Das Wichtigste in Kürze
- Die 998 ist der Steuerwagen: Führerstand ja, Antrieb nein – das Fahrzeug führt den Zug, treibt ihn aber nicht an.
- Schnellster Erkennungsweg: Front wie ein Triebwagen, aber kein Motorgeräusch und keine Auspuffanlage.
- Betrieblicher Sinn: Am Endbahnhof muss nichts umgesetzt werden – der Zug fährt einfach in die andere Richtung.
- VT/VS/VB-Systematik: VT ist der Triebwagen, VS der Steuerwagen, VB der Beiwagen ohne Führerstand.
- Heute historisch: Steuerwagen dieser Familie laufen nur noch in erhaltenen Museumsgarnituren.
Inhaltsverzeichnis
Steckbrief
| Fahrzeugart | Zweiachsiger Steuerwagen der Uerdinger Schienenbusfamilie |
|---|---|
| Ursprungsbezeichnung | VS 98 – Verbrennungs-Steuerwagen der Deutschen Bundesbahn |
| Ausstattung | Führerstand vorhanden, kein eigener Antrieb |
| Nummernweg | VS 98 → Baureihe 998 mit der EDV-Umstellung 1968 |
| Betriebliche Funktion | Ermöglicht das Führen des Zuges vom triebwagenfernen Ende |
| Heutiger Status | Kein planmäßiger Einsatz; erhaltene Fahrzeuge bei Museums- und Traditionsbahnen |
Erkennungsmerkmale
Hast du wirklich diese Baureihe vor dir?
- Führerstand mit Frontfenstern, aber kein Motorgeräusch und keine Auspuffanlage
- Zwei Achsen ohne Drehgestelle, Wagenkastenform wie beim Triebwagen der Familie
- Häufig am triebwagenfernen Ende einer Schienenbus-Garnitur eingereiht
- Beim Anfahren bleibt das Fahrzeug akustisch still – der Antrieb kommt von weiter hinten
- Fahrzeugnummer beginnt mit 998; historische Anschriften zeigen VS 98
- Dachfläche ohne die Kühl- und Auspuffeinrichtungen des Triebwagens
Aktualisiert: August 2026 – Ein Fahrzeug mit Führerstand, das aussieht wie ein Schienenbus, beim Anfahren aber vollkommen still bleibt: Das ist die Baureihe 998, der Steuerwagen der Uerdinger Schienenbusfamilie. Diese Seite erklärt, wofür ein Steuerwagen überhaupt gut ist, wie du ihn zuverlässig vom Triebwagen unterscheidest und was das für die Dokumentation historischer Garnituren bedeutet.
Steuerwagen mit eigener Nummer erfassen
In einer Schienenbus-Garnitur zählt jedes Fahrzeug einzeln – halte auch Steuer- und Beiwagen fest.
Was ist die Baureihe 998?
Die Baureihe 998 ist der Steuerwagen der Uerdinger Schienenbusfamilie, bei der Deutschen Bundesbahn ursprünglich als VS 98 geführt. Er besitzt einen vollwertigen Führerstand, aber keinen eigenen Antrieb. Der Zug wird von hier aus gefahren, die Kraft liefert der Triebwagen weiter hinten im Verband.
Mit der Umstellung auf EDV-Nummern 1968 wurde aus dem VS 98 die Baureihe 998. Innerhalb dieses Nummernbereichs existieren Untergruppen; welche Variante konkret vor dir steht, verrät die vollständige Fahrzeugnummer und – bei Museumsfahrzeugen – die Fahrzeugdokumentation des betreuenden Vereins.
Wofür ein Steuerwagen auf der Nebenbahn gut war
Der betriebliche Nutzen ist schnell erklärt und war für die Wirtschaftlichkeit entscheidend.
An einem Endbahnhof einer Nebenstrecke gab es häufig kein Umfahrgleis und schon gar kein Personal für aufwendige Rangierbewegungen. Ohne Steuerwagen hätte der Zug entweder umgesetzt werden müssen, oder der Triebwagen hätte den Anhang schieben müssen, ohne dass jemand vorn sitzt – beides unpraktikabel.
