Das Wichtigste in Kürze
- Die 115 ist keine eigene Bauart: Sie entstand durch Umzeichnung aus der Baureihe 110.3 und gehört zur großen E-10-Familie.
- Schnellster Erkennungsweg: vier Achsen, kastiger Aufbau und die charakteristische Bügelfalten-Front mit senkrechtem Grat.
- Die Ordnungsnummern springen – sie wurden aus dem alten 110er-Bestand übernommen und sind nicht fortlaufend ab 001.
- Planmäßige Leistungen gibt es nicht mehr: Wer eine 115 sehen will, orientiert sich an Sonderfahrten und Veranstaltungen.
- Verwechslungsgefahr besteht vor allem mit den Baureihen 110 und 113, die dieselbe Front tragen können.
Inhaltsverzeichnis
Steckbrief
| Fahrzeugart | Elektrolokomotive für Reise- und Sonderzugleistungen |
|---|---|
| Achsfolge | Bo'Bo' (zwei zweiachsige Drehgestelle, alle Achsen angetrieben) |
| Höchstgeschwindigkeit | 150 km/h |
| Stromsystem | 15 kV / 16,7 Hz Wechselstrom |
| Herkunft | Umzeichnung aus der Baureihe 110.3 (Bauartfamilie E 10) |
| Status | Planmäßige Einsätze sind entfallen; erhalten gebliebene Maschinen sind Sonder- und Museumsfahrzeuge |
Erkennungsmerkmale
Hast du wirklich diese Baureihe vor dir?
- Vier Achsen in zwei Drehgestellen, kastiger Lokkasten der Einheitsellok-Bauart
- Bügelfalten-Front: nach vorn gekantete Stirnseite mit senkrechtem Grat in der Mitte
- Zwei Frontfenster, darunter durchgehende Zierleiste – kein umlaufendes Fensterband wie bei Neubauloks
- Fahrzeugnummer beginnt mit 115, die Ordnungsnummern sind unregelmäßig verteilt
- Meist vor Sonder-, Ersatz- oder Überführungszügen, nicht im dichten Taktverkehr
Aktualisiert: August 2026 – Kastiger Lokkasten, vier Achsen, eine Stirnseite mit senkrechtem Grat in der Mitte: Wer heute eine Baureihe 115 vor die Kamera bekommt, hat ein Stück Bundesbahn-Geschichte erwischt. Diese Seite erklärt, wo die Baureihe herkommt, wie du sie von ihren Schwestern trennst und warum die Fahrzeugnummer hier die halbe Miete ist.
Seltene Loks gehören dokumentiert
Eine 115 sieht man nicht jeden Tag – halte Nummer, Datum und Ort direkt in Traintrack fest.
Was ist die Baureihe 115 (E10)?
Die Baureihe 115 ist eine vierachsige Elektrolokomotive der Einheitsellok-Familie E 10, zugelassen für 150 km/h und ausgelegt auf 15 kV Wechselstrom. Sie ist keine Neukonstruktion, sondern eine durch Umzeichnung entstandene Untergruppe der Baureihe 110 – konkret aus deren Bauart 110.3 mit der markanten Bügelfalten-Front.
Der Zweck dieser Abspaltung war betrieblicher Natur: Maschinen, die nicht mehr im klassischen Taktverkehr, sondern für Sonder-, Ersatz- und Überführungsleistungen vorgehalten wurden, bekamen bei der Deutschen Bahn AG eine eigene Baureihenziffer. Für Spotter heißt das: Die 115 war nie eine Massenerscheinung mit festen Umläufen, sondern ein Fahrzeug, das man dort trifft, wo etwas vom Regelbetrieb abweicht.
E-Nummer, Umzeichnung, dreistellige Baureihe
Kaum eine deutsche Ellok macht das Nummernsystem so anschaulich wie diese hier.
