Baureihe 201 (V100)

Die Baureihe 201 ist die Grundausführung der ostdeutschen V 100, ab 1992 neu nummeriert. So erkennst du sie und trennst sie von den verwandten Umbauvarianten.

Auch bekannt als: BR 201 · DR-Baureihe 110 · V 100 Ost

DeutschlandDeutschlandDiesellokomotiven7 Min. LesezeitAktualisiert: August 2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Die 201 ist eine V 100 der Ost-Bauart: vierachsig, hydraulisch, mit Führerstand zwischen zwei ungleich langen Vorbauten.
  • Die Nummer stammt aus der Umzeichnung ab 1992, als die Fahrzeuge der Deutschen Reichsbahn in das dreistellige Schema überführt wurden.
  • Grundausführung ohne elektrische Zugheizung – daraus folgt der Schwerpunkt im Güter-, Rangier- und Bauzugdienst.
  • Verwechslungsgefahr besteht vor allem mit den Schwesterbaureihen 202, 203 und 204 sowie mit der V 100 der westdeutschen Bauart.
  • Bestände und Halter ändern sich: viele Maschinen wurden verkauft, umgebaut oder abgestellt – prüfe immer den aktuellen Stand.
Inhaltsverzeichnis
  1. 1.Was ist die Baureihe 201 (V100)?
  2. 2.Die Ost-V-100 sicher erkennen
  3. 3.Von der V 100 zur 201: die Nummernsystematik
  4. 4.Spotting: eine Lok ohne Fahrplan
  5. 5.Häufige Verwechslungen
  6. 6.Fazit

Steckbrief

FahrzeugartVierachsige Streckendiesellokomotive für leichten Zug- und Rangierdienst
HerkunftV 100 der Deutschen Reichsbahn, gebaut in Hennigsdorf
BauformFührerstand zwischen langem und kurzem Vorbau
AchsfolgeB'B' (zwei zweiachsige Drehgestelle, alle Achsen angetrieben)
Kraftübertragunghydraulisch
Höchstgeschwindigkeit100 km/h
Nummernsystematikab 1992 aus der DR-Baureihe 110 hervorgegangen

Erkennungsmerkmale

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  • Vier Achsen in zwei zweiachsigen Drehgestellen, keine Stangen- oder Dreiachsbauart
  • Ein langer und ein kurzer Vorbau, dazwischen der Führerstand – kein durchgehender Lokkasten
  • Kantige, hoch wirkende Aufbauten mit großen, rechteckigen Führerstandsfenstern
  • Kein Stromabnehmer, dafür Auspuff und Kühleranlage im langen Vorbau
  • Fahrzeugnummer beginnt mit 201
  • Häufig vor kurzen Güterzügen, Übergaben oder Bauzügen statt vor langen Ganzzügen

Aktualisiert: August 2026 – Vier Achsen, kein Stromabnehmer, ein langer und ein kurzer Vorbau mit dem Führerstand dazwischen: Das ist die Silhouette der V 100 – und wenn die Nummer mit 201 beginnt, hast du die Grundausführung der ostdeutschen Bauart vor dir. Diese Seite zeigt dir, woran du sie erkennst, warum sie ausgerechnet diese Nummer trägt und wo du sie realistisch antriffst.

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Was ist die Baureihe 201 (V100)?

Die Baureihe 201 ist eine vierachsige Streckendiesellokomotive mit hydraulischer Kraftübertragung, die aus der V 100 der Deutschen Reichsbahn hervorgegangen ist. Gebaut wurde diese Fahrzeugfamilie in Hennigsdorf, dem späteren Werk von Bombardier Transportation; sie war über Jahrzehnte das Standardfahrzeug für den leichten Zug-, Rangier- und Bauzugdienst im ostdeutschen Netz. Ihre Höchstgeschwindigkeit liegt bei 100 km/h.