Mit einem Steuerwagen dagegen wechselt der Triebfahrzeugführer schlicht das Ende. Er nimmt im Führerstand des Steuerwagens Platz, und der Zug fährt in die Gegenrichtung. Keine Rangierbewegung, kein zusätzliches Gleis, minimale Wendezeit. Genau dieses Konzept unterscheidet die 98er-Generation von der älteren Baureihe 795, zu deren Familie nur ein Beiwagen ohne Führerstand gehörte.
Die VT/VS/VB-Systematik im Überblick
Die alten Gattungskürzel beschreiben nicht die Bauart, sondern die Rolle im Zug – und genau danach richten sich die Nummernblöcke.
| Kürzel | Bedeutung | Antrieb | Führerstand | Baureihe nach 1968 |
|---|---|---|---|---|
| VT | Verbrennungstriebwagen | ja | ja | 796 / 798 |
| VS | Steuerwagen | nein | ja | 998 |
| VB | Beiwagen | nein | nein | 996 |
Damit ist auch klar, warum drei fast baugleich aussehende Fahrzeuge drei verschiedene Baureihennummern tragen: Entscheidend ist nicht das Aussehen, sondern die Ausstattung. Wer die Unterschiede zwischen den Triebwagen selbst verstehen will, findet sie auf den Seiten zur Baureihe 796 und zur Baureihe 798.
Über der deutschen Systematik liegt heute die zwölfstellige UIC-Nummer. Ihre ersten beiden Ziffern geben die Bauart an – 95 für Dieseltriebwagen. Wie sich die Nummer zusammensetzt, erklärt der Guide zur UIC-Nummer.
So erkennst du den Steuerwagen im Feld
Führerstand prüfen
Frontfenster und Führerstandseinrichtung sind vorhanden. Damit scheidet der Beiwagen bereits aus.
Auf Antriebsspuren achten
Keine Auspuffanlage, keine Kühlluftöffnungen, keine Motorgeräusche. Das ist der Unterschied zum Triebwagen mit identischer Front.
Beim Anfahren hinhören
Setzt sich der Zug in Bewegung, ohne dass unter diesem Fahrzeug ein Motor hochdreht, sitzt der Antrieb woanders.
Nummer lesen
Die Fahrzeugnummer beginnt mit 998. Historische Anschriften zeigen bei Museumsfahrzeugen oft zusätzlich VS 98.
Eine allgemeine Reihenfolge zum Bestimmen unbekannter Fahrzeuge liefert die Anleitung zum Bestimmen von Baureihen.
Einordnung im Bahnbetrieb heute
Fahrzeuge dieser Familie sind vollständig aus dem planmäßigen Verkehr verschwunden. Wer sie sehen will, sucht nicht im Fahrplan, sondern in Veranstaltungskalendern. Solche Termine führen etwa zum Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein, das in einem erhaltenen Bahnbetriebswerk mit Drehscheibe und Lokschuppen sitzt. In der Rhön betreibt das Fränkische Freilandmuseum Fladungen mit dem Rhön-Zügle eine eigene regelspurige Museumsbahn durchs Streutal.
Das Konzept selbst ist dagegen quicklebendig. Der Wendezugbetrieb – ein Zug, der ohne Umsetzen in beide Richtungen fahren kann – ist im heutigen Nahverkehr die Regel und nicht die Ausnahme. Moderne Triebzüge lösen ihn intern, weil sie an beiden Enden einen Führerstand haben; lokbespannte Nahverkehrszüge lösen ihn über Steuerwagen, die genau dieselbe Funktion erfüllen wie der VS 98, nur in ganz anderer Größe. Der Steuerwagen der Schienenbusfamilie ist damit historisch ein früher Vertreter einer Idee, die den Nahverkehr bis heute prägt.
| Merkmal | Triebwagen 796 / 798 | Steuerwagen 998 | Beiwagen 996 |
|---|---|---|---|
| Eigener Antrieb | ja | nein | nein |
| Führerstand | ja | ja | nein |
| Kann Zug führen | ja | ja | nein |
| Läuft allein | ja | nein | nein |
Zusammenstellung und Betriebsfähigkeit sind veränderlich
Ob ein Steuerwagen an einem Fahrtag mitläuft, hängt an Fristen, Zustand und erwartetem Andrang. Ältere Angaben zu Garnituren und Standorten sind deshalb unzuverlässig – frag direkt beim Verein oder verlass dich auf tagesaktuelle Sichtungen.
