Das Wichtigste in Kürze
- Der ER 20 ist eine moderne Streckendiesellok mit dieselelektrischem Drehstromantrieb und vier angetriebenen Achsen.
- Der Name ist lesbar: ER steht für Eurorunner, die 20 für die Leistungsklasse von rund 2.000 kW.
- 140 km/h Höchstgeschwindigkeit machen ihn auch für Reisezugleistungen brauchbar – eine Seltenheit unter modernen Dieselloks.
- Zwei Bezeichnungen, eine Bauart: In Deutschland Baureihe 223, in Österreich Reihe 2016 mit dem Beinamen Herkules.
- Halter und Lackierung wechseln mit Verkehrsverträgen und Mietverhältnissen.
Inhaltsverzeichnis
Steckbrief
| Fahrzeugart | Vierachsige dieselelektrische Lokomotive für Güter- und Reisezüge |
|---|---|
| Hersteller | Siemens, gebaut im Lokomotivwerk München-Allach |
| Baubeginn | Ab Anfang der 2000er Jahre |
| Achsfolge | Bo'Bo' (vier Achsen in zwei Drehgestellen, alle angetrieben) |
| Kraftübertragung | Dieselelektrisch mit Drehstromantriebstechnik |
| Leistung | Rund 2.000 kW – daher die 20 im Typnamen |
| Höchstgeschwindigkeit | 140 km/h |
| Baureihengruppe in Deutschland | Als Baureihe 223 geführt |
| Bezeichnung in Österreich | Als ÖBB-Reihe 2016 mit dem Beinamen Herkules |
Erkennungsmerkmale
Hast du wirklich diese Baureihe vor dir?
- Vier Achsen in zwei Drehgestellen, moderner Kastenaufbau mit Führerständen an beiden Enden
- Silhouette ähnelt einer Ellok – kein Führerhaus zwischen Vorbauten
- Deutlich sichtbarer Kühl- und Lüfterbereich im Dachbereich über dem Maschinenraum
- Fahrzeugnummer beginnt in Deutschland mit 223, in Österreich mit 2016
- Gleichmäßig hochlaufender Motor ohne Getriebeschaltungen – typisch dieselelektrisch
- Auch vor Reisezügen anzutreffen, anders als die meisten modernen Privatbahn-Diesel
Aktualisiert: August 2026 – Eine moderne Lok, die auf den ersten Blick wie eine Ellok aussieht – aber keinen Stromabnehmer hat und im Stand hörbar Diesel läuft: Das ist der Siemens ER 20, besser bekannt als Eurorunner. Diese Seite zeigt, woran du ihn erkennst, was der Typname bedeutet und warum er unter den modernen Dieselloks eine Sonderrolle spielt.
Eurorunner gesichtet? Nummer und Halter notieren.
Verkehrsverträge und Lackierungen wechseln – eine datierte Sichtung ist später mehr wert als jede Liste.
Was ist der Siemens ER 20?
Der ER 20 ist eine vierachsige dieselelektrische Streckenlokomotive von Siemens, gebaut im Lokomotivwerk München-Allach. Ein Dieselmotor treibt einen Generator, dieser speist die Fahrmotoren in den beiden Drehgestellen. Die Leistung liegt bei rund 2.000 kW, die Höchstgeschwindigkeit bei 140 km/h.
Diese Kombination ist der Grund für seine Sonderrolle: Die meisten modernen Dieselloks privater Betreiber sind auf Güterverkehr und Rangierdienst zugeschnitten und entsprechend langsamer ausgelegt. Der Eurorunner ist dagegen schnell genug, um auch Reisezugleistungen auf nicht elektrifizierten Strecken zu übernehmen. In Deutschland läuft die Bauart als Baureihe 223, in Österreich als ÖBB-Reihe 2016 mit dem gebräuchlichen Beinamen Herkules.
Was der Name Eurorunner verrät
ER – die Produktfamilie
Das Kürzel steht für Eurorunner, die Diesellok-Plattform von Siemens. Herstellerplattformen tragen bewusst sprechende Namen, weil sie international vermarktet werden und nicht an ein nationales Nummernsystem gebunden sind.