Entscheidend für das Verständnis: Die 201 ist die Grundausführung ohne elektrische Zugheizung. Daraus folgt fast alles Weitere. Ohne Heizung ist der planmäßige Reisezugdienst im Winter praktisch ausgeschlossen, also verschiebt sich das Einsatzprofil in Richtung Güterzüge, Übergabefahrten, Rangieraufgaben und Bauzüge. Die Schwesterbaureihe Baureihe 202 besitzt dagegen eine elektrische Zugheizung – und ist deshalb betrieblich anders eingeordnet, obwohl sie äußerlich kaum zu unterscheiden ist.

Die Ost-V-100 sicher erkennen

Bei dieser Fahrzeugfamilie führt der Weg über die Bauform, nicht über Details. Arbeite von grob nach fein.

Aufbauform bestimmen

Ein langer Vorbau, ein kurzer Vorbau, dazwischen der Führerstand. Kein durchgehender Lokkasten wie bei den Baureihen der V-160-Familie, keine Mittelführerstandslok mit zwei gleich langen Vorbauten.

Achsen zählen

Vier Achsen in zwei zweiachsigen Drehgestellen. Sechsachsige Dieselloks und dreiachsige Rangiermaschinen scheiden damit sofort aus.

Dach und Vorbau prüfen

Kein Stromabnehmer, dafür Auspuff und Kühleranlage im langen Vorbau. Das ist der schnellste Test für „Diesel oder Elektro".

Ost oder West entscheiden

Die Ost-Bauart wirkt kantiger und höher, mit großen rechteckigen Führerstandsfenstern. Die westdeutsche Bauart ist gerundeter. Endgültig entscheidet die Nummer.

Diese Reihenfolge – Bauform, Achszahl, Antriebsart, Nummer – lässt sich auf praktisch jedes Schienenfahrzeug übertragen. Ausführlich steht sie in der Anleitung zum Bestimmen von Baureihen.

Von der V 100 zur 201: die Nummernsystematik

Diesellokomotiven trugen in Deutschland ursprünglich V-Bezeichnungen: V für Verbrennungsmotor, dahinter eine Zahl, die grob für die Leistung in Hundert PS stand. Aus der V 60 wurde später die Baureihe 260, aus der V 200 die Baureihe 220, aus der V 100 im Westen die Baureihen 211 und 212.

Die Deutsche Reichsbahn ging einen eigenen Weg: Sie führte ihre V 100 ab 1970 als Baureihe 110. Das funktionierte, solange beide deutschen Bahnen getrennt nummerierten – im Westen war die 110 nämlich längst an eine Elektrolokomotive vergeben. Mit der Zusammenführung ab 1992 musste dieser Konflikt aufgelöst werden. Die Lösung folgte der bestehenden Systematik: 1xx bleibt Elektrolokomotiven vorbehalten, 2xx den Diesellokomotiven. Die ostdeutschen V 100 wanderten damit in den Zweihunderterbereich.

Bezeichnung Bedeutung Zeitliche Einordnung
V 100 ursprüngliche Gattungsbezeichnung, V für Verbrennungsmotor bis Ende der 1960er Jahre
DR-Baureihe 110 ostdeutsche Nummer im dreistelligen Schema der Reichsbahn ab 1970
Baureihe 201 Grundausführung ohne elektrische Zugheizung im gesamtdeutschen Schema ab 1992
Baureihe 203 remotorisierte Weiterentwicklung derselben Grundbauart spätere Umbauten

Merkregel

Beginnt die Nummer einer V 100 mit 20x, ist es die Ost-Bauart. Beginnt sie mit 21x, ist es die West-Bauart. Das ist die zuverlässigste Trennlinie, wenn die Formunterschiede im Gegenlicht oder aus der Ferne nicht sicher zu erkennen sind.

Wie die vollständige zwölfstellige Fahrzeugnummer mit Länder- und Halterkennung aufgebaut ist, erklärt der Beitrag zur UIC-Nummer und ihrer Prüfziffer – gerade bei Altbaufahrzeugen in Privathand ist die Halterkennung oft die interessantere Information.

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Spotting: eine Lok ohne Fahrplan

Der große Unterschied zum Personenverkehr: Für Bauzüge, Übergaben und Werkverkehre gibt es keinen öffentlichen Takt, an dem du dich orientieren könntest. Wer eine 201 gezielt sucht, arbeitet deshalb mit anderen Werkzeugen.

