau
Die Deutsche Bundesbahn beschaffte neue Lokomotiven mit modernen Kesseln. Die Baureihe 23 ist dafür das bekannteste Beispiel im Personenzugdienst.
Osten: Rekonstruktion und Neubau parallel
Die Deutsche Reichsbahn modernisierte vorhandene Maschinen im großen Stil, baute daneben aber ebenfalls neue Lokomotiven – etwa die Baureihe 23.10, ab 1970 als 35.10 geführt.
Gemeinsames Merkmal
Alle Nachkriegsbauarten teilen dieselbe Formensprache: geschweißter Kessel, großes Führerhaus, kleine Windleitbleche. Diese Merkmale trennen sie zuverlässig von Vorkriegskonstruktionen.
Die ostdeutsche Entsprechung ist die Baureihe 23.10 / 35.10, die Vorgängerin die weit verbreitete Preußische P 8. Aus derselben Neubau-Generation, aber als Tenderlokomotive, stammt die Baureihe 65.10.
Sonderfahrten rechtzeitig mitbekommen
Community-Meldungen zeigen dir, welche historischen Fahrzeuge gerade unterwegs sind.
Spotting: Wie du eine 23 antriffst
Es gibt keinen Fahrplan für Dampflokomotiven, aber einen verlässlichen Rechercheweg – Dachverbände wie der Verband Deutscher Museums- und Touristikbahnen (VDMT) bündeln die Termine ihrer Mitglieder. Erhaltene Maschinen gehören Museumsbetrieben wie dem Süddeutschen Eisenbahnmuseum Heilbronn, Vereinen und Traditionsbetrieben, die ihre Termine selbst veröffentlichen.
- Betreiberseiten zuerst. Dort steht, ob eine Lok betriebsfähig ist oder gerade in der Aufarbeitung. Diese Information ist die Voraussetzung für alles Weitere.
- Veranstaltungskalender danach. Bahnhofsfeste, Jubiläen, Museumstage und Fahrzeugtreffen sind die Anlässe für Dampfeinsätze.
- Community-Foren zuletzt. Kurzfristige Änderungen, Lokwechsel und Ausfälle stehen dort früher als auf offiziellen Kanälen.
- Laufweg prüfen, bevor du fährst. Erst mit Strecke und Zeiten kannst du öffentlich zugängliche Standorte auswählen.
Wie du diese Quellen effizient kombinierst, beschreibt der Guide zum Finden von Sonderzügen und Sonderfahrten.
Absperrungen gelten uneingeschränkt
Bei Sonderfahrten und auf Museumsgelände bestimmt der Betreiber, wo du dich aufhalten darfst. Gleise, Lokschuppen, Drehscheiben und Abstellbereiche sind kein Besuchergelände. Auch entlang der freien Strecke gilt: Betriebsanlagen sind tabu, fotografiert wird von öffentlich zugänglichen Punkten mit ausreichendem Abstand.
Fototipps für Personenzug-Dampfloks
Eine 23 ist kleiner und kompakter als die großen Schnellzugmaschinen – das verändert den Bildaufbau.
- Näher rangehen ist erlaubt, näher stehen nicht. Die kompaktere Maschine füllt das Bild bei gleicher Distanz weniger; das löst du über die Brennweite, nicht über den Standort.
- Das Umfeld erzählt mit. Personenzugloks gehören zu Nebenbahnen, kleinen Bahnhöfen und Landschaften. Ein Bild, das den Zusammenhang zeigt, ist oft stärker als ein reines Fahrzeugporträt.
- Windrichtung prüfen. Dampf legt sich bei ungünstigem Wind über die ganze Maschine. Ein seitlicher Standpunkt hilft.
- Anschrift mit ins Bild. 23 plus Ordnungsnummer ist die Information, die deine Sichtung eindeutig macht.
Die technischen Details – Ausrüstung, Verschlusszeit, Umgang mit der Dampffahne – behandelt der Guide zur Dampfzugfotografie.