20 – die Leistungsklasse
Die Zahl verweist auf die Größenordnung von rund 2.000 kW. Diese Systematik zieht sich durch mehrere Siemens-Plattformen und macht Typnamen untereinander vergleichbar.
Zusätze – die Achsanordnung
Varianten der Plattform mit sechs Achsen tragen einen Zusatz im Typnamen. Im deutschen Betrieb ist die vierachsige Grundvariante die maßgebliche.
Die grundsätzliche Vorgehensweise beim Einordnen unbekannter Fahrzeuge – Form, Achszahl, Antriebsart, Nummer – steht in der Anleitung zum Bestimmen von Baureihen. Wo du die Fahrzeug- und Zugnummer im Betrieb findest, zeigt der Guide zum Herausfinden der Zugnummer.
Erst aufs Dach schauen
Weil die Silhouette einer Ellok ähnelt, ist das Dach der schnellste Filter: Kühler- und Lüfterflächen statt Stromabnehmer und Isolatoren bedeuten Diesel. Danach lohnt der Blick auf die Nummer.
Plattformbauweise: was das für Spotter bedeutet
Der ER 20 ist keine Baureihe im klassischen Sinn, sondern eine Plattform. Der Unterschied ist mehr als Wortklauberei. Eine Baureihe entsteht aus einer Bestellung einer Bahn und ist auf deren Netz zugeschnitten. Eine Plattform entsteht aus einer Produktentscheidung des Herstellers: Ein Grundfahrzeug wird entwickelt und anschließend für verschiedene Länder, Zulassungen und Kunden angepasst.
Daraus folgen drei Dinge, die dir im Feld begegnen:
- Dieselbe Lok trägt verschiedene Nummern. In Deutschland läuft sie als Baureihe 223, in Österreich als Reihe 2016. Das ist keine Verwechslung, sondern eine Folge unterschiedlicher nationaler Register.
- Ausrüstungen unterscheiden sich. Zugsicherung, Funk und Zulassungen richten sich nach dem Einsatzland. Zwei äußerlich gleiche Maschinen können deshalb völlig verschiedene Einsatzgebiete haben.
- Der Typname überlebt den Halter. Verkehrsverträge laufen aus, Loks wechseln den Betreiber, Lackierungen werden erneuert. Die Plattformbezeichnung bleibt.
Für die Dokumentation heißt das: Notiere Typ und Nummer, und behandle Halter, Lackierung und Einsatzgebiet als datierte Momentaufnahme. Wer nur den Typ festhält, verliert später die Möglichkeit, eine bestimmte Maschine über die Jahre zu verfolgen – und genau das macht das Sammeln bei Plattformfahrzeugen interessant.
Einordnung im Bahnbetrieb
Der Eurorunner deckt ein Feld ab, das sonst zwischen den Stühlen liegt: schnelle Leistungen ohne Fahrdraht, die sowohl im Güter- als auch im Reisezugverkehr anfallen. Im deutschen Reisezugverkehr ist die Bauart vor allem von alex (Arriva-Länderbahn-Express) her bekannt. Hinter dieser Marke steht der Konzern Netinera.
| Einsatzfeld | Trefferchance | Warum |
|---|---|---|
| Regionalverkehr auf Dieselstrecken | mittel bis hoch | Abhängig vom Verkehrsvertrag des jeweiligen Betreibers |
| Grenzüberschreitende Verkehre | mittel | Die Plattform wurde für mehrere Länder ausgerüstet |
| Güterzüge privater Bahnen | mittel | Die Leistungsklasse passt für mittelschwere Züge |
| Bauzug- und Sonderleistungen | niedrig bis mittel | Kommt vor, ist aber nicht das Kerngeschäft |
| Rangier- und Übergabedienst | niedrig | Dafür sind Mittelführerstandsloks besser geeignet |
Einsatzgebiete ändern sich mit Vergaben
Welche Linien mit welchen Fahrzeugen bedient werden, entscheidet sich in Verkehrsverträgen und kann sich zum Fahrplanwechsel vollständig ändern. Auch Halter, Lackierung und Stationierung wechseln entsprechend. Prüfe den aktuellen Stand über eigene Beobachtung und aktuelle Sichtungsmeldungen.