  • Orte statt Zeiten wählen. Anschlussstellen, kleinere Güterbahnhöfe und Bereiche mit laufenden Bauarbeiten sind ergiebiger als große Personenbahnhöfe.
  • Auf Meldungen reagieren. Wenn eine Maschine gemeldet wird, lohnt der kurzfristige Aufbruch mehr als die langfristige Planung.
  • Abgestellte Fahrzeuge mitdenken. Ein erheblicher Teil dieser Baureihe steht abgestellt oder in Reserve. Der Überblick zu abgestellten Loks und ihren Listen zeigt, wie man solche Standorte recherchiert – fotografiert wird trotzdem ausschließlich von öffentlich zugänglichen Standorten.

Dazu kommt ein Punkt, der bei Altbaufahrzeugen oft unterschätzt wird: Die Zeit arbeitet gegen dich. Bei einer aktuellen Baureihe kannst du eine Sichtung im nächsten Jahr nachholen. Bei einer Baureihe, deren Bestand seit Jahren schrumpft, ist jede versäumte Gelegenheit möglicherweise endgültig. Das gilt besonders für Fahrzeuge in Ursprungsausführung, die weder remotorisiert noch umgezeichnet wurden – genau die verschwinden zuerst.

Praktisch bedeutet das eine andere Gewichtung: Wenn eine Meldung kommt und du kannst, fahr hin. Und dokumentiere vor Ort mehr, als du im Moment für nötig hältst – Gesamtansicht, Nummernfeld, Seitenwand mit Beschriftung, gern auch den Zug dahinter. Was du nicht aufnimmst, lässt sich später nicht ergänzen, und gerade bei diesen Fahrzeugen ist der eigene Bestand an Bildern oft die einzige Quelle, die noch nachvollziehbar ist.

Betriebsgelände bleibt tabu

Gleisanlagen, Rangierbereiche, Betriebshöfe und Abstellgruppen sind Betriebsgelände und für Unbeteiligte nicht zugänglich. Das gilt auch dann, wenn dort ein besonders interessantes Fahrzeug steht. Bahnsteige, öffentliche Wege und Brücken bieten genug gute Perspektiven.

Häufige Verwechslungen

Es spricht für die 201, wenn …

  • du vier Achsen und zwei ungleich lange Vorbauten siehst
  • die Aufbauten kantig und hoch wirken
  • kein Stromabnehmer vorhanden ist
  • die Fahrzeugnummer mit 201 beginnt

Sieh genauer hin, wenn …

  • du die Nummer nicht lesen kannst – die Schwesterbaureihen sind praktisch formgleich
  • die Lok in einer Privatbahnlackierung unterwegs ist
  • Vorbau oder Auspuffbereich verändert wirken – das deutet auf eine Remotorisierung hin

Es ist keine 201, wenn …

  • die Nummer mit 202, 203, 204 oder 21x beginnt
  • die Lok einen durchgehenden Kasten mit zwei Endführerständen hat
  • du sechs Achsen zählst

Die nächste Stufe derselben Entwicklungslinie ist die Baureihe 203: remotorisierte Fahrzeuge, die heute überwiegend bei privaten Bahnunternehmen laufen. Wer die Ursprungsbauart im Zusammenhang sehen will, findet sie unter dem Sammelbegriff LEW V 100.

Fazit

Die Baureihe 201 ist kein spektakuläres Fahrzeug, aber ein lehrreiches: An ihr lässt sich die gesamte Logik der deutschen Dieselloknummern durchspielen – von der V-Bezeichnung über die getrennten Schemata beider Bahnen bis zur Vereinheitlichung ab 1992. Im Feld reichen Bauform und Nummer zur sicheren Bestimmung. Schwieriger ist die Frage, wo man ihr überhaupt begegnet – und die beantwortet keine Liste, sondern nur der aktuelle Stand.

Kurzfazit

Vier Achsen, langer und kurzer Vorbau, kein Stromabnehmer, Nummer beginnt mit 201: Das ist die Grundausführung der Ost-V-100. Ohne Zugheizung gebaut, im leichten Güter-, Rangier- und Bauzugdienst zu Hause – und mit stark schwankendem Bestand.

