Das Wichtigste in Kürze
- Die 772 ist die Ferkeltaxe: ein zweiachsiger Leichttriebwagen aus Bautzen für die Nebenstrecken der Deutschen Reichsbahn.
- Schnellster Erkennungsweg: zwei Achsen zählen. Ein Triebwagen ohne Drehgestelle ist in Deutschland eine Seltenheit.
- Nummerngeschichte: von VT 2.09 über die Baureihen 171 / 172 zu 771 / 772 – der Weg spiegelt drei Bahnepochen.
- Heute historisch: Ein planmäßiger Einsatz findet nicht mehr statt; die Fahrzeuge stehen bei Vereinen und Museumsbahnen.
- Recherchewege statt Standortlisten: Termine, Halterauskünfte und aktuelle Sichtungen sind verlässlicher als alte Übersichten.
Inhaltsverzeichnis
Steckbrief
| Fahrzeugart | Zweiachsiger leichter Dieseltriebwagen für Nebenstrecken |
|---|---|
| Hersteller | VEB Waggonbau Bautzen |
| Bauzeit | ab den frühen 1960er Jahren |
| Ursprungsbezeichnung | VT 2.09 der Deutschen Reichsbahn |
| Nummernweg | VT 2.09 → Baureihe 171 / 172 → Baureihe 771 / 772 |
| UIC-Bauartcode | 95 – Dieseltriebwagen |
| Heutiger Status | Kein planmäßiger Einsatz mehr; erhaltene Fahrzeuge bei Museums- und Traditionsbahnen |
Erkennungsmerkmale
Hast du wirklich diese Baureihe vor dir?
- Nur zwei Achsen – kein Drehgestell, das Fahrzeug sitzt direkt auf zwei Radsätzen
- Kurzer, niedriger Wagenkasten mit gerader, hoch angesetzter Fensterreihe
- Rundlich gestaltete Fronten mit kleinen Führerstandsfenstern
- Puffer und Schraubenkupplung nach Regelbauart – anders als bei den frühen westdeutschen Schienenbussen
- Häufig mit passendem Beiwagen im Verband, seltener allein
- Fahrzeugnummer beginnt mit 772 (ältere Anschriften auch 172 oder VT 2.09)
Aktualisiert: August 2026 – Zwei Achsen, ein kurzer Wagenkasten, eine rundliche Front: Die Baureihe 772 ist als Ferkeltaxe eines der bekanntesten Fahrzeuge der ostdeutschen Nebenbahngeschichte. Diese Seite erklärt, woher sie kommt, wie sich ihre Nummer über drei Epochen verändert hat, woran du sie zweifelsfrei erkennst und wie du eine der wenigen betriebsfähigen Maschinen überhaupt noch antriffst.
Museumsfahrzeug gesichtet? Festhalten.
Bei historischen Triebwagen ist jede Fahrt ein Einzelereignis – mit Datum, Ort und Nummer bleibt sie belegbar.
Was ist die Baureihe 772?
Die Baureihe 772 ist ein zweiachsiger leichter Dieseltriebwagen, gebaut ab den frühen 1960er Jahren vom VEB Waggonbau Bautzen. Ihre Aufgabe war der Verkehr auf den zahlreichen Nebenstrecken der Deutschen Reichsbahn: kurze Wege, dünne Nachfrage, wenig Personal – ein Fahrzeug, das allein oder mit einem Beiwagen den ganzen Tag über eine Strecke bedienen konnte.
Der Ansatz war konsequent: Ein zweiachsiges Fahrzeug ist einfacher, leichter und billiger zu unterhalten als ein Triebwagen auf Drehgestellen. Auf den kurzen, langsam befahrenen Nebenstrecken fiel der Komfortnachteil kaum ins Gewicht, während die Betriebskosten spürbar sanken. Genau diese Rechnung stand auch hinter den westdeutschen Schienenbussen derselben Jahre – zwei Bahnverwaltungen, getrennte Entwicklungen, dieselbe wirtschaftliche Logik.
Der volkstümliche Name Ferkeltaxe hat sich so gründlich durchgesetzt, dass er die offiziellen Bezeichnungen überlebt hat. Die Fahrzeuge prägten den Alltag ganzer Regionen und verschwanden erst mit der Stilllegung oder Umstellung der Strecken aus dem Regelbetrieb. Heute stehen sie dort, wo historische Fahrzeuge hingehören: bei Museums- und Traditionsbahnen.
