Das Wichtigste in Kürze
- Die 202 ist die beheizungsfähige Variante der Ost-V-100 – der entscheidende Unterschied zur eng verwandten Baureihe 201.
- Bauform statt Detail: vier Achsen, langer und kurzer Vorbau, kein Stromabnehmer – das führt dich in wenigen Sekunden zur Familie.
- Die Nummer stammt aus der Umzeichnung ab 1992, als ostdeutsche Dieselloks in den Zweihunderterbereich überführt wurden.
- Einsatzprofil ist breit: leichte Reisezüge, Übergaben, Rangierdienst und Bauzüge – ein klassisches Mehrzweckfahrzeug.
- Halter und Bestand sind veränderlich – viele Maschinen wurden verkauft, umgebaut oder abgestellt.
Inhaltsverzeichnis
Steckbrief
| Fahrzeugart | Vierachsige Streckendiesellokomotive für leichten Reise- und Güterzugdienst |
|---|---|
| Herkunft | V 100 der Deutschen Reichsbahn, gebaut in Hennigsdorf |
| Bauform | Führerstand zwischen langem und kurzem Vorbau |
| Achsfolge | B'B' (zwei zweiachsige Drehgestelle, alle Achsen angetrieben) |
| Kraftübertragung | hydraulisch |
| Höchstgeschwindigkeit | 100 km/h |
| Besonderheit | mit elektrischer Zugheizung ausgerüstet |
| Nummernsystematik | ab 1992 aus dem Bestand der DR-V-100 hervorgegangen |
Erkennungsmerkmale
Hast du wirklich diese Baureihe vor dir?
- Vier Achsen in zwei zweiachsigen Drehgestellen
- Langer und kurzer Vorbau mit dazwischen liegendem Führerstand
- Kantige Aufbauten, große rechteckige Führerstandsfenster – typische Ost-Bauart
- Kein Stromabnehmer; Auspuff und Kühleranlage sitzen im langen Vorbau
- Fahrzeugnummer beginnt mit 202
- Kann Reisezugwagen beheizen und ist deshalb auch vor Personenzügen denkbar
Aktualisiert: August 2026 – Eine gedrungene Diesellok mit langem und kurzem Vorbau, dazwischen der Führerstand, vier Achsen unter dem Rahmen: Das ist eine V 100 – und wenn die Nummer mit 202 beginnt, steht die beheizungsfähige Ausführung der ostdeutschen Bauart vor dir. Diese Seite erklärt, woran du sie erkennst, warum die Zugheizung den entscheidenden Unterschied macht und wo du sie realistisch findest.
202 gesichtet? Nummer sichern.
Die Schwesterbaureihen sind formgleich – nur die Nummer macht deine Sichtung eindeutig. Mit Traintrack in Sekunden erfasst.
Was ist die Baureihe 202 (V100)?
Die Baureihe 202 ist eine vierachsige Streckendiesellokomotive mit hydraulischer Kraftübertragung aus der V-100-Familie der Deutschen Reichsbahn, gebaut im Lokomotivbau Hennigsdorf, der später zu Bombardier Transportation gehörte. Sie ist auf 100 km/h ausgelegt, trägt die Achsfolge B’B’ und ist als klassische Vorbaulok gebaut: langer Vorbau mit Motor und Kühlanlage, kurzer Vorbau mit Nebenaggregaten, Führerstand dazwischen.
Der Unterschied zur eng verwandten Baureihe 201 liegt nicht in der Form, sondern in der Ausrüstung: Die 202 besitzt eine elektrische Zugheizung. Das klingt nach einem Detail, entscheidet aber über das gesamte Einsatzprofil. Nur eine Lok, die Reisezugwagen beheizen kann, ist im Winter vor Personenzügen einsetzbar. Ohne Heizung bleibt der Güter-, Rangier- und Bauzugdienst.
Erkennen: von der Silhouette zur Nummer
Diese Fahrzeugfamilie bestimmt man in vier Schritten – und die ersten drei funktionieren auch aus großer Entfernung.
Vorbaulok oder Kastenlok?
Zwei ungleich lange Vorbauten mit dazwischen liegendem Führerstand bedeuten Vorbaulok. Ein durchgehender Kasten mit zwei Endführerständen führt dich zu ganz anderen Baureihen.
Achsen zählen
Vier Achsen in zwei Drehgestellen. Dreiachsige Rangierloks mit Stangenantrieb und sechsachsige Streckenmaschinen fallen damit weg.