Aktuelle Meldungen statt alter Listen
Community-Sichtungen zeigen, welche Fahrzeuge tatsächlich unterwegs sind – inklusive Zugzusammenstellung.
Spotting- und Fototipps
Der Steuerwagen ist fotografisch die undankbarste Rolle in der Garnitur: Er sieht aus wie der Triebwagen, wird aber seltener bewusst abgelichtet. Genau deshalb lohnt es sich, ihn gezielt mitzunehmen.
Beide Zugenden fotografieren
Ein Bild von jedem Ende der Garnitur beantwortet später die Frage, ob am triebwagenfernen Ende ein Steuerwagen oder ein Beiwagen lief. Aus einer einzigen Aufnahme geht das fast nie hervor.
Praktisch bewährt: Zuerst die Gesamtaufnahme der Formation von der Seite, dann die Dreiviertelansichten beider Enden, zuletzt für jedes Fahrzeug ein Detailbild der Seitenwand mit Nummernfeld. Wer Termine und Recherchewege für solche Fahrten sucht, findet sie im Museumsbahn-Guide.
Zur Sicherheit: Auf Museums- und Vereinsgelände gilt das Hausrecht des Betreibers. Ausgewiesene Wege einhalten, Absperrungen respektieren, Gleisbereiche meiden. Auf solchen Anlagen wird rangiert, oft ohne die Sicherungstechnik großer Bahnhöfe – ein Gleis, das leer aussieht, ist deshalb kein Standpunkt.
Häufige Verwechslungen
Es spricht für die 998, wenn …
- das Fahrzeug einen Führerstand hat, aber keinen hörbaren Motor
- Auspuffanlage und Kühlluftöffnungen fehlen
- es am triebwagenfernen Ende der Garnitur läuft
- die Fahrzeugnummer mit 998 beginnt
Sieh genauer hin, wenn …
- der Zug steht und du das Anfahrgeräusch nicht hören kannst
- du nur eine Frontaufnahme hast
- historische Anschriften und aktuelle Nummer voneinander abweichen
Es ist keine 998, wenn …
- unter dem Fahrzeug ein Motor arbeitet – dann ist es ein Triebwagen
- die Stirnwand keinen Führerstand hat – dann ist es ein Beiwagen der Baureihe 996
- das Fahrzeug auf Drehgestellen läuft
Der direkte Gegenpart innerhalb der Familie ist der antriebslose Beiwagen der Baureihe 996 – gleiche Bauform, aber ohne Führerstand.
Fazit
Die Baureihe 998 ist das Fahrzeug, das die Schienenbus-Garnitur erst zu einem praktikablen Nebenbahnzug macht. Ohne Antrieb, aber mit Führerstand erlaubt sie das Wenden ohne jede Rangierbewegung – auf Strecken, auf denen jede Minute Wendezeit Geld kostete. Für die Bestimmung im Feld ist sie die anspruchsvollste Rolle der Familie, weil sie von vorn genauso aussieht wie der Triebwagen. Wer auf Auspuff, Kühlöffnungen und Geräusch achtet, liegt trotzdem in Sekunden richtig.
Kurzfazit
Führerstand ja, Motor nein: Das ist der Steuerwagen der Baureihe 998. Er läuft nur im Verband und nur noch im musealen Betrieb – und gehört mit eigener Nummer in jede vollständige Dokumentation einer Schienenbus-Garnitur.
Zusammenfassung
- Der Steuerwagen ist das Bauteil, das aus einem Triebwagen mit Anhang einen vollwertigen Wendezug macht.