Der Nummernweg: VT 2.09, 172 und 772
Kaum ein Fahrzeug zeigt die deutsche Nummerngeschichte so anschaulich. Drei Systeme haben nacheinander auf dieselbe Bauart gezeigt:
- VT 2.09 war die ursprüngliche Gattungsbezeichnung der Deutschen Reichsbahn. Das Kürzel VT stand für Verbrennungstriebwagen – Gegenstücke waren VS für Steuerwagen und VB für Beiwagen. Diese Systematik beschrieb die Rolle des Fahrzeugs im Verband, nicht seinen Hersteller.
- Mit der Umstellung auf EDV-Nummern wurde daraus die Baureihe 171 beziehungsweise 172. Aus Buchstaben wurden Ziffern, aus Gattungskürzeln Nummernblöcke.
- Nach 1990 folgte im gemeinsamen deutschen System die Bezeichnung 771 / 772.
Darüber liegt heute die zwölfstellige UIC-Nummer, deren erste beide Ziffern die Bauart angeben: 95 steht für Dieseltriebwagen. Wie diese Nummer im Detail aufgebaut ist, erklärt der Guide zur UIC-Nummer.
Mehrere Nummern an einem Fahrzeug sind normal
Bei Museumsfahrzeugen findest du oft historische Anschriften und moderne Nummern nebeneinander – manchmal bewusst als Rückrüstung auf einen bestimmten Zustand. Fotografiere beides. Für die Zuordnung zählt die aktuelle Fahrzeugnummer, für die Geschichte die alte.
So bestimmst du die Ferkeltaxe im Feld
Achsen zählen
Genau zwei Achsen, direkt im Rahmen, ohne Drehgestell. Das ist bei deutschen Triebwagen so selten, dass die Bestimmung damit fast erledigt ist.
Höhe und Länge einschätzen
Der Wagenkasten ist kurz und niedrig. Neben einem modernen Regionaltriebwagen wirkt das Fahrzeug fast klein.
Front ansehen
Rundlich gestaltet, mit kleinen Führerstandsfenstern und einer schlichten, funktionalen Gliederung ohne große Verkleidungen.
Verband prüfen
Häufig läuft ein passender Beiwagen mit. Ein Zweiwagenverband aus zwei sehr ähnlichen, kurzen Fahrzeugen ist typisch.
Wer die Reihenfolge solcher Prüfungen generell festlegen will, findet sie in der Anleitung zum Bestimmen von Baureihen.
Einordnung im Bahnbetrieb
Die 772 gehört heute vollständig zum historischen Bestand. Das verändert die Suche: Nicht der Fahrplan entscheidet, sondern der Veranstaltungskalender.
Erhalten wird die Bauart von Vereinen und kleinen Bahnen im Osten Deutschlands. Im südlichen Brandenburg hält die Niederlausitzer Museumseisenbahn Fahrzeuge und Strecken aus Reichsbahnzeiten im Betrieb. Über den Kamm des Thüringer Waldes führt die Rennsteigbahn, hinter der ein eigenes Eisenbahnverkehrsunternehmen steht. Und südlich von Dresden kümmert sich die Sächsische Museumseisenbahn Windbergbahn um das, was von der ältesten Gebirgsbahn Deutschlands übrig ist.
| Suchweg | Erfolgsaussicht | Was du dort bekommst |
|---|---|---|
| Veranstaltungsseiten von Museums- und Traditionsbahnen | hoch | Verbindliche Termine für Fahrtage und Sonderfahrten |
| Fachforen mit Sonderfahrtenthreads | hoch | Hinweise auf Überführungen und kurzfristige Einsätze |
| Community-Sichtungen mit Datum und Foto | mittel | Aktueller Standort, tatsächliche Betriebsfähigkeit |
| Direkte Anfrage beim Verein | hoch | Verlässliche Auskunft zu Zustand und Planung |
| Ältere Standortlisten im Netz | gering | Häufig überholt – Fahrzeuge wechseln Eigentümer und Abstellort |
| Regelfahrplan | keine | Kein planmäßiger Einsatz mehr |
Keine Fahrt auf Verdacht
Betriebsfähigkeit ist bei historischen Fahrzeugen kein Dauerzustand: Fristen laufen ab, Ersatzteile fehlen, Fahrzeuge stehen jahrelang. Prüfe vor jeder Anreise beim Veranstalter, ob das Fahrzeug tatsächlich im Einsatz ist.