Im Vergleichsfeld moderner Streckendiesel stehen der Vossloh Eurolight als direkte Konkurrenzplattform, die sechsachsige Voith Maxima 30CC für schwerere Aufgaben und der Blue Tiger DE-AC33C als früherer dieselelektrischer Ansatz. Die klassische Vorgängerrolle im schnellen Dieselverkehr hatte über Jahrzehnte die Baureihe 218.
Wo fährt der Eurorunner gerade?
Live-Sichtungen aus der Community zeigen dir aktuelle Meldungen, bevor du eine Fototour planst.
Spotting- und Fototipps
Der ER 20 ist fotografisch dankbar, weil er vor Reisezügen an regulären Bahnsteigen hält – anders als die meisten Güterzugdiesel, die man nur in der Durchfahrt erwischt.
- Bahnsteigenden nutzen. Wo der Zug hält, hast du Zeit für eine saubere Dreiviertelansicht und ein zweites Bild vom Anschriftenfeld.
- Nicht elektrifizierte Strecken bevorzugen. Ohne Oberleitung bleibt das Dach frei – und gerade dort sitzen die Merkmale, die den Diesel verraten.
- Auf das Klangbild achten. Der gleichmäßig hochlaufende Motor bestätigt die dieselelektrische Bauart, noch bevor du die Nummer lesen kannst.
- Abstand halten. Bahnsteigkanten, Gleise und Betriebsanlagen sind kein Fotostandpunkt. Bleib hinter der Sicherheitslinie und arbeite mit Brennweite statt mit Nähe.
Ein Detail, das viele übersehen: Weil der ER 20 wie eine Ellok gebaut ist, funktioniert bei ihm auch die klassische Ellok-Bildsprache. Frontal wirkende Aufnahmen mit leichtem Seitenanteil, wie man sie von Reisezugloks kennt, passen hier besser als die Rangierlok-Perspektive mit Blick auf Vorbauten und Umlauf. Wer regelmäßig Güterzugdiesel fotografiert, sollte seine gewohnte Bildidee für diese Baureihe bewusst umstellen.
Welche Bahnhöfe sich für die Beobachtung besonders eignen, zeigt die Übersicht der besten Bahnhöfe zum Trainspotten in Deutschland. Bildaufbau, Belichtung und Mitzieher behandelt der Guide gute Fotos von Zügen.
Häufige Verwechslungen
Es spricht für einen ER 20, wenn …
- die Lok wie eine Ellok aussieht, aber keinen Stromabnehmer hat
- du vier Achsen in zwei Drehgestellen zählst
- die Nummer mit 223 oder – in Österreich – mit 2016 beginnt
- sie einen Reisezug auf einer Dieselstrecke zieht
Sieh genauer hin, wenn …
- du zwischen den modernen Diesel-Plattformen mehrerer Hersteller schwankst
- die Lok in einer unbekannten Halterlackierung unterwegs ist
- du sie nur frontal siehst – die Dachpartie ist das entscheidende Merkmal
Es ist kein ER 20, wenn …
- ein Führerhaus zwischen zwei Vorbauten sitzt
- du sechs Achsen zählst
- ein Stromabnehmer auf dem Dach steht
Fazit
Der Eurorunner ist die moderne Antwort auf eine alte Frage: Wie fährt man schnell und flexibel dort, wo kein Fahrdraht hängt? Vier Achsen, dieselelektrischer Drehstromantrieb, 140 km/h und eine Silhouette, die bewusst nach Ellok aussieht – das ergibt eine Lok, die sowohl vor Güterzügen als auch vor Reisezügen funktioniert. Für die Bestimmung reicht der Blick aufs Dach und auf die Nummer.
Kurzfazit
Ellok-Silhouette ohne Stromabnehmer, vier Achsen, Kühlerflächen auf dem Dach: das ist der Siemens ER 20. In Deutschland Baureihe 223, in Österreich Reihe 2016 – dieselbe Plattform, andere Anschrift.