Warum die Einsatzzeit so kurz blieb
Die Baureihe 23 ist ein Fahrzeug, das technisch überzeugte und trotzdem früh verschwand. Der Grund liegt nicht an der Konstruktion, sondern am Zeitpunkt.
Als die ersten Maschinen 1950 abgeliefert wurden, war der Personenzugdienst noch fest in Dampfhand. Wenige Jahre später beschleunigte sich die Elektrifizierung der Hauptstrecken, und auf Nebenstrecken übernahmen Dieseltriebwagen und Dieselloks die Leistungen. Eine Dampflokomotive braucht Bekohlung, Wasser, Restaurierungsanlagen, Schlackegruben und Personal für Anheizen und Restarbeiten – all das ist Infrastruktur, die sich nur lohnt, wenn genügend Dampffahrzeuge sie nutzen. Sobald ein Bahnbetriebswerk auf Diesel umstellte, verschwand diese Infrastruktur, und die dort beheimateten Dampfloks verloren ihren Standort.
Diese Kettenreaktion erklärt, warum die Neubaulokomotiven der 1950er-Jahre so wenige Betriebsjahre erreichten. Für Spotter hat das eine indirekte Folge: Weil viele dieser Maschinen vergleichsweise wenig gelaufen sind, blieben mehrere in gutem Zustand erhalten – die 23 076 etwa bei der Stoom Stichting Nederland. Ausgerechnet die kurze Einsatzzeit hat also dazu beigetragen, dass es heute überhaupt noch Fahrzeuge dieser Generation zu sehen gibt.
Häufige Verwechslungen
Es spricht für die Baureihe 23, wenn …
- du eine Laufachse vorn, drei Treibachsen und eine Laufachse hinten zählst
- ein Schlepptender hinter der Lok läuft
- Kessel und Führerhaus deutlich nach Nachkriegsbauart aussehen
- die Anschrift zwischen 23 001 und 23 105 liegt
Sieh genauer hin, wenn …
- eine ähnlich proportionierte 1'C1'-Lok in älterer Bauform davorsteht – das kann eine Baureihe 38 sein
- die Nummer eine Nachkommastelle andeutet
- du das Fahrwerk aus deinem Winkel nicht vollständig sehen kannst
Es ist keine Baureihe 23, wenn …
- vorn zwei Laufachsen in einem Drehgestell sitzen – dann ist es eine 2'C1'-Schnellzuglok
- du vier oder fünf gekuppelte Treibachsen zählst
- seitlich am Kessel Wasserkästen sitzen – dann ist es eine Tenderlok
Fazit
Die Baureihe 23 ist der Schlusspunkt einer Entwicklung: die letzte große westdeutsche Personenzug-Dampflok, gebaut in einer Zeit, in der ihr Ende technisch schon absehbar war. Erkennen lässt sie sich schnell – eine Vorlaufachse, drei Treibachsen, Nachkriegsformen – und einordnen noch schneller, weil die Baureihenzahl 23 den Personenzugdienst direkt verrät. Zu sehen gibt es sie heute nur bei Museumsbetrieben und Sonderfahrten.
Kurzfazit
1'C1', Schlepptender, zwei Zylinder, 110 km/h, 105 Maschinen zwischen 1950 und 1959: Das ist die Baureihe 23. Kein Regeleinsatz mehr – Termine laufen über Vereine, Museumsbetriebe und Veranstaltungskalender.
Zusammenfassung
- Die Baureihe 23 war die letzte große Personenzug-Dampflokbaureihe, die in Westdeutschland neu gebaut wurde.
- Sie folgt der Achsfolge 1'C1' mit zwei außenliegenden Zylindern und erreichte 110 km/h.
- Von den Schnellzugbauarten unterscheidet sie die einzelne vordere Laufachse, von den Güterzugbauarten die geringere Zahl an Kuppelachsen.
- Ihre Bauzeit fiel bereits in die Phase der Umstellung auf Diesel- und Elektrotraktion, weshalb ihre Einsatzzeit kurz blieb.