- Bis 1968 hieß die Bauart
E 10. DasEstand für elektrisch, die Zahl für die Bauartfamilie – daneben gab es E 40, E 41 und E 50. - 1968 stellte die Bundesbahn auf dreistellige, computergerechte Baureihennummern um. Aus E 10 wurde 110, aus E 40 die Baureihe 140, aus E 41 die 141. Die führende 1 kennzeichnet seither die Elektrolokomotive.
- Innerhalb der Hunderterreihe liegen die niedrigen Nummern bei den Reisezugloks, die mittleren bei den Güterzugloks, die 180er bei Mehrsystem- und Grenzloks.
- Spätere Abspaltungen wie die 115 entstanden, indem einzelne Maschinen eine neue Baureihenziffer erhielten und ihre Ordnungsnummer behielten. Genau deshalb ist die Nummernreihe der 115 lückenhaft.
Wie diese Ziffernfolge mit der zwölfstelligen europäischen Fahrzeugnummer zusammenhängt, erklärt der Beitrag zur UIC-Nummer und ihrer Prüfziffer.
So bestimmst du eine 115 im Feld
Achsen und Kastenform prüfen
Vier Achsen, kastiger Aufbau mit klaren Kanten und langen seitlichen Lüftergittern. Das ist das Grundmuster der Einheitselloks der 1950er und 1960er Jahre.
Stirnseite ansehen
Ist die Front in der Mitte senkrecht gekantet, hast du die Bügelfalte vor dir. Eine flache, ungekantete Stirnseite spricht für die frühere Kastenvariante derselben Familie.
Dach und Stromabnehmer beurteilen
Altbau-Elloks tragen häufig noch Scherenstromabnehmer statt der schlanken Einholmbügel moderner Maschinen – ein guter Hinweis auf das Baualter.
Nummer lesen
Erst die Ziffernfolge entscheidet zwischen 110, 113 und 115. Ohne Nummer bleibt es bei „Familie E 10“.
Einordnung im Bahnbetrieb
Weil die 115 kein Fahrzeug des Regelverkehrs mehr ist, funktioniert die klassische Spotting-Strategie „an den richtigen Bahnhof stellen und warten“ hier nicht. Der Zugang läuft über Termine.
| Gelegenheit | Trefferchance | Warum |
|---|---|---|
| Angekündigte Sonderfahrten | hoch | Fahrweg und Zeiten sind vorab bekannt |
| Bahn-Jubiläen und Fahrzeugschauen | hoch | Historische Loks werden gezielt gezeigt |
| Museumsbahn-Betriebstage | mittel | Abhängig vom Fahrzeugeinsatz des Vereins |
| Überführungs- und Leerfahrten | niedrig | Kurzfristig und schwer planbar |
| Regelverkehr am Hauptbahnhof | sehr niedrig | Kein planmäßiger Einsatz mehr |
Bestand und Betriebsfähigkeit ändern sich
Welche Maschinen betriebsfähig sind, wechselt mit Fristen, Hauptuntersuchungen und Eigentümerwechseln. Ältere Bestandslisten aus dem Netz sind schnell veraltet – prüfe vor jeder Anfahrt den aktuellen Stand.
Verpasse keine Sonderfahrt
Aktuelle Community-Sichtungen zeigen dir, wo historische Fahrzeuge gerade unterwegs sind.
Fototipps für eine seltene Altbau-Ellok
- Die Bügelfalte braucht Seitenlicht. Frontal und im Mittagslicht verschwindet der Grat optisch. Ein Winkel von 30 bis 45 Grad bei flachem Licht macht ihn sichtbar.
- Kastenform verträgt klassische Bildaufteilung. Die Lok ist ein sachliches Motiv – ein ruhiger Hintergrund wirkt besser als ein voller Bahnsteig.
- Nummer und Anschriften mitnehmen. Bei historischen Fahrzeugen sind Beschriftungen, Eigentümerlogos und Anschriftenfelder Teil der Dokumentation, nicht Beiwerk.
- Mehrere Aufnahmen, ein Datensatz. Ein Übersichtsbild, ein Detail der Front, ein Bild der Nummer – so bleibt die Sichtung auch Jahre später auswertbar.