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Zusammenfassung

  • Die Baureihe 201 markiert den Ausgangspunkt einer ganzen Fahrzeugfamilie: Aus derselben Grundkonstruktion gingen später mehrere Umbau- und Remotorisierungsbaureihen hervor.
  • Für die Bestimmung im Feld zählen drei Dinge: Achszahl, Bauform mit zwei ungleich langen Vorbauten und die Fahrzeugnummer.
  • Einsatzschwerpunkte lagen im leichten Zug-, Rangier- und Bauzugdienst – nicht im schweren Streckengüterverkehr.
  • Wer diese Fahrzeuge dokumentieren will, sollte zügig sein: Der Bestand ist stark in Bewegung, und viele Maschinen wechseln Halter oder Bezeichnung.

Häufige Fragen

Was ist die Baureihe 201?

Die Baureihe 201 ist eine vierachsige Diesellokomotive mit hydraulischer Kraftübertragung, die aus der V 100 der Deutschen Reichsbahn hervorgegangen ist. Charakteristisch ist die Bauform mit einem langen und einem kurzen Vorbau, zwischen denen der Führerstand sitzt. Die Nummer 201 stammt aus der Umzeichnung nach 1992.

Wie hängt die Baureihe 201 mit der DR-Baureihe 110 zusammen?

Die Deutsche Reichsbahn führte ihre V 100 ab 1970 als Baureihe 110. Nach der Zusammenführung der beiden deutschen Bahnen mussten die Nummernkreise vereinheitlicht werden, weil die 110 im Westen bereits für eine Elektrolokomotive vergeben war. Die ostdeutschen Dieselloks wanderten deshalb in den Zweihunderterbereich.

Wie unterscheide ich die Baureihe 201 von der 202?

Optisch kaum – beide gehören zur selben Grundbauart. Der Unterschied liegt in der Ausrüstung: Die 202 verfügt über eine elektrische Zugheizung und war damit für Reisezugleistungen geeignet, die 201 nicht. Im Feld entscheidet deshalb die Fahrzeugnummer.

Ist die Baureihe 201 eine Rangier- oder eine Streckenlok?

Sie ist konstruktiv eine Streckenlokomotive für leichte Aufgaben, wird aber in der Praxis oft auch im Rangier-, Übergabe- und Bauzugdienst eingesetzt. Diese Doppelrolle ist typisch für die ganze V-100-Familie: stark genug für die Strecke, wendig genug für den Bahnhof.

Woran erkenne ich die Ost-Bauart der V 100?

An der insgesamt kantigeren, höher wirkenden Erscheinung mit großen rechteckigen Führerstandsfenstern. Die westdeutsche V 100 wirkt gerundeter und niedriger. Die sicherste Unterscheidung bleibt aber die Fahrzeugnummer: Der Zweihunderterbereich 201 bis 204 gehört zur Ost-Bauart, 211 bis 214 zur West-Bauart.

Wie schnell fährt die Baureihe 201?

Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 100 km/h. Das ist für eine Streckendiesellok dieser Generation ein typischer Wert und passt zum Einsatzprofil auf Nebenbahnen, im Güterverkehr und im Bauzugdienst.

Gibt es die Baureihe 201 heute noch?

Der Bestand ist stark geschrumpft. Viele Maschinen wurden verkauft, remotorisiert und dabei in andere Baureihen umgezeichnet oder ausgemustert. Ob und wo einzelne Fahrzeuge noch betriebsfähig sind, ändert sich laufend – verlässlich ist nur die aktuelle Recherche, nicht eine ältere Liste.

Wo habe ich die besten Chancen auf eine Sichtung?

Dort, wo Bauzüge, Übergabefahrten und Werkverkehre unterwegs sind: an kleineren Bahnhöfen, Anschlussstellen und Güterbereichen abseits der großen Fernverkehrsknoten. Feste Umläufe gibt es für solche Fahrzeuge selten, weshalb Live-Sichtungen aus der Community der beste Anhaltspunkt sind.

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