Häufige Fragen
Was ist die Baureihe 23?
Die Baureihe 23 ist eine Personenzug-Dampflokomotive mit Schlepptender und der Achsfolge 1'C1'. Zwischen 1950 und 1959 entstanden 105 Maschinen mit den Nummern 23 001 bis 23 105. Sie war für 110 km/h zugelassen und sollte im Personenzugdienst die alternde Preußische P 8 ablösen.
Was bedeutet die Achsfolge 1'C1'?
Zahlen stehen für Laufachsen, Buchstaben für gekuppelte Treibachsen. 1'C1' heißt: eine Laufachse vorn, drei gekuppelte Treibachsen, eine Laufachse hinten. Gegenüber der 2'C1' der Schnellzugloks fehlt vorn eine Achse – die Maschine ist leichter und für etwas niedrigere Geschwindigkeiten ausgelegt.
Was sagt die Baureihenzahl 23 aus?
Der Bereich 20 bis 39 war im Baureihenschema den Personenzuglokomotiven mit Schlepptender vorbehalten. Eine 23 ist also allein an der Nummer als Personenzuglok erkennbar. Schnellzugloks liegen bei 01 bis 19, Güterzugloks bei 40 bis 59, Tenderlokomotiven ab 60.
Was ist der Unterschied zwischen Baureihe 23 und Preußischer P 8?
Die P 8 stammt aus der Länderbahnzeit vor dem Ersten Weltkrieg und wurde bei der Reichsbahn als Baureihe 38 geführt. Die Baureihe 23 ist ein Neubau der 1950er-Jahre für dieselbe Aufgabe: moderner Kessel, modernes Führerhaus, sachlichere Formensprache. Beide haben die Achsfolge 1'C1' – erkennbar wird der Unterschied an der Bauform und an der Anschrift.
Warum baute man in den 1950ern noch neue Dampfloks?
Weil der Bestand überaltert war und die Umstellung auf Diesel und Elektro erst begann. Neue Dampflokomotiven schienen zunächst der schnellere Weg. Die Entwicklung überholte diese Rechnung allerdings innerhalb weniger Jahre – deshalb blieb die tatsächliche Einsatzzeit der Neubaulokomotiven deutlich kürzer als geplant.
Was ist die Baureihe 23.10?
Das ist die ostdeutsche Entsprechung: eine Neubau-Personenzuglokomotive der Deutschen Reichsbahn mit ähnlicher Aufgabe, aber eigener Konstruktion. Bei der Nummernumstellung 1970 wurde daraus die Baureihe 35.10. Gleiche Idee, getrennte Entwicklung – ein Muster, das sich in der geteilten deutschen Bahngeschichte oft wiederholt.
Fährt noch eine Baureihe 23?
Nicht im Regeldienst. Die planmäßige Dampftraktion ist in Deutschland beendet. Erhaltene Maschinen gehören Museen und Vereinen und laufen ausschließlich vor Sonderzügen oder stehen ausgestellt. Welche Lok betriebsfähig ist, ändert sich mit Hauptuntersuchungen und Aufarbeitungen – prüfe den aktuellen Stand vor jeder Planung.
Wie finde ich Termine für Dampfsonderfahrten?
Über drei Quellen in dieser Reihenfolge: die Seiten der Museumsbetriebe und Vereine, die die Fahrzeuge unterhalten; die Veranstaltungskalender von Museumsbahnen und Bahnhofsfesten; und Community-Foren, in denen kurzfristige Änderungen zuerst gemeldet werden. Einen allgemeinen Fahrplan für historische Fahrzeuge gibt es nicht.
Sichtung von Baureihe 23 festhalten
Datum, Ort und Fahrzeugnummer in Sekunden erfasst – und sichtbar für die Community.
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Die Baureihe 23.10 war die letzte Personenzug-Neubaulok der Deutschen Reichsbahn. 113 Maschinen, ab 1970 als Baureihe 35.10 geführt – heute nur noch museal unterwegs.
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