Die grundsätzliche Aufnahmetechnik behandelt der Guide gute Fotos von Zügen. Fotografiert wird ausschließlich vom Bahnsteig oder von öffentlich zugänglichem Gelände; Gleise, Betriebsanlagen und Abstellgruppen sind tabu. Was das konkret heißt, steht im Beitrag zum Sicherheitsabstand am Gleis.
Die Einheitsellok-Familie im Überblick
Die 115 ergibt erst Sinn, wenn man die Fahrzeugfamilie kennt, aus der sie stammt. Die Deutsche Bundesbahn entwickelte in den 1950er Jahren erstmals mehrere Baureihen aus gemeinsamen Baugruppen – ein Ansatz, der Beschaffung und Unterhaltung deutlich vereinfachte.
| Aufgabe | Alte Bezeichnung | Dreistellige Baureihe | Erkennungshilfe |
|---|---|---|---|
| Schnelle Reisezüge | E 10 | 110 und Untergruppen wie 113 und 115 | Kastenform, teils Bügelfalte |
| Güterzüge | E 40 | 140 | Langer Kasten, glattes Dach |
| Steilstrecken-Güterzüge | E 40.11 | 139 | Zusätzliche Dachaufbauten für Bremswiderstände |
| Nahverkehr | E 41 | 141 | Auffällig kurzer Lokkasten |
Für die Praxis bedeutet das eine klare Reihenfolge beim Bestimmen: zuerst die Familie über die Kastenform erkennen, dann über Länge, Frontform und Dachaufbauten eingrenzen, zuletzt die Nummer lesen. Wer diesen Ablauf einmal verinnerlicht hat, ordnet einen großen Teil der deutschen Altbau-Elloks in wenigen Sekunden ein – die allgemeine Systematik dazu steht in der Anleitung zum Bestimmen von Baureihen.
Ein zweiter Punkt hilft beim Einordnen historischer Fahrzeuge: Je später eine Untergruppe entstand, desto wahrscheinlicher ist sie durch Umzeichnung und nicht durch Neubau entstanden. Die 115 gehört genau in diese Kategorie – sie ist ein Verwaltungsvorgang, der zu einem eigenen Fahrzeugtyp geworden ist.
Häufige Verwechslungen
Es spricht für die 115, wenn …
- vier Achsen, kastiger Lokkasten und Bügelfalten-Front zusammenkommen
- die Nummer mit 115 beginnt
- die Lok vor einem Sonder-, Ersatz- oder Überführungszug läuft
Sieh genauer hin, wenn …
- die Front passt, die Nummer aber nicht lesbar ist – 110.3 und 113 sehen praktisch gleich aus
- die Lok eine historische Lackierung trägt, die du nicht zuordnen kannst
- der Aufbau kastig wirkt, die Stirnseite aber flach ist – dann ist es eher eine frühe Variante der Familie
Es ist keine 115, wenn …
- du sechs Achsen zählst – dann bist du bei den schweren Güterzugbaureihen 150, 151 oder 155
- die Front ein breites, umlaufendes Fensterband hat – das ist die Neubaugeneration um 143 und 112
- die Lok deutlich moderner wirkt, mit glatter Seitenwand und Einholmstromabnehmer
Die realistisch gefährlichsten Kandidaten sind damit die Baureihe 113 und die übrigen Maschinen der Bauart 110.3. Etwas weiter entfernt, aber optisch verwandt, steht die Baureihe 141: ebenfalls Kastenform, aber kürzer, ohne Bügelfalte und mit anderem Einsatzprofil.
Fazit
Die Baureihe 115 zeigt, wie das deutsche Nummernsystem funktioniert: Eine neue Ziffer bedeutet nicht automatisch ein neues Fahrzeug. Wer die E-10-Familie an Kastenform, Achszahl und Bügelfalte erkennt, muss danach nur noch die Ziffern lesen – und hat mit einer 115 ein Fahrzeug erwischt, das im Alltag längst nicht mehr vorkommt.