Antrieb bestätigen
Kein Stromabnehmer auf dem Dach, dafür Auspuff und Kühlergrill am langen Vorbau: eindeutig Dieselantrieb.
Nummer lesen
Erst jetzt entscheidet sich, welche der formgleichen Schwesterbaureihen vor dir steht. 202 heißt: Ost-Bauart mit elektrischer Zugheizung.
Wer die Grundlogik dahinter systematisch lernen will, findet sie in der Anleitung zum Bestimmen von Baureihen. Für den größeren Zusammenhang deutscher Altbau-Dieselloks lohnt außerdem der Überblick zum Erkennen der Altbau-Dieselloks von 218 bis 232.
Die V-Bezeichnungen und was aus ihnen wurde
Diesellokomotiven trugen in Deutschland ursprünglich V-Nummern: V wie Verbrennungsmotor, dahinter eine Zahl, die grob der Leistung in Hundert PS entsprach. V 60 war die kleine Rangierlok, V 100 die mittlere Streckenlok, V 200 die große Streckenmaschine für schnelle Züge.
Mit dem Übergang zu dreistelligen, computerlesbaren Baureihennummern verschwanden die V-Bezeichnungen aus den amtlichen Verzeichnissen – im Sprachgebrauch halten sie sich bis heute. Die Zuordnung folgt einer klaren Regel: Die erste Ziffer nennt die Antriebsart. 1xx steht für Elektrolokomotiven, 2xx für Diesellokomotiven.
| Fahrzeugfamilie | Frühere Bezeichnung | Heutige Baureihen |
|---|---|---|
| V 100 der Ost-Bauart | V 100, später DR-Baureihe 110 | 201, 202 sowie remotorisierte Nachfolgebaureihen |
| V 100 der West-Bauart | V 100.10 und V 100.20 | 211, 212 und daraus abgeleitete Umbauten |
| V 60 | V 60 | 260er- und 360er-Nummernkreis |
| V 200 | V 200 | 220er-Nummernkreis |
Warum die Umzeichnung nötig war
Beide deutschen Bahnen hatten unabhängig voneinander nummeriert. Die Reichsbahn führte ihre V 100 als Baureihe 110 – im Westen war das die Nummer einer Elektrolokomotive. Ab 1992 musste eindeutig sein, welches Fahrzeug gemeint ist, und die bestehende Gattungslogik gab die Antwort vor.
Wo taucht gerade eine V 100 auf?
Live-Sichtungen aus der Community sind bei Fahrzeugen ohne festen Fahrplan die beste Informationsquelle.
Spotting und Fotografie
Eine V 100 fotografiert man anders als eine Fernverkehrslok. Sie fährt langsamer, hält häufiger und steht oft dort, wo wenig los ist – das ist ein Vorteil, wenn man ihn nutzt.
- Kleine Bahnhöfe schlagen große Knoten. An übersichtlichen Stationen bekommst du saubere Hintergründe, freie Sichtachsen und Zeit für den Bildaufbau. Warum sich das lohnt, beschreibt der Beitrag zu den Vorteilen kleiner Bahnhöfe beim Spotten.
- Die Seitenwand gehört ins Bild. Nummer und Halterbeschriftung sind bei diesen Fahrzeugen die eigentliche Information – ohne sie ist die Sichtung nicht eindeutig.
- Langsamfahrten nutzen. Bei Rangier- und Bauzugfahrten reichen deutlich längere Verschlusszeiten als bei Durchfahrten im Streckentempo. Das eröffnet Bildideen, die bei schnellen Zügen nicht funktionieren.
Nur von öffentlich zugänglichen Standorten
Gleisanlagen, Rangierbereiche, Betriebshöfe und Abstellgruppen sind Betriebsgelände und für Unbeteiligte tabu – unabhängig davon, wie interessant das Fahrzeug dort ist. Bahnsteige, öffentliche Wege, Straßen und Brücken bieten genug Perspektiven.
Warum die V 100 so lange gebraucht wurde
Die Konstruktion stammt aus einer Zeit, in der die Dampflokomotive im Alltagsbetrieb abgelöst werden musste. Gefragt war kein Spezialist, sondern ein Fahrzeug, das möglichst viele unterschiedliche Aufgaben übernehmen konnte: kurze Personenzüge auf Nebenstrecken, Güterzüge zwischen kleineren Bahnhöfen, Übergaben zu Anschlussgleisen, Rangieraufgaben im Bahnhof selbst. Eine Dampflok brauchte für jede dieser Aufgaben Vorbereitungszeit, Personal und Infrastruktur. Eine Diesellok konnte innerhalb von Minuten übernehmen.