Zusammenfassung
- Der Eurorunner verbindet moderne Drehstromantriebstechnik mit einem Dieselmotor und deckt damit Güter- und Reisezugleistungen auf nicht elektrifizierten Strecken ab.
- Anders als klassische Rangier- und Übergabeloks hat er Führerstände an beiden Enden und wirkt wie eine Ellok ohne Stromabnehmer.
- In Deutschland läuft die Bauart als Baureihe 223, in Österreich als Reihe 2016.
- Weil Verkehrsverträge und Halter wechseln, ändern sich Einsatzgebiete und Lackierungen regelmäßig.
Häufige Fragen
Was ist der Siemens ER 20?
Eine vierachsige dieselelektrische Streckenlokomotive von Siemens, gebaut im Werk München-Allach. Der Dieselmotor speist über einen Generator die Fahrmotoren in den Drehgestellen. Mit rund 2.000 kW Leistung und 140 km/h Höchstgeschwindigkeit ist sie sowohl für Güter- als auch für Reisezüge ausgelegt.
Wofür steht die Bezeichnung ER 20?
ER ist die Abkürzung der Produktbezeichnung Eurorunner, die 20 verweist auf die Leistungsklasse von etwa 2.000 kW. Damit folgt Siemens der gleichen Logik wie bei anderen Plattformnamen: Ein Kürzel für die Produktfamilie, eine Zahl für die Größenordnung.
Welche Baureihennummer trägt der ER 20?
In Deutschland läuft die Bauart als Baureihe 223. In Österreich beschaffte sie die ÖBB als Reihe 2016, dort ist der Beiname Herkules gebräuchlich. Es handelt sich um dieselbe Plattform mit länderspezifischen Ausrüstungsunterschieden.
Zieht der ER 20 auch Reisezüge?
Ja, und das unterscheidet ihn von den meisten modernen Privatbahn-Dieselloks. Mit 140 km/h Höchstgeschwindigkeit und entsprechender Ausrüstung eignet er sich für Regional- und Fernverkehrsleistungen auf nicht elektrifizierten Strecken. Welche Leistungen das konkret sind, hängt an Verkehrsverträgen und ändert sich mit Vergaben und Fahrplanjahren.
Wie unterscheide ich den ER 20 von einer Ellok?
Am fehlenden Stromabnehmer und am Dachbereich: Statt Isolatoren und Trennschaltern siehst du große Kühler- und Lüfterflächen. Außerdem hörst du den Dieselmotor bereits im Stand. Die Silhouette selbst ähnelt tatsächlich einer Ellok, weil die Lok Führerstände an beiden Enden und einen durchgehenden Kastenaufbau hat.
Wo trifft man den Eurorunner an?
Auf nicht elektrifizierten Haupt- und Nebenstrecken, im Güterverkehr privater Bahnen und vor Regionalzügen einzelner Betreiber. Grenzüberschreitende Verkehre nach Österreich und Tschechien sind ein klassisches Revier. Konkrete Umläufe wechseln mit Vergaben – prüfe den aktuellen Stand statt dich auf ältere Listen zu verlassen.
Warum dieselelektrisch statt dieselhydraulisch?
Weil sich Zugkraft und Schleuderschutz elektrisch feiner regeln lassen und der Antriebsstrang mechanisch einfacher aufgebaut ist. Bei hohen Leistungen und wechselnden Anforderungen zwischen Güterzug und schnellem Reisezug ist das ein Vorteil. Erkennbar ist es am gleichmäßig hochlaufenden Motor ohne hörbare Schaltvorgänge.
Sichtung von Siemens ER 20 festhalten
Datum, Ort und Fahrzeugnummer in Sekunden erfasst – und sichtbar für die Community.
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Wer dahintersteckt
Konzerne, Marken, Hersteller und Betriebe – wer wem gehört und woran du sie im Feld erkennst.
alex (Arriva-Länderbahn-Express)
Der alex sieht aus wie ein Fernverkehrszug: Lokomotive, Reisezugwagen, Fahrten bis nach Prag. Tatsächlich ist er bestellter Nahverkehr. Und der Firmenname im Markennamen gehört längst nicht mehr zum Eigentümer – ein Fossil aus einer früheren Konzernstruktur.
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