Kurzfazit
Vier Achsen, Kastenaufbau, Bügelfalte: Das ist die E-10-Familie. Die Nummer trennt 110, 113 und 115 – und ein Treffer gelingt heute fast nur über angekündigte Sonderfahrten.
Zusammenfassung
- Die Baureihe 115 ist ein Nummernkapitel der Einheitsellok E 10 und markiert eine betrieblich abgegrenzte Gruppe innerhalb der Bauart 110.3.
- Kastenform, Bügelfalten-Front und vier Achsen führen zur Familie; die Nummer entscheidet über die konkrete Baureihe.
- Der Einsatz hat sich vom Regelbetrieb zu Sonder- und Museumsfahrten verlagert – Termine schlagen Standorte.
- Weil das Fahrzeug selten geworden ist, lohnt sich jede dokumentierte Sichtung mit Nummer, Datum und Ort besonders.
Häufige Fragen
Was ist die Baureihe 115?
Die Baureihe 115 ist eine vierachsige Elektrolokomotive der Einheitsellok-Familie E 10, die durch Umzeichnung aus der Baureihe 110.3 entstand. Sie war für Leistungen abseits des klassischen Taktverkehrs vorgesehen – etwa Sonder- und Ersatzzüge. Technisch unterscheidet sie sich nicht grundsätzlich von den übrigen 110ern.
Was bedeutet der Zusatz E10 im Namen?
E 10 ist die alte Bauartbezeichnung aus der Zeit vor 1968. Damals trugen Elektrolokomotiven der Bundesbahn ein E plus Nummer. Mit der Umzeichnung 1968 wurde daraus die dreistellige Baureihe 110 – die 115 ist eine später abgespaltene Untergruppe derselben Bauart.
Woran erkenne ich die Bügelfalten-Front?
Die Stirnseite ist nicht flach, sondern in der Mitte senkrecht gekantet, sodass ein Grat wie bei einer gebügelten Hose entsteht. Diese Form wurde für die schnellen Varianten der E 10 entwickelt und findet sich unter anderem an den Baureihen 110.3, 113 und 115.
Wie schnell fährt die Baureihe 115?
Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 150 km/h. Damit ist sie langsamer als die eng verwandten Schnellzugvarianten der Familie, die für 160 km/h zugelassen waren, und deutlich langsamer als moderne Fernverkehrsloks.
Kann man die Baureihe 115 heute noch im Regelverkehr sehen?
Nein. Planmäßige Leistungen sind entfallen. Erhalten gebliebene Maschinen laufen als Museums- oder Sonderfahrzeuge und tauchen bei Veranstaltungen, Jubiläumsfahrten und Überführungen auf. Ob und wann eine Lok unterwegs ist, ändert sich laufend – prüfe den aktuellen Stand vor der Anreise.
Warum sind die Ordnungsnummern der 115 so unregelmäßig?
Weil sie aus dem Bestand der Baureihe 110 übernommen wurden. Bei einer Umzeichnung behält die Lok in der Regel ihre Ordnungsnummer und bekommt nur eine neue Baureihenziffer davor. Deshalb beginnt die Reihe nicht bei 001, sondern springt über den ganzen Zahlenraum.
Wie unterscheide ich 115 und 110?
Äußerlich in vielen Fällen gar nicht – beide gehören zur selben Bauartfamilie und können dieselbe Front tragen. Verlässlich ist nur die Fahrzeugnummer am Fahrzeug. Wer sie nicht lesen kann, sollte die Sichtung als „E-10-Familie“ notieren statt sich festzulegen.
Lohnt sich die Suche nach einer 115 überhaupt?
Als geplante Jagd auf gut Glück eher nicht, als Termintipp schon. Wer Sonderfahrtankündigungen, Museumsbahn-Termine und Community-Meldungen verfolgt, bekommt die Lok deutlich zuverlässiger vor die Kamera als jemand, der aufs Geratewohl an einem Bahnhof wartet.
Sichtung von Baureihe 115 (E10) festhalten
Datum, Ort und Fahrzeugnummer in Sekunden erfasst – und sichtbar für die Community.
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