Wo wurde die 772 zuletzt gesehen?
Aktuelle Community-Meldungen sagen dir mehr über den Zustand eines Museumsfahrzeugs als jede Bestandsliste.
Spotting- und Fototipps
Ein kurzer, zweiachsiger Triebwagen braucht ein passendes Umfeld. Vor einer großen Bahnhofshalle verschwindet er; auf einer eingleisigen Nebenstrecke zwischen Feldern erzählt er sofort seine Geschichte.
Praktisch bewährt: Wähle einen frei zugänglichen Standpunkt an einem öffentlichen Weg oder Bahnübergang mit freier Sicht auf die Strecke. Eine flache Dreiviertelansicht zeigt Front und Seitenwand und lässt den kurzen Wagenkasten nicht gedrungen wirken. Nimm die beiden Achsen bewusst mit ins Bild – sie sind das Merkmal, das die Baureihe ausmacht. Ergänze eine separate Aufnahme der Seitenwand mit vollständiger Fahrzeugnummer und Anschriften.
Auf Museumsgelände gilt uneingeschränkt das Hausrecht des Betreibers. Halte dich an ausgewiesene Wege und Absperrungen und betritt keine Gleisbereiche – auch nicht solche, die still wirken. Auf Vereinsgeländen wird rangiert, oft ohne die Sicherungstechnik großer Bahnhöfe. Wenn du unsicher bist, frag das Personal; die meisten Vereine sind auskunftsfreudig und zeigen gern, wo man legal gut steht.
Wie du Termine für solche Fahrten systematisch findest, beschreibt der Guide zu Sonderzügen und Sonderfahrten; das Umfeld der Museumsbahnszene erschließt der Museumsbahn-Guide.
Häufige Verwechslungen
Es spricht für die 772, wenn …
- das Fahrzeug nur zwei Achsen hat
- der Wagenkasten kurz und niedrig ist
- die Fronten rundlich mit kleinen Fenstern gestaltet sind
- die Nummer mit 772 beginnt oder historische Anschriften VT 2.09 zeigen
Sieh genauer hin, wenn …
- das Fahrzeug in einem historischen Farbschema rückgerüstet wurde
- du nur eine Frontaufnahme hast und die Achsen nicht siehst
- ein Beiwagen den Blick auf den Triebwagen verdeckt
Es ist keine 772, wenn …
- das Fahrzeug auf Drehgestellen läuft
- es aus mehreren Wagenteilen mit Übergang besteht
- die Nummer mit 672, 795, 796 oder 798 beginnt
Die nächste Fahrzeuggeneration derselben Idee ist der LVT/S der Baureihe 672.9 – kastiger, moderner, aber mit demselben Zweck. Das westdeutsche Pendant derselben Epoche ist der Uerdinger Schienenbus VT 98, der nach der EDV-Umstellung unter anderem als Baureihe 798 geführt wurde.
Fazit
Die Baureihe 772 ist eines der wenigen Fahrzeuge, bei denen ein einziger Blick genügt: Zwei Achsen an einem Triebwagen gibt es in Deutschland kaum ein zweites Mal. Ihre Nummerngeschichte von VT 2.09 über 172 zu 772 macht sie zusätzlich zu einem Lehrstück über die deutsche Bezeichnungssystematik. Wer sie fahren sehen will, arbeitet mit Terminen, Vereinsauskünften und aktuellen Sichtungen – Standortlisten aus dem Netz sind bei historischen Fahrzeugen die schwächste aller Quellen.
Kurzfazit
Zwei Achsen, kurzer Kasten, rundliche Front: Das ist die Ferkeltaxe. Sie fährt nur noch im musealen Umfeld, also führt der Weg über Fahrtage, Sonderfahrten und aktuelle Meldungen – nie über den Regelfahrplan.