Die Bauform folgt genau dieser Anforderung. Der Führerstand zwischen zwei Vorbauten ist kein Kompromiss, sondern eine bewusste Entscheidung: Aus dieser Position lässt sich in beide Fahrtrichtungen ähnlich gut arbeiten, was beim Rangieren entscheidend ist. Der lange Vorbau nimmt Motor und Kühlanlage auf, der kurze die Nebenaggregate. Wartungsklappen an beiden Seiten machen die Technik zugänglich, ohne dass ein Werkstattkran nötig wäre.
Dazu kommt die hydraulische Kraftübertragung. Ein Strömungsgetriebe ist mechanisch einfacher als eine dieselelektrische Anlage mit Generator und Fahrmotoren, kommt ohne aufwendige Leistungselektronik aus und lässt sich in kleineren Dienststellen unterhalten. Für ein Fahrzeug, das in der Fläche arbeiten sollte, war das ein wichtiges Argument.
Diese Kombination – robust, vielseitig, einfach zu unterhalten – erklärt, warum die Fahrzeuge auch dann noch gebraucht wurden, als ihr ursprüngliches Einsatzgebiet längst geschrumpft war. Bauzüge, Werkverkehre und Bedienfahrten stellen ähnliche Anforderungen wie der Nebenbahnbetrieb der 1960er Jahre: wenig Tempo, viel Wechsel zwischen Fahren und Rangieren, Einsatz an Orten ohne große Infrastruktur.
Häufige Verwechslungen
Es spricht für die 202, wenn …
- du vier Achsen und zwei ungleich lange Vorbauten siehst
- die Aufbauten kantig und vergleichsweise hoch wirken
- kein Stromabnehmer montiert ist
- die Nummer mit 202 beginnt
Sieh genauer hin, wenn …
- die Nummer nicht lesbar ist – die Schwesterbaureihen sind formgleich
- Vorbau, Auspuff oder Kühlergitter verändert wirken, was auf eine Remotorisierung hindeutet
- die Lok in einer Privatbahnlackierung ohne vertraute Farbgebung unterwegs ist
Es ist keine 202, wenn …
- die Nummer mit 201, 203, 204 oder 21x beginnt
- die Lok einen durchgehenden Lokkasten mit zwei Endführerständen hat
- du drei Achsen mit Stangenantrieb siehst – dann bist du bei einer klassischen Rangierlok
Die remotorisierte Weiterentwicklung derselben Grundbauart führt zur Baureihe 204; spätere Umbaugenerationen laufen unter anderem als Baureihe 298. Wer die Ursprungsbauart im Zusammenhang sehen will, findet sie unter LEW V 100.
Fazit
Die Baureihe 202 ist ein Musterbeispiel für ein Fahrzeug, dessen Bestimmung in zwei Ebenen zerfällt: Die Bauform bringt dich in Sekunden zur Familie, die Nummer erst zur Baureihe. Wer bei der V 100 nur die Silhouette notiert, hat streng genommen nichts dokumentiert. Wer die Nummer mitnimmt, hat dagegen eine Information, die später niemand mehr rekonstruieren kann – denn der Bestand dieser Fahrzeuge verändert sich schneller, als Listen nachkommen.
Kurzfazit
Vorbaulok mit vier Achsen, kein Stromabnehmer, Nummer beginnt mit 202: Das ist die beheizungsfähige Ost-V-100. Sie kann Reisezüge fahren, verdient ihr Geld aber meist im Güter-, Rangier- und Bauzugdienst.
Zusammenfassung
- Die Baureihe 202 steht für die vielseitige Grundidee der V 100: eine Lok, die Strecke und Bahnhof gleichermaßen bedienen kann.
- Zur Bestimmung genügen Bauform, Achszahl und Fahrzeugnummer; die Schwesterbaureihen sind formgleich und nur über die Nummer sicher zu trennen.
- Weil die Lok Reisezugwagen beheizen kann, ist sie im Gegensatz zur 201 auch vor Personenzügen denkbar.
- Der aktuelle Bestand ist stark in Bewegung – jede Sichtung mit Nummer und Datum ist deshalb dokumentarisch wertvoll.
Häufige Fragen
Was ist die Baureihe 202?
Die Baureihe 202 ist eine vierachsige Diesellokomotive mit hydraulischer Kraftübertragung aus der V-100-Familie der Deutschen Reichsbahn. Sie trägt einen langen und einen kurzen Vorbau mit dem Führerstand dazwischen und verfügt über eine elektrische Zugheizung. Ihre Nummer stammt aus der Umzeichnung nach 1992.