- Verwechslungsgefahr besteht vor allem mit dem Triebwagen – von vorn sehen beide fast gleich aus.
- Auspuffanlage, Kühlöffnungen und Motorgeräusch sind die entscheidenden Unterscheidungsmerkmale.
- Wer historische Garnituren dokumentiert, erfasst Steuerwagen und Beiwagen mit eigenen Nummern.
Häufige Fragen
Was ist die Baureihe 998?
Die Baureihe 998 ist der Steuerwagen der Uerdinger Schienenbusfamilie, ursprünglich als VS 98 bezeichnet. Er besitzt einen Führerstand, aber keinen eigenen Antrieb. Von ihm aus lässt sich der Zug führen, während die Kraft vom Triebwagen im Verband kommt. Mit der EDV-Umstellung 1968 wurde aus dem VS 98 die Baureihe 998.
Wie unterscheide ich Steuerwagen und Triebwagen?
Von vorn sind beide kaum zu trennen, weil der Steuerwagen dieselbe Front mit Führerstandsfenstern hat. Entscheidend sind Auspuffanlage, Kühlluftöffnungen und Geräusch: Der Triebwagen brummt beim Anfahren, der Steuerwagen bleibt still. Endgültig entscheidet die Fahrzeugnummer an der Seitenwand.
Was ist der Unterschied zum Beiwagen?
Beide haben keinen Antrieb. Der Beiwagen der Baureihe 996 hat aber auch keinen Führerstand und kann den Zug deshalb nicht führen. Ein Zug mit Steuerwagen ist wendefähig, ein Zug mit reinem Beiwagen nicht – deshalb sind es zwei getrennte Baureihen.
Warum brauchte man auf Nebenstrecken einen Steuerwagen?
Weil Umsetzen Zeit und Personal kostet. An einem Endbahnhof ohne Umfahrgleis war ein Wendezug die einzige praktikable Lösung für kurze Wendezeiten. Der Triebfahrzeugführer wechselt in den Führerstand des Steuerwagens, und der Zug fährt zurück – ohne jede Rangierbewegung.
Hatte die erste Schienenbusgeneration auch Steuerwagen?
Nein. Zur 95er-Familie gehörte ein Beiwagen, aber kein Steuerwagen. Erst die spätere 98er-Generation erhielt mit dem VS 98 ein Fahrzeug mit Führerstand ohne Antrieb. Das ist einer der aussagekräftigsten Unterschiede zwischen den beiden Schienenbusgenerationen.
Läuft die Baureihe 998 noch?
Nur bei Museums- und Traditionsbahnen. Im Regelverkehr sind Fahrzeuge der Schienenbusfamilie nicht mehr unterwegs. Ob ein bestimmter Steuerwagen betriebsfähig ist und an einem Fahrtag mitläuft, entscheidet der betreuende Verein – das gehört vor der Anreise geprüft.
Was bedeutet der Bauartcode 95 bei einem Steuerwagen?
Der Code besteht aus den ersten beiden Ziffern der zwölfstelligen UIC-Fahrzeugnummer und steht für Dieseltriebwagen. In dieser Datenbank ist der Steuerwagen deshalb bei der Triebwagenfamilie einsortiert, zu der er betrieblich gehört. Die exakte Nummer eines konkreten Fahrzeugs liest du immer am Fahrzeug selbst ab.
Wie fotografiere ich eine Schienenbus-Garnitur sinnvoll?
Plane zwei Bilder: eine Dreiviertelansicht des führenden Fahrzeugs und eine seitliche Gesamtaufnahme, auf der die komplette Formation zu sehen ist. Nur Letztere zeigt später, welche Fahrzeuge in welcher Reihenfolge gelaufen sind. Ergänze für jedes Fahrzeug eine Aufnahme der Seitenwand mit Nummernfeld.
Sichtung von Baureihe 998 festhalten
Datum, Ort und Fahrzeugnummer in Sekunden erfasst – und sichtbar für die Community.
Verwandte Baureihen
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Wer dahintersteckt
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