Zusammenfassung
- Die Ferkeltaxe war das Rückgrat des Nebenbahnverkehrs der Deutschen Reichsbahn und ist heute ein Museumsfahrzeug mit hohem Wiedererkennungswert.
- Zwei Achsen, kurzer Wagenkasten, rundliche Front: Die Bestimmung ist eine der einfachsten überhaupt.
- Der Nummernweg von VT 2.09 über 172 zu 772 erklärt, warum an einem Fahrzeug mehrere Bezeichnungen auftauchen können.
- Einsätze finden fast nur bei Sonderfahrten und Veranstaltungen statt – Termine gehören direkt beim Veranstalter geprüft.
Häufige Fragen
Was ist die Baureihe 772?
Die Baureihe 772 ist ein zweiachsiger leichter Dieseltriebwagen, gebaut ab den frühen 1960er Jahren vom VEB Waggonbau Bautzen für die Nebenstrecken der Deutschen Reichsbahn. Ursprünglich lief sie als VT 2.09, später als Baureihe 172 und schließlich als 772. Im Volksmund heißt sie Ferkeltaxe.
Woher kommt der Spitzname Ferkeltaxe?
Der Name entstand im Alltag auf den Nebenstrecken und spielt darauf an, dass in den kleinen Triebwagen buchstäblich alles mitfuhr, was aufs Land gehörte – vom Milchkannenverkehr bis zum Kleinvieh. Offiziell ist die Bezeichnung nie gewesen, aber sie hat sich so gründlich durchgesetzt, dass sie heute jeder kennt.
Wie erkenne ich eine Ferkeltaxe sicher?
Zähl die Achsen. Die 772 hat nur zwei Achsen und keine Drehgestelle – das ist bei deutschen Triebwagen extrem selten. Dazu kommen der kurze, niedrige Wagenkasten und die rundlich gestalteten Fronten mit kleinen Führerstandsfenstern.
Was bedeutet die Nummernfolge VT 2.09, 172 und 772?
Sie zeigt drei Systeme hintereinander. VT 2.09 war die alte Gattungsbezeichnung der Deutschen Reichsbahn, in der VT für Verbrennungstriebwagen stand. Mit der Umstellung auf EDV-Nummern wurde daraus die Baureihe 171 beziehungsweise 172, nach 1990 schließlich 771 / 772 im gemeinsamen Nummernsystem.
Fährt die Baureihe 772 noch planmäßig?
Nein. Im Regelverkehr sind die Fahrzeuge nicht mehr unterwegs. Erhaltene Triebwagen stehen bei Museums- und Traditionsbahnen sowie bei privaten Eigentümern. Einsätze finden bei Sonderfahrten, Vereinsveranstaltungen und Jubiläen statt – Termine gehören direkt beim Veranstalter geprüft.
Was ist der Unterschied zwischen 771 und 772?
Beide Nummern gehören zur selben Fahrzeugfamilie und trennen Untergruppen, die sich in Bauart und Ausrüstung unterscheiden. Welche Variante konkret vor dir steht, verrät die vollständige Fahrzeugnummer an der Seitenwand – und im Zweifel die Fahrzeugdokumentation der Museumsbahn, die den Triebwagen betreut.
Wie unterscheidet sich die Ferkeltaxe vom Uerdinger Schienenbus?
Beide sind Nebenbahn-Leichttriebwagen derselben Epoche, stammen aber aus getrennten Bahnsystemen. Der Uerdinger Schienenbus der Deutschen Bundesbahn wirkt busartiger, mit großen Frontfenstern und typischer roter Lackierung. Die Ferkeltaxe ist kürzer, niedriger und in der Formgebung schlichter. Die Fahrzeugnummer entscheidet endgültig.
Wo finde ich Termine für Fahrten mit der 772?
Über die Veranstaltungsseiten der Museums- und Traditionsbahnen, über Fachforen mit Sonderfahrtenthreads und über Community-Sichtungen anderer Spotter. Ältere Standortlisten sind mit Vorsicht zu genießen: Fahrzeuge wechseln Eigentümer, Abstellorte und Betriebsfähigkeit.
Sichtung von Baureihe 772 festhalten
Datum, Ort und Fahrzeugnummer in Sekunden erfasst – und sichtbar für die Community.
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