Was unterscheidet die Baureihe 202 von der 201?
Vor allem die elektrische Zugheizung. Nur damit lassen sich Reisezugwagen im Winter beheizen, weshalb die 202 für den Personenzugdienst infrage kam und die 201 nicht. Äußerlich sind beide praktisch identisch – im Feld entscheidet deshalb die Fahrzeugnummer.
Warum trägt eine ehemalige Reichsbahnlok eine Zweihunderternummer?
Weil im dreistelligen Schema die 1xx-Nummern für Elektrolokomotiven und die 2xx-Nummern für Diesellokomotiven reserviert sind. Die Reichsbahn hatte ihre V 100 als Baureihe 110 geführt – eine Nummer, die im Westen bereits an eine Ellok vergeben war. Ab 1992 wurde der Konflikt zugunsten der bestehenden Systematik aufgelöst.
Ist die 202 eine Rangier- oder eine Streckenlok?
Konstruktiv eine Streckenlokomotive für leichte Aufgaben. In der Praxis übernimmt sie aber genauso Rangier-, Übergabe- und Bauzugdienste. Diese Doppelrolle war der eigentliche Zweck der V-100-Konstruktion und erklärt, warum die Familie über Jahrzehnte gebraucht wurde.
Wie erkenne ich die Ost-Bauart der V 100 von der West-Bauart?
Die Ost-Bauart wirkt kantiger und höher, mit großen rechteckigen Führerstandsfenstern; die West-Bauart ist gerundeter und niedriger. Sicherer ist die Nummer: 201 bis 204 gehören zur Ost-Bauart, 211 bis 214 zur West-Bauart.
Wie schnell fährt die Baureihe 202?
Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 100 km/h. Für Nebenbahnen, Übergabefahrten und leichte Reisezugleistungen reicht das aus – schnellere Dieselloks gehörten in Deutschland zu anderen, größeren Bauarten mit durchgehendem Lokkasten.
Sieht man die Baureihe 202 heute noch?
Der Bestand ist deutlich geschrumpft. Zahlreiche Maschinen wurden verkauft, remotorisiert und dabei umgezeichnet oder abgestellt. Ob einzelne Fahrzeuge aktuell betriebsfähig sind und wo sie eingesetzt werden, ändert sich laufend und lässt sich nur über aktuelle Quellen klären.
Wo lohnt sich die Suche nach einer V 100 am ehesten?
An kleineren Bahnhöfen, Anschlussstellen, Güterbereichen und dort, wo Bauarbeiten laufen. Große Fernverkehrsknoten sind dagegen der schlechteste Ort: Dort dominieren Triebzüge und moderne Ellokbaureihen, und Altbau-Dieselloks tauchen nur zufällig auf.
Sichtung von Baureihe 202 (V100) festhalten
Datum, Ort und Fahrzeugnummer in Sekunden erfasst – und sichtbar für die Community.
Verwandte Baureihen
Baureihe 201 (V100)
Die Baureihe 201 ist die Grundausführung der ostdeutschen V 100, ab 1992 neu nummeriert. So erkennst du sie und trennst sie von den verwandten Umbauvarianten.
DiesellokBaureihe 204 (V100)
Die Baureihe 204 ist eine remotorisierte V 100 der Ost-Bauart mit Zugheizung. So erkennst du sie und ordnest sie sicher in die V-100-Familie ein.
RangierlokLEW V 100
Die LEW V 100 aus Hennigsdorf prägt bis heute den Bahnbetrieb vieler Privatbahnen. Umbauten und Remotorisierungen machen die Bestimmung spannend – und knifflig.
DiesellokBaureihe 213 (V100)
Die Baureihe 213 ist die Steilstreckenausführung der westdeutschen V 100 mit zusätzlicher Bremsausrüstung. So erkennst du sie und ordnest sie richtig ein.
DiesellokBaureihe 214 (V100)
Die Baureihe 214 ist keine Neubaulok, sondern eine Umbaubezeichnung innerhalb der westdeutschen V-100-Familie. So ordnest du sie sicher ein.
DiesellokBaureihe 215
Die Baureihe 215 gehört zur V-160-Familie: 150 vierachsige Dieselloks für 140 km/h, gebaut ab 1968. So erkennst du sie und trennst sie von ihren Schwestern.
Wer dahintersteckt
Konzerne, Marken, Hersteller und Betriebe – wer wem gehört und woran du sie im Feld erkennst.
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